Der zyprische Präsident Nikos Anastasiades will den Parteivorsitzenden des Landes am Vormittag eine neue Version des Rettungsprogramms für den wirtschaftlich geschwächten Staat vorlegen. Wie Politiker im zyprischen Fernsehen sagten, könnte – vorausgesetzt, dass die Kontrahenten sich einigen – schon am Donnerstagabend das Parlament darüber abstimmen.

Den Informationen zufolge plant der zyprische Präsident unter anderem eine "gemilderte" Zwangsabgabe für Bankeinlagen. Summen unter 100.000 Euro sollten davon verschont bleiben, sagten einige Politiker. Andere sagten, auf solche Größenordnungen sollten drei Prozent Abgabe entfallen.

Zudem soll demnach ein Fonds entstehen, der Staatsanleihen ausgibt. Rentenkassen, die Kirche und andere Institutionen Zyperns sollen sie kaufen.

Außerdem hofft Zypern nach wie vor auf Unterstützung aus Russland. Ein erstes Gespräch mit der Regierung am Mittwoch war zwar ohne Ergebnis geblieben, Zyperns Finanzminister Michalis Sarris will aber in Moskau bleiben, um weiter zu verhandeln. Die Banken des Mittelmeer-Landes sind eine beliebte Geldanlage bei russischen Investoren. 

Streitpunkt Zwangsabgabe

Der Präsident macht Druck: Die zyprische Nachrichtenagentur CNA meldete, Anastasiades habe beim Verlassen des Präsidentenpalasts gesagt, "eine Entscheidung über den Rettungsplan für Zypern muss spätestens am Donnerstag fallen".

Die Entscheidung drängt, weil das Parlament in Nikosia am Dienstagabend einen ersten Rettungsplan abgelehnt hatte. Streitpunkt war eine Zwangsabgabe auf Bankeinlagen auch von Kleinsparern. Die Bevölkerung will dies nicht. Auf den Straßen jubelten Tausende Demonstranten, als die Entscheidung bekannt wurde.

Banken weiter geschlossen

Zypern ist hoch verschuldet, es droht eine Staatspleite. Die wichtigste Banken stehen vor dem Zusammenbruch. Die Schalter sind noch bis Dienstag geschlossen, damit die Zyprer nicht ihre Spareinlagen abziehen.

Das Land muss möglichst schnell eine Selbstbeteiligung von 5,8 Milliarden Euro am Hilfspaket der Euro-Staaten aufbringen, damit der Notkredit von bis zu zehn Milliarden Euro fließen kann.