BankenkriseZypern wirft Europa mangelnde Solidarität vor

Bei der Rettung Zyperns habe sich die EU wenig solidarisch verhalten, sagt Außenminister Kasoulidis. Sein Land habe vor dem Austritt aus der Euro-Zone gestanden.

Der zyprische Außenminister Ioannis Kasoulidis hat die Euro-Länder wegen ihrer Bedingungen für das Hilfspaket als unsolidarisch kritisiert. "Um es ganz offen zu sagen: Wir haben dieses Vorgehen nicht als europäische Solidarität empfunden", sagte Kasoulidis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Außenminister verwies dabei auf den Eigenbetrag von 5,8 Milliarden Euro, den Zypern als Bedingung für die Hilfe aufbringen muss.

Kasoulidis kritisierte auch explizit die deutsche Haltung. Die deutschen Steuerzahler vergäßen, dass sie ihr Geld nicht nur verzinst zurück erhielten, sondern dass die in den Süden transferierten Milliarden auch dem Erhalt der Absatzmärkte in der EU dienten.

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Der Außenminister sagte, dass sein Land vor der Entscheidung über den Verbleib in der Euro-Zone gestanden habe. "Das war eine Möglichkeit, die wir zeitweilig ernsthaft in Betracht ziehen mussten", sagte Kasoulidis. Ob es einen besseren Weg zur Lösung der Bankenkrise in Zypern gegeben hätte, konnte der Minister aber nicht sagen. "Ehrlich gesagt: Ich weiß es auch nicht", zitierte ihn das Blatt.

Zypern-Chronik

Zwei Dinge wurden Zypern zum Verhängnis: sein Geschäftsmodell und die Nähe zu Griechenland. Wie andere europäische Kleinstaaten – etwa Malta, Luxemburg oder Liechtenstein – förderte das Land den Finanzsektor. Die Regulierer in Brüssel störte das vor der Krise nicht. Steuererleichterungen und hohe Zinsen lockten ausländische Anleger an, vor allem aus Russland. So viel Geld kam ins Land, dass die Bilanzsumme der Banken heute um ein Vielfaches höher ist als die jährliche Wirtschaftsleistung Zyperns. Das System geriet durch den griechischen Schuldenschnitt ins Rutschen. Die zyprischen Banken, die Griechenland viel Geld geliehen hatten, verloren dadurch hohe Summen.

Bankenkrise

Zypern brauchte dringend Geld. Das Problem dabei: Der Staat war hoch verschuldet. Seine Schuldenlast wäre vermutlich untragbar geworden, wenn Europa und der IWF die komplette Finanzlücke einfach durch einen Hilfskredit geschlossen hätten. Zudem zögerten die Geberländer die Rettung hinaus. Nach mehreren Rettungsaktionen innerhalb der Eurozone wuchs in den Geberländern der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – zumal das kleine Zypern für den Rest Europas ökonomisch viel weniger wichtig schien als beispielsweise Spanien oder Italien. Als man sich schließlich auf Rettung einigte, war klar: Zypern sollte zehn Milliarden Euro erhalten, aber weitere 5,8 Milliarden selbst aufbringen.

Wer zahlt?

Die Frage war, woher die 5,8 Milliarden kommen sollten. Es schien naheliegend, die Eigentümer oder Gläubiger der Geldinstitute an deren Rettung zu beteiligen. Doch Zyperns Banken finanzieren sich kaum durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Die Banken zu beteiligen heißt in Zypern: Die Anleger müssen zahlen. Dass ursprünglich auch Kleinanleger eine Zwangsabgabe entrichten sollten, war offenbar die Idee des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Dabei sind Guthaben bis 100.000 Euro in der Eurozone eigentlich geschützt. Doch Anastasiades fürchtete, die Großanleger aus Zypern zu vertreiben. Um sie nicht die ganze Last tragen zu lassen, wollte er auch die kleinen Sparer beteiligen. Anastasiades setzte sich durch – vorerst.

Kompromiss

Die Zyprer gingen gegen den Beschluss auf die Straße – und gaben den Deutschen die Schuld für ihre Einbußen. Das zyprische Parlament lehnte den Vorschlag aus Brüssel ebenfalls ab. Doch die anderen europäischen Länder bestanden auf dem Eigenanteil. Eine Woche lang war unklar, wie Zypern diesen finanzieren wollte. Ein sogenannter Plan B wurde verworfen. Währenddessen wuchs die Unsicherheit im Land. Die Banken blieben geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen sollten verhindern, dass reiche Anleger ihr Geld außer Landes schafften. In anderen Euro-Ländern blieben die Anleger allerdings ruhig. Eine Woche nach dem ersten Beschluss in Brüssel gab es einen neuen Kompromiss. Jetzt werden Kleinanleger doch verschont, die Großen zahlen dafür mehr. Anastasiades hat verloren. Das Geschäftsmodell Zyperns aber ist zerstört.

Die Euro-Finanzminister hatten in der Nacht zum Montag zugesagt, Zypern mit einem Rettungspaket von bis zu zehn Milliarden Euro zu helfen. Das Land selbst muss davon aber knapp sechs Milliarden Euro aufbringen. Um das Geld zusammenzubringen, sollen Bankguthaben über 100.000 Euro einen Anteil von bis zu 40 Prozent in Aktienkapital umzuwandeln. Zudem steht die zweitgrößte Bank Laiki vor ihrer faktischen Abwicklung.

Zypern bereitet sich auf Bankrun vor

Die zyprische Regierung bereitet sich derweil mit einer Reihe von Maßnahmen zur Verhinderung von Kapitalflucht auf die für Donnerstag geplante Öffnung der Banken vor. Unter anderem sollen Reisende nicht mehr als 3.000 Euro Bargeld mit ins Ausland nehmen dürfen, für Überweisungen ins Ausland soll ein Limit von 5.000 Euro im Monat gelten und Schecks dürfen nicht gegen Bargeld eingetauscht werden, berichteten zyprische Zeitungen. Die Vorgaben sollten zunächst für eine Woche gelten.

Damit soll verhindert werden, dass verunsicherte Bankkunden ihr Geld im großen Stil aus Zypern abziehen. Bereits bekannt gegeben hatten die zyprischen Behörden, dass Bargeldabhebungen auf 300 Euro am Tag begrenzt werden. Die Wiedereröffnung der seit dem 16. März geschlossenen Banken wird mit Spannung erwartet. Nach Angaben der Notenbank werden alle Banken des Landes für einige Stunden öffnen.

Zyprische Unternehmen sollen von den Einschränkungen im Kapitalverkehr nicht betroffen sein. Sie müssen aber Transaktionen ab 500 Euro genau dokumentieren. Auch Angestellte im Ausland sollen weiterhin ihre vollständigen Gehälter erhalten.

Chef der größten Bank entlassen

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass Zyperns Zentralbank den Vorstandschef der Bank of Cyprus, Yiannis Kypri, entlassen hat. Bereits am Dienstag war der Verwaltungsratschef zurückgetreten. Die größte Bank des Landes soll von einem Sonderverwalter geführt werden, der den Umbau organisieren muss. Die Bank soll unter anderem Laiki-Teile übernehmen.
 

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Leserkommentare
  1. da wird einem sein eigenes hart erarbeites Geld versperrt und dann sollen die Leute noch friedlich sein.

    Welcome to the jungel

    4 Leserempfehlungen
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    • ZH1006
    • 27. März 2013 19:41 Uhr

    denen nimmt man nämlich, wie Sie sicher ganz genau wissen, nichts weg. Es geht um Oligarchen, Steuerflüchlinge und Mafiosi, die die Insel Zypern zu ihrer Räuberhöhle gemacht haben,

    im Dschungel sind wir also nur insoweit, als sie das klebrige Spinnennetz des totalitären Kapitalismus meinen, in dem der Steuern zahlende Normalbürger in der EU zu zappeln scheint.

    • grrzt
    • 28. März 2013 13:09 Uhr

    300 Euro pro Tag dürfen abgebhoben werden. Ich hole mir einmal im Monat 300 Euro, (Rest ist Dauerauftrag) würde ich jeden Tag 300 Euro abheben; - ging nicht, soviel verdiene ich nicht annähernd ;-)
    Für einen russischen oder britischen Olgarchen ist das natürlich schlimm, und die haben auch mein vollstes Mitleid, aber sowas von..., aber ich hörte gerade in WDR 2 dass die ihre Schäfchen schon in der Schweiz bunkern. Aber der Witz ist, die haben den zyprischen Banken vertraut, weil die glaubten mit griechischen Anleihen einen Reibach machen zu können. Lol und noch en rofl hinterher.
    Echt problematisch, für die Betriebe die etwas produzieren.

    • kmia
    • 27. März 2013 18:37 Uhr
    2. [...]

    Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Danke, die Redaktion/fk.

    Eine Leserempfehlung
  2. wird kein Bargeld mehr zur Verfügung stehen.
    Auf die Polizei kommen große Aufgaben zu.

    Eine Leserempfehlung
  3. Gerade kamen Freunde aus Zypern zurück. Die Stimmung dort ist lange nicht so drastisch schlecht wie hier dargelegt wird. Alles Polemik der Medien ...

    6 Leserempfehlungen
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    ...jedenfalls ist die englischsprachige Presse in Zypern durchaus selbstkritisch:
    http://www.cyprus-mail.com/bank-levy-bill/our-view-did-deputies-heroic-n...

    Wenn man hilft - mit 10 Milliarden - ganz anders als Russland, dann sind Hitlerbärtchen bestimmt keine Methode, die Deutschen davon zu überzeugen, noch mehr zu geben. Aber vielleicht sind die Griechen und Zyprer gar nicht so undankbar, wie es in den Presseberichten manchmal scheint.

    Denn ohne die Hilfen, dass ist klar, wären die zyprischen Kleinsparer 60-70%ihrer Einlagen los.

  4. Die "Elite" kennt ihrer Tricks, Abhebungen von zypriotischen Einlagen in London weiterhin möglich, wie dieser "Vermögensverwalter" ziemlich süffisant seiner "Elite"-Kundschaft berichtet:
    http://tinyurl.com/cvvq8nk

    3 Leserempfehlungen
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    Eindeutig Sarkasmus, auf den Sie da verlinken. Viel mehr bleibt eigentlich auch gar nicht übrig. Kein Zufall, dass auch in der weimarer Republik Ironie und Sarkasmus beliebte Stilmittel in Literatur und Kunst waren.

    Wenn Arbeit so etwas Tolles wäre, wie man es verspricht... dann hätte die "Elite" Mittel und Wege gefunden, sie vor den Armen zu verstecken:)

  5. Für etwas viel grösseres: Das Zusammenklappen der gesamten EU.

    8 Leserempfehlungen
  6. Es wird morgen kein Bargeld mehr geben, da bin ich mir ziemlich sicher. Mitlerweile haben die "Vielsparer" ihre Konten leergeräumt. Es wurde sogar noch lasterweise Geld in die Banken geschafft, angeblich, um Engpässe zu verhindern. Doch das ist sicher postwendend abgeflossen.
    Der angeblich nicht betroffene Kleinsparer wird in die Röhre gucken. Der Schutz kleiner Vermögen wurde erfunden, um der Sache die Wucht zu nehmen. Für die Vielsparer und Unternehmer gibt es nämlich jetzt keinen Grund mehr, morgen auf die Barrikaden zu gehen. Man wird dort nur die "einfachen Leute" verzweifelt um ein paar Kröten betteln sehen, notorische Faulenzer usw. Die sollen mal arbeiten gehen, wird man hören.
    Heute kamen übrigens zwei Meldungen in der FAZ, dass
    1. Slowenien ebenfalls vor dem Bankrott steht, und
    2. selbst die Briten riesige Löcher in den Banketats stopfen müssen
    Das sieht nicht gut aus. Der nächste Problemfall wird der letzte sein, soviel steht fest.

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    Die Briten sind egal... das Land ist sowieso am Ende (lebe leider schon seit 2006 in England).
    Wenn England "zusammenklappt" muss sich der Rest der EU nicht darum kümmern - denn England hat ja das Pfund ist für die Eurozone somit irrelevant.

  7. Eindeutig Sarkasmus, auf den Sie da verlinken. Viel mehr bleibt eigentlich auch gar nicht übrig. Kein Zufall, dass auch in der weimarer Republik Ironie und Sarkasmus beliebte Stilmittel in Literatur und Kunst waren.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters, tis
  • Schlagworte Europäische Union | Zypern | Außenminister | Euro-Zone | Kapitalflucht | Notenbank
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