Die Debatte über das Schicksal von Zypern begann in Brüssel am Freitagabend. Zehn Stunden dauert sie. Am Ende gab es einen Beschluss, der die Sparer in ganz Europa verunsichert hat. Wie kam es dazu? Wer hat darauf gedrängt, die Sparguthaben von allen Bankkunden in Zypern mit einer Sonderabgabe zu belasten, um die Banken des Landes zu sanieren?

Als die Finanzminister der Euro-Zone am Freitag zusammenkommen, um über die Zypern-Rettung zu verhandeln, treffen unterschiedliche Positionen aufeinander. Mit am Verhandlungstisch sitzen neben den Vertretern der Euro-Gruppe auch Delegierte der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds. Schon zu diesem Zeitpunkt ist klar, dass die Geldgeber nur bereit waren, mit zehn Milliarden Euro zu helfen. Rund sechs Milliarden Euro sollte Zypern selbst aufbringen. 

Glaubt man der Darstellung des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, liefen die Verhandlungen wie folgt ab: Die Bundesregierung sprach sich dafür aus, grundsätzlich auch auf die Guthaben von Bankkunden zur Rettung Zyperns zugreifen zu können. Allerdings sollten nur Vermögen oberhalb von 100.000 Euro belastet werden. Auch die Europäische Zentralbank und der Internationale Währungsfonds hätten auf diese Lösung gedrängt. Hintergrund des Vorschlags der Deutschen dürfte auch gewesen sein, dass die Opposition zu Hause eine Beteiligung der Kapitalseite an der Rettung gefordert hatte. 

Zyperns Präsident stürmt wutentbrannt aus dem Saal

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen hatten EZB-Ratsmitglied Jörg Asmussen und der Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem genau einen solchen Plan ausgearbeitet, der Kleinanleger verschonte. Als der Vorschlag dem zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades vorgestellt worden sei, habe dieser jedoch kategorisch abgelehnt. Um das nötige Geld zusammen zu bekommen, hätten die Vermögen über 100.000 Euro mit einer Zwangsabgabe von deutlich mehr als zehn Prozent belastet werden müssen. Das habe Anastasiades abgelehnt.

Danach soll es im Brüsseler Sitzungssaal hoch hergegangen sein. Schäuble, Dijsselbloem und Vertreter von EU, EZB und IWF unterbrachen die Sitzung mehrmals, um sich die Zyprer im Einzelgespräch vorzunehmen. Samstagfrüh habe der Niederländer Dijsselbloem dann vorgeschlagen, dass die Einlagen über 100.000 Euro mit 12,5 Prozent belastet werden.

Daraufhin stürmte Zyperns Präsident Anastasiades laut Teilnehmern wutentbrannt aus dem Saal. Er kehrte erst zurück, nachdem ihm ranghohe Unterhändler unmissverständlich klargemacht hatten, wenn er nicht an den Verhandlungstisch zurückkehre, wären der Staatsbankrott und die Schließung der Banken unabwendbar. Schließlich stimmte er der Abgabenregelung zu, bestand aber auf eine Höchstgrenze von 9,9 Prozent für die Vermögen über 100.000 Euro. Damit war klar, dass alle anderen Guthaben belastet würden – und zwar mit 6,75 Prozent.