Zyperns Präsident Nikos Anastasiades hat die Abstimmung im Parlament über die umstrittene Sonderabgabe für Bankkunden auf Montag verschoben. Das berichtete das zyprische Fernsehen. Auch eine für den Sonntag geplante Ansprache des Präsidenten an die Nation sei verschoben worden.

Die Regierung in Nikosia prüft nun, ob sie die Banken im Land länger als geplant geschlossen hält. Das berichtet der staatliche Rundfunk. Am Montag ist in Zypern Feiertag, weshalb die Institute erst am Dienstagmorgen wieder öffnen. Sollte es bis dahin nicht zu einer Einigung kommen, wolle man die Banken notfalls noch länger geschlossen halten, um einen Ansturm auf die Bankkonten zu verhindern, heißt es dem Bericht zufolge aus Regierungskreisen.

Die Länder der Eurozone hatten nach rund neunmonatigen Verhandlungen in der Nacht zum Samstag ein zehn Milliarden Euro schweres Rettungspaket für das von der Staatspleite bedrohte Zypern beschlossen. An diesem müssen sich durch eine Sonderabgabe erstmals auch Bankkunden beteiligen: Sparer aus dem In- und Ausland mit bis zu 100.000 Euro Einlagen bei zyprischen Banken müssen eine Abgabe von einmalig 6,75 Prozent zahlen, Kunden mit mehr als 100.000 Euro 9,9 Prozent. Dies hatte zu Empörung bei vielen Zyprern geführt.

Anastasiades hatte die Brüsseler Entscheidung verteidigt und gesagt, das Land habe nur zwei Alternativen gehabt: Den Zusammenbruch des Bankensystems mit einem ungeordneten Staatsbankrott oder "das Szenario eines schmerzhaften, aber kontrollierten Managements der Krise".

Es genügt ein Abweichler

Die Abstimmung über das Rettungspaket im Parlament dürfte sehr knapp ausfallen. Die kommunistische Partei Akel, die 19 Sitze der 56 Parlamentssitze innehat, hatte Medienberichten zufolge angekündigt, das Rettungspaket abzulehnen. Das gleiche gilt demnach für die sozialistische Partei Edek, zu der fünf Abgeordnete gehören. Die Partei Diko mit acht Sitzen hat sich ebenfalls kritisch geäußert. Die beiden Mitte-Rechts-Parteien DISY und DIKO, die Anastasiades stützen, haben im Parlament nur 29 von 56 Sitzen. Es genügt also ein Abweichler, um ein Patt herzustellen.

EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) brachte am Sonntag einen Freibetrag für zyprische Kleinsparer ins Gespräch. Zwar sei die Beteiligung von Bankkunden an dem Hilfsprogramm richtig, doch es müsse auch auf Sozialverträglichkeit geachtet werden, sagte Schulz der Welt am Sonntag. "Da muss nachgebessert werden, etwa über einen Freibetrag von 25.000 Euro", schlug Schulz vor. Kleinanleger seien schließlich nicht verantwortlich für Misswirtschaft auf Zypern. Ähnlich äußerte sich der Vize-Vorsitzende der Linkspartei, der Bundestagsabgeordnete Axel Troost. "Es ist nicht nachvollziehbar, dass Kleinanleger für die Fehler der Banken einstehen müssen", sagte er.