Europa hat Zypern vor der Pleite gerettet – doch was soll nun aus dem Land werden? Wie kann die Wirtschaft überleben ohne die großen Banken, die jetzt kleiner werden sollen? Wie ohne die Milliarden aus Russland?

Das Geschäftsmodell Zyperns sei gescheitert, sagte Anfang der Woche der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble. Bedeutet: Das Land braucht ein neues. Hinter Schäubles Worten steht die Aufforderung, Zypern solle endlich anfangen mit soliden Dingen Geld zu verdienen und sich nicht mehr auf den windigen und anfälligen Finanzsektor verlassen, der sich mit Kapital aus zweifelhaften Quellen gespeist hat. Wie genau das funktionieren soll, sagte Schäuble hingegen nicht. Auch Ökonomen und zyprische Politiker sind ziemlich ratlos.

Wie stark sich die zyprische Wirtschaft ändern muss, hängt zunächst einmal davon ab, wie schmerzhaft die Folgen des Rettungspakets sein werden. Dabei geht es vor allem um den Finanzsektor, der massiv verkleinert werden soll. Durch die Schließung der Laiki-Bank und die Verkleinerung der Bank of Cyprus könnten 10.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Wie abhängig Zypern von seinen Banken wirklich ist, lässt sich noch schwer absehen. Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat, die der Ökonom Zsolt Darvas des Brüsseler Think Tanks Bruegel ausgewertet hat, zeigen, dass der Inselstaat keineswegs ausschließlich von der Finanzindustrie lebt. Im vergangenen Jahr trugen Banken und Versicherungen nur rund neun Prozent zur zyprischen Wirtschaftsleistung bei. Etwa fünf Prozent der Zyprer arbeiteten im Finanzsektor.

 

Allerdings liegt der Anteil der Finanzindustrie an der Wirtschaftsleistung damit in etwa doppelt so hoch wie in Deutschland. Und an den Daten lässt sich nicht ablesen, wie viele Arbeitsplätze indirekt an der Finanzindustrie hängen, etwa im Dienstleistungssektor, wo jeder dritte Zyprer arbeitet. Viele Restaurants und Geschäfte werden wohl schließen müssen, wenn die Banker nicht mehr zum Essen oder Einkaufen kommen. Außerdem wird die Schrumpfkur des Banksektors auch Unternehmen hart treffen, die nun schwerer an Kredite kommen.

"Das lässt für Zypern nichts Gutes vermuten"

Um eine grobe Vorstellung davon zu bekommen, was Zypern bevorsteht, hat sich Darvas die Beispiele Irland, Island und Lettland angeschaut. Alles ähnlich kleine Länder, die ebenfalls eine Bankenkrise verdauen mussten. In den drei Ländern kam es in der Folge zu einem deutlichen Einbruch der Wirtschaftsleitung, in Irland und Lettland auch zu einem starken Anstieg der Arbeitslosigkeit. "Das lässt für Zypern nichts Gutes vermuten", sagt Darvas. Die Ökonomen der französischen Bank Société Générale rechnen in einer ersten Schnellanalyse mit einem Einbruch der Wirtschaftsleistung bis Ende 2017 um immerhin 20 Prozent.

Womit kann Zypern dieses Loch füllen? Mit Halloumi-Käse, wie der frühere Präsident des Landes, Georgios Vassiliou im Interview mit ZEIT ONLINE vorschlug? Die Landwirtschaft sei ein Wachstumsmarkt und zyprische Produkte wie der Halloumni-Käse seien weltweit beliebt, sagt Vassiliou. Das soll reichen?

Tatsächlich ist es unwahrscheinlich, dass sich Zypern mit seiner Landwirtschaft aus der Krise befreien kann. Der Agrarsektor ist winzig, gerade einmal 3,6 Prozent der Zyprioten arbeiten als Bauern, Förster oder Fischer. Zwar bietet das milde Klima gute Anbaubedingungen, doch dass ehemalige Banker plötzlich Gemüse pflanzen oder Käse schöpfen, ist wohl eher keine Option.