Protest in Nikosia © Andreas Manolis/Reuters

Es kommt in Zypern nun doch so, wie es der Internationale Währungsfonds (IWF) von Anfang an gefordert hat: Der Bankensektor wird geschrumpft, die zweitgrößte Bank des Landes Laiki sogar ganz abgewickelt. Die Rechnung dafür, dass das Land im Euro-Raum verbleiben kann, zahlen zu einem großen Teil nicht die zyprischen Rentner, Beamten oder Lehrer, sondern Bankkunden mit einem Vermögen von mehr als 100.000 Euro. Sie sollen rund ein Drittel ihrer Bankeinlagen verlieren.

Ist das gerecht? Es ist zumindest vernünftiger als viele andere Lösungen. Anders als Griechenland braucht Zypern die Hilfe aus Europa nicht, um Staatsschulden abzutragen, die sich über Jahre aufgebaut haben. Zypern benötigt Kredite, um seine Banken zu sanieren. Der Bedarf ist so groß, dass das Land das Geld wohl nie zurückzahlen kann. Die Bilanzsummen der zyprischen Banken übersteigen die Wirtschaftskraft des Landes bei Weitem. Deshalb wäre es falsch gewesen, dem Land wie Griechenland mit Garantien und Krediten zu helfen und die Banken unangetastet zu lassen. Deshalb ist es im Umkehrschluss auch richtig, den Banksektor zu verkleinern und die Kapitalseite zu beteiligen.

Zumal es an der Zeit ist, dass Europas Politik das Bankenproblem angeht. Anders, als viele meinen, sind die Geldinstitute hierzulande nämlich keinesfalls sicherer als vor der Krise. Viele von ihnen sind noch immer groß genug, um ganze Staaten in den Abgrund zu reißen. Dass die Politik in Zypern eine Bank jetzt komplett abwickelt, statt sie mit weiteren Steuermilliarden am Leben zu halten, ist ein Fortschritt in der Euro-Krise, dessen Folgen womöglich erst in einiger Zeit spürbar sein werden. Die gelassene Reaktion der Anleger auf den Zypern-Beschluss dürfte Europas Politiker ermutigen, nicht jede Bank zu retten, aus Sorge sie sei "systemrelevant".

Vor allem in Deutschland wird nun argumentiert, die Einigung stelle einen Tabubruch dar. Erstmals in der Euro-Krise würden Sparer "enteignet". Das ist einerseits richtig und andererseits eine logische Folge der spezifischen Situation Zyperns.

Natürlich wäre es theoretisch möglich gewesen, die Besitzer der zyprischen Staatspapiere an den Rettungskosten zu beteiligen. Das sind jedoch oftmals genau die Banken, die saniert werden sollen – sie können kaum ihre eigene Rettung finanzieren. Auch sollten zuerst die Eigentümer der Bank verzichten, also die Aktionäre. Davon gibt es allerdings in Zypern nur wenige, weil sich die Banken kaum Kapital über Aktien besorgt haben. Sie finanzieren sich vor allem über Einlagen. Wer die Kapitalseite beteiligen will, der muss also bei den Bankkunden ran. Den Fehler, auch die Kleinsparer zu belasten, haben die Verhandlungsführer in Brüssel mittlerweile korrigiert – was den Deal gerechter macht.

Dennoch ist der Schaden angerichtet. Die Regierung in Zypern trägt die Verantwortung dafür, dass im ersten Kompromiss die Besitzer aller Bankkonten belastet werden sollten. Das geschah in der Hoffnung, die russischen Kunden zu schonen, die bisher das alte Geschäftsmodell des Landes – ein großer Finanzsektor plus Tourismus – im Wesentlichen finanziert haben. Der Plan scheiterte am Protest in Zypern und an der Angst der Sparer in ganz Europa, dass die gesetzliche Garantie für ihre Einlagen nichts mehr wert sein könnte. Ihre Unsicherheit wird nicht so schnell verschwinden. Sie wird ein Thema sein, wenn die nächste Rettung ins Haus steht, selbst wenn die Politik den Plan nun aufgegeben hat.

Zugleich hat die Rettung Zyperns erst begonnen. Das Land steht vor einem Anpassungsprozess, der mindestens so schmerzhaft sein wird wie der in Griechenland. Die Zerschlagung des Banksektors bedeutet, dass ein zentraler Teil des zyprischen Geschäftsmodells in Zukunft nicht mehr existieren wird. Dem Land steht eine Kapitalflucht bevor, selbst wenn die Banken erst einmal geschlossen bleiben und Kapitalverkehrskontrollen vorerst das Schlimmste verhindern werden. Die Wirtschaft dürfte in eine Rezession rutschen, und es ist völlig unklar, welche Wirtschaftszweige Zypern in Zukunft wieder Wachstum bringen können. Auch das Versprechen, das Land könne von 2017 an seine Gasvorkommen ausbeuten, ist bisher zu vage, um die Zukunft darauf aufzubauen. Das sah die Führung in Russland offenbar ebenfalls so – ein Grund dafür, dass Moskau den Zyprern in der Krise nicht beigesprungen ist.

Am Ende könnte die Lehre aus dem Fall Zypern eine bittere sein: Gerechte Rettungen sind so schmerzhaft wie alle anderen.