Die Staatspleite Zyperns ist abgewendet: Euro-Staaten und Weltwährungsfonds einigten sich in der Nacht mit der zyprischen Regierung auf ein Hilfsprogramm von zehn Milliarden Euro. Der zyprische Finanzsektor soll umstrukturiert, die Guthaben von Kleinsparern dabei geschützt werden.

"Wir können nun damit anfangen, den Menschen in Zypern beim Wiederaufbau ihrer Wirtschaft zu helfen", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn nach mehr als zwölf Stunden Verhandlung.

Die Euro-Finanzminister revidierten ihren umstrittenen Beschluss von Mitte März, wonach eine generelle Zwangsabgabe für Bankguthaben eingeführt werden sollte. "Konten unter 100.000 Euro sind geschützt, da gibt es keinen Zweifel dran", sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem .


Stattdessen werden Großanleger, Eigentümer und Gläubiger der beiden größten Banken der Insel herangezogen. Die zweitgrößte Bank, Laiki, soll aufgespalten werden und am Ende de facto verschwinden. Die Bank of Cyprus wird zurechtgestutzt und übernimmt den lebensfähigen Teil von Laiki.

Einleger mit Guthaben von über 100.000 Euro müssen sich auf deutliche Verluste einstellen. Ein Regierungssprecher in Nikosia sagte, die Zwangsabgabe belaufe sich auf "ungefähr 30 Prozent". Bis in diesem Punkt eine Einigung erzielt ist, sollen die Guthaben von über 100.000 Euro bei der Bank of Cyprus eingefroren werden. Dies betrifft besonders ausländische Kunden, die ihr Geld dort lagern.

Unsicherheit für Zypern ist beendet

Die Gespräche fanden unter großem Zeitdruck statt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte angekündigt, den zyprischen Banken am Dienstag den Geldhahn abzudrehen, wenn es keine Einigung auf ein Sanierungskonzept geben sollte. Ein solcher Schritt hätte einen Staatsbankrott und öffentliches Chaos zur Folge haben können. Letzten Endes stand bei der schweren Krise der Verbleib Zyperns in der Euro-Zone auf dem Spiel. "Wir haben die Unsicherheit für Zypern und die Euro-Zone beendet", sagte Dijsselbloem.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will noch am Montag die Fraktionsvorsitzenden des Bundestages unterrichten. Er zeigte sich überzeugt, dass der Bundestag zustimmen werde. "Der zyprische Bankensektor wird im Verhältnis zu der Größe der zyprischen Wirtschaft auf das durchschnittliche europäische Niveau zurückgeführt werden müssen", sagte Schäuble. "Ich bin froh, dass wir jetzt das erreicht haben, was immer unsere Position war."