Die Pläne für eine Zwangsabgabe auf Bankguthaben in Zypern stoßen bei Bevölkerung und Politikern der Insel auf erbitterten Widerstand. Die Teilenteignung der Bankkunden ist eine Bedingung für die Gewährung von Hilfsgeld aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, ohne die das zyprische Bankensystem und damit die Wirtschaft der Inselrepublik vom unmittelbaren Zusammenbruch bedroht ist. Die Folge wäre ein Staatsbankrott.

Die geplante Teilenteignung trifft alle. Vom russischen Oligarchen, der mutmaßlich Schwarzgeld-Millionen auf Zyperns Banken gebunkert hat, bis zum Kleinsparer und Rentner oder Studenten und Schüler, der vielleicht nur ein paar Hundert Euro auf dem Konto hat.

Die meisten Zyprer sind schockiert. "Warum nimmt man mir einen Teil meines Geldes weg?", fragt der Pensionär Georgios Georgiou. Knapp 22.000 Euro hat der 74-Jährige im Lauf der vergangen 20 Jahre angespart.

Daraus könnten über Nacht 20.500 Euro werden. "Bin ich etwa für die Krise verantwortlich?", fragt Georgiou an die Adresse der deutschen Kanzlerin. Wie zuvor in Griechenland kommen jetzt auch in Zypern in Medienkommentaren und Internetforen zunehmend anti-deutsche Töne hoch.

"Die Verantwortlichen miteinbezogen"

Viele Zyprer sehen in Angela Merkel und ihrem Finanzminister Wolfgang Schäuble die treibenden Kräfte hinter der Zwangsabgabe. Mit der Zwangsabgabe würden "die Verantwortlichen miteinbezogen, und ich finde, das ist richtig", sagte die Kanzlerin zu der Maßnahme. Schäuble habe anfangs sogar darauf bestanden, die Bankguthaben um 40 Prozent zu beschneiden, berichtete der zyprische Regierungssprecher Christos Stylianidis.

Die Abstimmung über das am Samstagfrüh von den Euro-Finanzministern beschlossene Rettungspaket im zyprischen Parlament verzögert sich aber, weil es offenbar keine Mehrheit für die Vorlage gibt. Die Abstimmung wurde zunächst von Sonntag auf Montag verschoben. Jetzt soll sie am Dienstag stattfinden. Bis dahin hofft der konservative Präsident Nikos Anastasiades, doch noch eine Mehrheit für das Paket zusammenzubekommen. Dazu will die Regierung Kleinsparer bei der geplanten Abgabe etwas entlasten.

Bisher gibt es folgenden Plan: Wer bis zu 100.000 Euro auf dem Konto hat, muss 6,75 Prozent abführen. Für Guthaben über dieser Grenze werden sogar 9,9 Prozent fällig. Dabei hatte die Regierung noch am Freitag versichert, die Guthaben würden nicht angetastet. Und gilt in der EU nicht eine staatliche Garantie für Einlagen bis zu 100.000 Euro? Verwundert und erzürnt stellen die Zyprer nun fest, dass dies alles leere Versprechen sind.

Doch im Lauf dieses Montags wurde immer deutlicher: Im zyprischen Parlament gibt es nicht mal für die in harten Verhandlungen mit den Euro-Finanzministern abgemilderte Zwangsabgabe eine Mehrheit. Die beiden Parteien, die Anastasiades' Regierung stützen, verfügen nur über 28 der 56 Mandate im kleinen Parlament. Drei Oppositionsparteien wollen gegen die Vorlage stimmen. Und auch in Kreisen der Regierungsparteien gibt es erhebliche Widerstände.