ZahlungsverkehrZyperns Banken bekommen Polizeischutz

Die Polizei Zyperns ist in Alarmbereitschaft: Wenn die Banken am Donnerstag wieder öffnen, befürchtet die Regierung, die Bevölkerung könnte die Institute stürmen.

Auf Zypern stehen Menschen Schlange vor den Bankautomaten.

Auf Zypern stehen Menschen Schlange vor den Bankautomaten.  |  © Yannis Behrakis/Reuters

Nachdem die zyprischen Banken seit Tagen geschlossen sind, ist die Unruhe in der Bevölkerung vor ihrer Wiedereröffnung am Donnerstag deutlich gewachsen. Die Regierung befürchtet offenbar Ausnahmezustände und hat für alle Bankfilialen Polizeischutz angeordnet, um "potenzielle Gewalttäter" abzuschrecken. Im ganzen Land wird ein Ansturm auf die Banken erwartet. Sie sind seit dem 16. März geschlossen.

Grund für die neue Verunsicherung ist unter anderem das Verwirrspiel aus der Nacht zu Dienstag: Erst wurde verkündet, Genossenschaftsbanken sowie kleine Banken würden bereits am Dienstag wieder geöffnet. Dann beschlossen der Gouverneur der Zentralbank und Staatspräsident Nikos Anastasiades, alle Banken doch noch geschlossen zu halten – aus Gründen der "gleichmäßigen Funktion des gesamten zyprischen Bankensystems".

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Grund für die Schließung der Banken waren die Verhandlungen Zyperns mit der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der EU über ein Rettungspaket von zehn Milliarden Euro. Ursprünglich sollten dafür die Einlagen aller zyprischen Bankkunden herangezogen werden, was heftige Proteste in der Bevölkerung und die Angst vor einem Bank-Run ausgelöst hat.

Zypern-Krise
Zypern-Chronik

Zwei Dinge wurden Zypern zum Verhängnis: sein Geschäftsmodell und die Nähe zu Griechenland. Wie andere europäische Kleinstaaten – etwa Malta, Luxemburg oder Liechtenstein – förderte das Land den Finanzsektor. Die Regulierer in Brüssel störte das vor der Krise nicht. Steuererleichterungen und hohe Zinsen lockten ausländische Anleger an, vor allem aus Russland. So viel Geld kam ins Land, dass die Bilanzsumme der Banken heute um ein Vielfaches höher ist als die jährliche Wirtschaftsleistung Zyperns. Das System geriet durch den griechischen Schuldenschnitt ins Rutschen. Die zyprischen Banken, die Griechenland viel Geld geliehen hatten, verloren dadurch hohe Summen.

Bankenkrise

Zypern brauchte dringend Geld. Das Problem dabei: Der Staat war hoch verschuldet. Seine Schuldenlast wäre vermutlich untragbar geworden, wenn Europa und der IWF die komplette Finanzlücke einfach durch einen Hilfskredit geschlossen hätten. Zudem zögerten die Geberländer die Rettung hinaus. Nach mehreren Rettungsaktionen innerhalb der Eurozone wuchs in den Geberländern der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – zumal das kleine Zypern für den Rest Europas ökonomisch viel weniger wichtig schien als beispielsweise Spanien oder Italien. Als man sich schließlich auf Rettung einigte, war klar: Zypern sollte zehn Milliarden Euro erhalten, aber weitere 5,8 Milliarden selbst aufbringen.

Wer zahlt?

Die Frage war, woher die 5,8 Milliarden kommen sollten. Es schien naheliegend, die Eigentümer oder Gläubiger der Geldinstitute an deren Rettung zu beteiligen. Doch Zyperns Banken finanzieren sich kaum durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Die Banken zu beteiligen heißt in Zypern: Die Anleger müssen zahlen. Dass ursprünglich auch Kleinanleger eine Zwangsabgabe entrichten sollten, war offenbar die Idee des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Dabei sind Guthaben bis 100.000 Euro in der Eurozone eigentlich geschützt. Doch Anastasiades fürchtete, die Großanleger aus Zypern zu vertreiben. Um sie nicht die ganze Last tragen zu lassen, wollte er auch die kleinen Sparer beteiligen. Anastasiades setzte sich durch – vorerst.

Kompromiss

Die Zyprer gingen gegen den Beschluss auf die Straße – und gaben den Deutschen die Schuld für ihre Einbußen. Das zyprische Parlament lehnte den Vorschlag aus Brüssel ebenfalls ab. Doch die anderen europäischen Länder bestanden auf dem Eigenanteil. Eine Woche lang war unklar, wie Zypern diesen finanzieren wollte. Ein sogenannter Plan B wurde verworfen. Währenddessen wuchs die Unsicherheit im Land. Die Banken blieben geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen sollten verhindern, dass reiche Anleger ihr Geld außer Landes schafften. In anderen Euro-Ländern blieben die Anleger allerdings ruhig. Eine Woche nach dem ersten Beschluss in Brüssel gab es einen neuen Kompromiss. Jetzt werden Kleinanleger doch verschont, die Großen zahlen dafür mehr. Anastasiades hat verloren. Das Geschäftsmodell Zyperns aber ist zerstört.

In der am Sonntag getroffenen Einigung über das Hilfspaket sind Kleinsparer von der Zwangsabgabe ausgenommen, aber Kontoinhaber mit Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei der Laiki Bank und der Bank of Cyprus müssen damit rechnen, rund ein Drittel ihrer Einlagen zu verlieren. Zudem muss die Bankenbranche deutlich schrumpfen.

Chef der Bank of Cyprus zurückgetreten

Aus Protest gegen die Zerschlagung der Bank of Cyprus ist ihr Chef Andreas Artemi am Dienstag zurückgetreten. Dies berichtete der staatliche zyprische Rundfunk (RIK). Aus Kreisen der Bank hieß es, Artemi sei vor allem mit der Höhe der geplanten Zwangsabgabe auf Geldeinlagen nicht einverstanden.

Auch ist nicht klar, wie es in Zypern ab Donnerstag weitergehen wird: Die Regierung plant Einschränkungen im Zahlungsverkehr, damit die Sparer nach  der Wiedereröffnung der Banken nicht ihr gesamtes Geld abziehen. So dürften weiterhin Höchstbeträge pro Tag und Monat für Abhebungen gelten. Diese Grenze war am Sonntag für Geldautomaten bereits je nach Bank auf 100 bis 120 Euro reduziert worden.

In den Tagen unmittelbar vor Schließung der zyprischen Banken soll es ungewöhnlich hohe Geldüberweisungen ins Ausland und Abhebungen von Bargeld gegeben haben. Parlamentspräsident Ginnakis Omirou will deshalb prüfen, ob hohe Beamte, die über die bevorstehende Schließung der Banken wussten, ihr Geld ins Ausland geschafft haben. Zyprische Medien berichteten, es seien "Unmengen" von Geld abgehoben worden.

Um den Bankensektor des Landes zu stützen, soll die Europäische Zentralbank (EZB) Bargeld in dreistelliger Millionenhöhe an Zyperns Zentralbank verschickt haben. Dieses werde bereits an die Banken des Landes verteilt, hieß es aus Finanzkreisen. Die EZB hatte weitere Hilfe für Zypern von der Einigung auf ein Hilfspaket abhängig gemacht.


 

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Leserkommentare
  1. 1. Hahaha

    Was für ein schmieren Theater.

    12 Leserempfehlungen
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    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/sam

    • scoty
    • 26. März 2013 12:29 Uhr

    " Kapital macht rüber: Die Russen sind raus aus Zypern "

    " Reiche Russen und russische Unternehmen wurden offenbar rechtzeitig vor dem Haircut in Zypern gewarnt: Die Bank of Cyprus hat eine russische Filiale, die während der EU-Banken-Blockade weiter operierte. Transfers wurden ohne Limits durchgeführt. Nur russisch sollte man sprechen können. "

    " Wenn die Bank of Cyprus am Donnerstag ihre Pforten wieder öffnet, könnte einige eine böse Überraschung erleben: Gut möglich, dass Bankangestellte, Kunden und die EU feststellen müssen: Das Geld ist weg. "

    http://www.deutsche-mitte...

    11 Leserempfehlungen
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    die das meldet, außer einer ähnlichen Website, die aber vom gleichen Menschen betrieben wird.

    Warten wir den Gründonnerstag ab.

  2. Das merkt früh genug wenn die Jagt beginnt, oder.... wenn die Ohren zu sein sollten, gibt es doch immer jemand, der vorher "Bescheid" sagt.
    .
    Kopfschüttelnde Gruesse
    an die Krisenbewältiger!
    .
    Sikasuu

    4 Leserempfehlungen
    • Marula
    • 26. März 2013 12:42 Uhr

    Das ist vielsagend, dass der Run auf die Banken erst einsetzte, als die Schwierigkeiten mit dem Hilfspaket bekannt wurden. Eigentlich hätte er vor einem halben Jahr einsetzen müssen, als bekannt wurde, welche Banken vor dem Bankrott stehen und dass dem Staat ebenfalls das Geld ausgeht.So wird in der NYT vom 24.3.2013 beschrieben, wie ein kanadisches Unternehmen noch zu einer Zeit, als die Zahlungsschwierigkeiten bekannt waren, aus steuerlichen Gründen in Zypern investierte im Vertrauen darauf, dass Präsident Anastasiades nach seiner Wahl ein internationales "Bailout" versprochen habe.
    Die Gesetzes des Marktes wurden von all den Rettungspaketen außer Kraft gesetzt. Das Vertrauen, das - wie von vielen beklagt - verloren ging, beruhte ausschließlich auf der Erwartung staatlicher Hilfen, während gleichzeitig aber der freie Geldverkehr gefordert wird und jede Einschränkung abgelehnt wird. "Zuviel" Staat wird nur da beklagt, wo der Staat nimmt, nicht da, wo er gibt..
    Jetzt muss die Eurozone mit dieser Erwartungshaltung leben und Rezepte zusammenstellen für die nächsten Kandidaten Slowenien und Malta. Denn jetzt wäre es ein Schock für die "Märkte", wenn auf einmal wieder die von der Eurozone selbst aufgestellten Kriterien der Systemrelevanz für ESM-Hilfen, Verbot der Staatsfinanzierung für die EZB, Unabhängigkeit der EZB gälten.
    Die Gelegenheit wurde verpasst, bei Zypern zu zeigen, dass man all die Vereinbarungen um die EZB und den ESM wirklich ernst meint.

    2 Leserempfehlungen
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    Grundsätzlich hat das genau so zu laufen wie Sie es vorbringen.

    Das in Zypern entwickelte Modell für überschuldete Banken sollte dann aber auch auf alle anderen Institute wie z. Bsp. auch die Deutsche Bank oder andere Institute mit Rang und Namen angewendet wird, ggf. auch mit Zugrundelegung der Einlagensicherung als Grenze, dann fände ich das ein ziemlich gutes Prinzip, denn dann merken gewisse Leute mit sehr viel Geld, dass es immer Risiken geben wird und gefälligst sie selbst diese zu tragen haben. Man muss dann aber auch wissen, dass es riesige Pensions- und Versicherungskassen gibt die auch Anleger sind und dann genauso davon betroffen sind und damit auch deren Rentenberechtigte und Versicherungsnehmer.

    Leider ist das nur Tagträumerei, denn auf solch "systemimmanente" Banken wie die Deutsche Bank würde so etwas natürlich nie angewendet werden :-) Das macht man nur mit Zypern und den zyprischen Banken, denn die sind nicht wichtig genug für die Eurozone.

    Von daher bleibt leider ein etwas bitterer Nachgeschmack von Messen mit zweierlei Maß.

  3. 5. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen. Danke, die Redaktion/sam

  4. das es jetzt soweit kommen wird.
    Wenn das stimmt, dann können sich zyperns Parlamentarier aber auch hohe Bankfunktionäre schon mal sehr warm anziehen:

    Zitat:
    Der Grund für die leeren Kassen: Reichen Russen und russische Unternehmer scheinen dem Reuters-Bericht zufolge ihre Konton in der Woche der geschlossenen Banken geleert zu haben. Während sich die kleinen Leute und die mittelständischen Unternehmer in der Woche, da alle Banken Zyperns offiziell geschlossen waren, noch geduldig an den Bankomaten anstellten, um an Geld zu kommen, haben die Russen offenbar einige Schlupflöcher genutzt, um ihr Kapital abzuziehen.

    Sowohl die Laiki-Bank als auch die Bank of Cyprus unterhalten Filialen in London. Über London war es die ganze Zeit möglich, Geld-Transfers durchzuführen. Es gab bei den Banken in London keine Limits für Überweisungen. Die Bank of Cyprus ist überdies mit 80 Prozent an der russischen Uniastrum-Bank beteiligt – auch hier waren Transfers ohne Begrenzungen möglich.

    Sogar die EU hatte von den myteriösen Geldbewegungen Wind bekommen: Ein Banker sagte Reuters, dass die Bank of Cyprus in der fraglichen Woche viel mehr Banknoten von der EZB anforderte, als sie an Abhebungen nach Frankfurt meldete.Ende"

    Schön zu sehen, das sich in schöner Eintracht einige EU-"oberzocker" selbst verzockt haben gell Herr Draghi / Herr Schäuble etc..

    "Deregulierung des Finanzmarktes"...herzlichen Glückwunsch, der Geist ist lange aus der Flasche...Spekulantengeld ist "verschwunden".

    10 Leserempfehlungen
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    • vyras
    • 26. März 2013 17:34 Uhr

    "Zitat: Der ..."

    Wen oder was zitieren Sie denn da? Quelle bitte.

  5. 7. [...]

    Entfernt. Kein konstruktiver Beitrag. Die Redaktion/sam

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Hahaha"
    • an-i
    • 26. März 2013 12:49 Uhr

    wieder den Lohn in der Tüte einführen...und die banken austricksen.

    4 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte Europäische Zentralbank | Bevölkerung | Ausnahmezustand | Bank | Euro | Internationaler Währungsfonds
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