In Zypern haben viele Bankkunden mit Sorge auf den Plan der EU reagiert, die Sparer an der Rettung des Landes zu beteiligen. Am Samstag, nur wenige Stunden nachdem die Euro-Finanzminister ihren Rettungsplan verkündet hatten, stürmten erste Bankkunden die Geldautomaten. Kurzzeitig kam es auch zu einem Ansturm auf die Genossenschaftsbanken des Landes, die am Samstag geöffnet hatten. Das Ziel der Sparer: Ihr Vermögen doch noch in Sicherheit zu bringen, bevor der Staat zugreift. 

Erstmals in der dreijährigen Geschichte der Euro-Krise hatten die Finanzminister am Samstagmorgen beschlossen, die Sparer substantiell an einer Staatenrettung zu beteiligen. Geschehen soll dies über eine einmalige Bankenabgabe: Sparer aus dem In- und Ausland mit Einlagen bis zu 100.000 Euro sollen 6,75 Prozent ihres Ersparten zahlen, bei Kunden mit mehr als 100.000 Euro beträgt die Abgabe sogar 9,9 Prozent. Darüber hinaus gibt es eine Quellensteuer auf Zinsen, die zwischen 20 und 25 Prozent betragen soll. Konkret heißt das: Auch Sparer aus der Mittelschicht verlieren durch die Rettung Zyperns bis zu zehn Prozent ihres Vermögens. Unter den Bankkunden sind auch viele Griechen, die ihr Geld in Nikosia vor der Krise in ihrem Land in Sicherheit gebracht hatten. Nun müssen sie ebenfalls zahlen.

"Das ist eine Katastrophe", sagte ein 45-Jähriger, der in Nikosia Geld abhob, um sein Erspartes in Sicherheit zu bringen. "Der Zypern-Deal ist genau der Grund, warum ich mein Geld nicht mehr auf der Bank anlege. Brüssel kann einfach so euer Geld beschlagnahmen", schrieb ein anderer Bankkunde in einem Forum im Netz. In Nikosia kam es am Abend zu kleineren Protesten vor dem Präsidentenpalast.

Dem Bankenverband zufolge sind die Versuche der Sparer, ihr Geld noch in Sicherheit zu bringen, zwecklos. Das mache keinen Sinn, sagte Marios Skandalis, Vizepräsident des zyprischen Buchhalterverbands. Von der Maßnahme betroffene Konten seien bereits in der Höhe der Sonderabgabe gesperrt. Die Guthaben könnten nicht mehr transferiert werden. Auch der deutsche EZB-Direktor Jörg Asmussen hatte am Samstag gesagt, die Banken in Zypern hätten soweit Vorkehrungen getroffen, damit die Abgabe bereits eingezogen sei, wenn die Banken am Dienstag nach einem Feiertag am Montag wieder öffnen.

Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades verteidigte die Entscheidung aus Brüssel und sagte, das Land habe nur zwei Alternativen gehabt: Den Zusammenbruch des Bankensystems mit einem ungeordneten Staatsbankrott oder "das Szenario eines schmerzhaften, aber kontrollierten Managements der Krise". Wäre die Einigung nicht geglückt, hätte dies sogar zu einem Euro-Austritt Zyperns führen können, sagte er.

Ob das Rettungspaket, das insgesamt Hilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro vorsieht, in Kraft tritt, hängt nun an der Entscheidung des Parlaments in Zypern. Am Sonntagmorgen sollte Anastasiades zunächst dem Finanzausschuss und dann allen Abgeordneten des zyprischen Parlaments Rede und Antwort stehen. Für den Nachmittag wurde zudem eine Plenumssitzung einberufen. Die kommunistische Partei Akel, die 19 Sitze der 56 Parlamentssitze innehat, hatte Medienberichten zufolge angekündigt, das Rettungspaket abzulehnen. Das gleiche gilt demnach für die sozialistische Partei Edek, zu der fünf Abgeordnete gehören. Die Partei Diko mit acht Sitzen hat sich ebenfalls kritisch geäußert.