Banken : Zypern sperrt das Geld ein

Die Zentralbank hat vorerst mit Überweisungslimits verhindert, dass die Menschen ihre Konten räumen. Doch das wird nicht ewig gut gehen.

Zypern ist seit diesem Donnerstag ein abgeschottetes Land. Um zu verhindern, dass die Bankkunden ihr Geld abziehen und ins Ausland schaffen, hat die Zentralbank strenge Kapitalkontrollen errichtet. Zwar haben die Banken nun wieder geöffnet, doch ihre Kunden dürfen nur kleine Summen ins Ausland überweisen. Es ist der Versuch, das Geld in Zypern einzusperren, und bisher scheint die Sache ganz zu laufen. Der Bankensturm ist bisher ausgeblieben.

Die Kapitalkontrollen zielen dabei vor allem auf die ausländischen Investoren, die bis zu 30 Milliarden Euro auf zyprischen Konten gelagert haben. Wenn sie könnten, würden diese Anleger wahrscheinlich schon heute ihr Geld aus dem Land bringen. Zwar würden sie damit nicht mehr der Zwangsabgabe auf Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro entgehen, die Teil des Hilfspakets für Zypern ist. Wohl aber könnten sie das Geld für den Fall in Sicherheit bringen, dass Zypern bald ein weiteres Rettungspaket braucht.

Das ist nicht ganz unwahrscheinlich. Die wirtschaftliche Zukunft Zyperns ist düster. Dem Land fehlt ein neues Wirtschaftsmodell, das auf die Finanzblase folgen könnte. Die Bedeutung der Industrie sinkt seit Jahren, mit Landwirtschaft und Tourismus lässt sich auf Dauer nicht genug Geld verdienen. Um bis zu 20 Prozent könnte die Wirtschaft bis Ende 2017 einbrechen, haben die Volkswirte der französischen Bank Société Générale berechnet.

Solch ein starker Abschwung würde die Banken erneut hart treffen. "Das Schlimmste steht dem zyprischen Finanzsystem möglicherweise noch bevor", sagt Michael Schröder, Leiter des Forschungsbereichs Internationale Finanzmärkte und Finanzmanagement am Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). Die Institute könnten schon bald neue Milliarden brauchen, um am Leben  gehalten zu werden. Folgt die Politik der Logik der vergangenen Tage, werden die Reichen wieder zahlen müssen. Alles gute Gründe für die Vermögenden, ihr Geld an einen sichereren Ort zu bringen.

Es sind psychologische Faktoren, die dabei gefährlich werden  können. "Allein der drohende Abzug der Gelder von ausländischen Anlegern kann eine Panik unter Bankkunden auslösen", sagt ZEW-Ökonom Schröder. Jeder auf Zypern weiß mittlerweile, wie wackelig die Banken sind. Jeder weiß auch, dass das die Reichen wissen und wegwollen. Der logische Schluss: Viele Kleinsparer werden versuchen, ihr Geld abzuziehen, um den Großen zuvorzukommen. Die Folge wäre das, was Ökonomen einen Herdentrieb nennen: Alle rennen in die gleiche Richtung, aus Sorge zu spät zu kommen. Zyperns Zentralbank hat deshalb auch ein Limit für Barabhebungen eingeführt. Es beträgt 300 Euro pro Tag.

Das Problem ist nur: Kapitalverkehrskontrollen lassen sich nicht ewig aufrechterhalten. Die zyprische Regierung will bereits am Montag die Hürden lockern. Was dann passiert, weiß niemand. Der Ökonom Schröder fragt: "Warum sollten die Bankkunden und Anleger nächste Woche wieder mehr Vertrauen in das zyprische Banksystem haben?" Würden die Anleger dann ihr Geld abziehen, hätte der zyprische Staat die Kapitalflucht nur verzögert.

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Kommentare

30 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Aufmerksamer Leser (22) Der Verwalter hat Recht

Seine Analysen z.B. zu Frankreich sind treffend.

Ein Staat, der die Freiheit des Einzelnen zunehmend torpediert,

der mit falschen dirigistischen Rezepten, gegen berufenen Rat und allgemeine Verabredung bei Einführung des Euro,

nur aus ideologischen Gründen oder von Gewerkschaftslobbyisten getrieben,

bewusst alles unterlässt, was Wohlstand seiner Bürger nachhaltig herstellt und erhält.

Der für genau dieses unmögliche Verhalten und die fatalen Konsequenzen hinterher auch noch die bezahlen lassen will, die er bewusst zu Freiwild erklärt und ohne Schutz für seine Fehlleistungen lässt,

der hierbei im Zweifel jedes selbst erlassene Gesetz übergeht und missachtet,

ein solcher Staat kann schwerlich diesen Menschen gegenüber auf Legitimität und Loyalität pochen. Denn es sind genau diejenigen, die diese Sachverhalte immer und immer wieder ansprechen und bemängeln,.

Ein solcher Staat hat sich zum Feind von Erfolg und Wohlstand entwickelt.

Die, die immer wieder versuchen, den geraden marktwirtschaftlichen Weg als "neoliberal" zu diffamieren, sollen gefälligst für die Folgen ihrer Ideen selbst zahlen und nicht Selbstschutz vor Diebstahl als "Guthabenhinterziehung" kriminalisieren.

Aussedem sind die durch die 100k Grenze privilegiert.

Jedenfalls so lange es den Enteignern und Umverteilern noch nicht gelungen ist, einen völlig totalitären Zwangstaat zu errichten, müssen sie sich mit der Findigkeit und Kreativität der Erfolgreichen abfinden - das begründet ja deren Erfolg.

Andersherum sehen? Nur Reiche profitieren von Enteignung?

1. Ich bin ein Gegner der Bankenrettung unter marktwirtschaftlichen Bedingungen. Aber zu verlangen, dass eine interventionistisch verursachte Krise durch Selbstregulation bereinigt werden soll, ist zu viel verlangt

Retten Sie die Banken einfach nicht und Sie werden sehen, wieviel Elend Sie bei dem viel geschätzten "kleinen Mann" produzieren (schauen Sie auf Zypern). Der Oligarch wird nicht verhungern.

2. Wir hatten und haben keine marktwirtschaftlichen Bedingungen, sondern die Staatsschuldner vermittelte den Anlegern mißbräuchlich den Glauben an die "Unzerstörbarkeit" der staatlichen Anlagen und benachteiligten Alternativanlagen beträchtlich. Darüber hinaus greift man ständig in die Märkte ein.

4. Die Staatsschuldenkrise hat hier einiges bereinigt. Ab jetzt kann keiner mehr sagen, er kann sich auf EU Staaten verlassen. Deshalb werden nicht marktkonforme (linke) Regierungen oder unstabile Länder einfach größere Finanzierungsprobleme haben. Es geht schon los, dass Produkte mit Staatsanteil abgelehnt werden. So wird vor allem der berühmte "kleine Mann" über seine Kollektivanlagen (Versicherungen Rentenfonds etc) die maroden Staaten finanzieren.

Der größere Investor hat eine Vielzahl von Alternativen - jetzt wo Klarheit herrscht, kann man damit umgehen. Man prüft ob Engagements in maroden und/oder linken Ländern bestehen, bevor man der Bank oder Vermögensverwaltung den Zuschlag gibt. EU Staatsanleihen stehen jetzt auf einer Stufe mit Risikoinvestitionenen d.h. Spekulation.