Bankenkrise : Zypern wirft Europa mangelnde Solidarität vor

Bei der Rettung Zyperns habe sich die EU wenig solidarisch verhalten, sagt Außenminister Kasoulidis. Sein Land habe vor dem Austritt aus der Euro-Zone gestanden.

Der zyprische Außenminister Ioannis Kasoulidis hat die Euro-Länder wegen ihrer Bedingungen für das Hilfspaket als unsolidarisch kritisiert. "Um es ganz offen zu sagen: Wir haben dieses Vorgehen nicht als europäische Solidarität empfunden", sagte Kasoulidis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Der Außenminister verwies dabei auf den Eigenbetrag von 5,8 Milliarden Euro, den Zypern als Bedingung für die Hilfe aufbringen muss.

Kasoulidis kritisierte auch explizit die deutsche Haltung. Die deutschen Steuerzahler vergäßen, dass sie ihr Geld nicht nur verzinst zurück erhielten, sondern dass die in den Süden transferierten Milliarden auch dem Erhalt der Absatzmärkte in der EU dienten.

Der Außenminister sagte, dass sein Land vor der Entscheidung über den Verbleib in der Euro-Zone gestanden habe. "Das war eine Möglichkeit, die wir zeitweilig ernsthaft in Betracht ziehen mussten", sagte Kasoulidis. Ob es einen besseren Weg zur Lösung der Bankenkrise in Zypern gegeben hätte, konnte der Minister aber nicht sagen. "Ehrlich gesagt: Ich weiß es auch nicht", zitierte ihn das Blatt.

Die Euro-Finanzminister hatten in der Nacht zum Montag zugesagt, Zypern mit einem Rettungspaket von bis zu zehn Milliarden Euro zu helfen. Das Land selbst muss davon aber knapp sechs Milliarden Euro aufbringen. Um das Geld zusammenzubringen, sollen Bankguthaben über 100.000 Euro einen Anteil von bis zu 40 Prozent in Aktienkapital umzuwandeln. Zudem steht die zweitgrößte Bank Laiki vor ihrer faktischen Abwicklung.

Zypern bereitet sich auf Bankrun vor

Die zyprische Regierung bereitet sich derweil mit einer Reihe von Maßnahmen zur Verhinderung von Kapitalflucht auf die für Donnerstag geplante Öffnung der Banken vor. Unter anderem sollen Reisende nicht mehr als 3.000 Euro Bargeld mit ins Ausland nehmen dürfen, für Überweisungen ins Ausland soll ein Limit von 5.000 Euro im Monat gelten und Schecks dürfen nicht gegen Bargeld eingetauscht werden, berichteten zyprische Zeitungen. Die Vorgaben sollten zunächst für eine Woche gelten.

Damit soll verhindert werden, dass verunsicherte Bankkunden ihr Geld im großen Stil aus Zypern abziehen. Bereits bekannt gegeben hatten die zyprischen Behörden, dass Bargeldabhebungen auf 300 Euro am Tag begrenzt werden. Die Wiedereröffnung der seit dem 16. März geschlossenen Banken wird mit Spannung erwartet. Nach Angaben der Notenbank werden alle Banken des Landes für einige Stunden öffnen.

Zyprische Unternehmen sollen von den Einschränkungen im Kapitalverkehr nicht betroffen sein. Sie müssen aber Transaktionen ab 500 Euro genau dokumentieren. Auch Angestellte im Ausland sollen weiterhin ihre vollständigen Gehälter erhalten.

Chef der größten Bank entlassen

Am Mittwoch wurde zudem bekannt, dass Zyperns Zentralbank den Vorstandschef der Bank of Cyprus, Yiannis Kypri, entlassen hat. Bereits am Dienstag war der Verwaltungsratschef zurückgetreten. Die größte Bank des Landes soll von einem Sonderverwalter geführt werden, der den Umbau organisieren muss. Die Bank soll unter anderem Laiki-Teile übernehmen.
 

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Kommentare

45 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

Versteh ich nicht...

300 Euro pro Tag dürfen abgebhoben werden. Ich hole mir einmal im Monat 300 Euro, (Rest ist Dauerauftrag) würde ich jeden Tag 300 Euro abheben; - ging nicht, soviel verdiene ich nicht annähernd ;-)
Für einen russischen oder britischen Olgarchen ist das natürlich schlimm, und die haben auch mein vollstes Mitleid, aber sowas von..., aber ich hörte gerade in WDR 2 dass die ihre Schäfchen schon in der Schweiz bunkern. Aber der Witz ist, die haben den zyprischen Banken vertraut, weil die glaubten mit griechischen Anleihen einen Reibach machen zu können. Lol und noch en rofl hinterher.
Echt problematisch, für die Betriebe die etwas produzieren.

Das ist gut, dass Sie mal darauf hinweisen ...

...jedenfalls ist die englischsprachige Presse in Zypern durchaus selbstkritisch:
http://www.cyprus-mail.co...

Wenn man hilft - mit 10 Milliarden - ganz anders als Russland, dann sind Hitlerbärtchen bestimmt keine Methode, die Deutschen davon zu überzeugen, noch mehr zu geben. Aber vielleicht sind die Griechen und Zyprer gar nicht so undankbar, wie es in den Presseberichten manchmal scheint.

Denn ohne die Hilfen, dass ist klar, wären die zyprischen Kleinsparer 60-70%ihrer Einlagen los.