Kanzlerin Merkel und Zyperns Präsident Anastasiades auf dem vergangenen EU-Gipfel in Brüssel © Bertrand Langlois/AFP/Getty Images

Kein Plan, kein Einsehen, keine Kommunikation: Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigt sich genervt vom Krisenmanagement der zyprischen Regierung. Seit Tagen warten sie und die Verhandlungspartner von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) auf einen neuen Vorschlag der Zyprer, wie sie ihren eigenen Beitrag zur Rettung des heimischen Bankensektors aufbringen wollen.

Vereinbart sind 5,8 Milliarden Euro, ohne die die Beistandskredite der Troika in Höhe von zehn Milliarden Euro nicht bewilligt werden. Die Führung in Nikosia will dies mit einem Nationalen Solidaritätsfonds erreichen, der mit Kapital – unter anderem aus den Rentenkassen und von der Kirche – gefüllt werden soll. Dermaßen abgesichert soll der Fonds dann Staatsanleihen für die kommenden sechs Jahre ausgeben. Von dieser Idee müssen Präsident Nikos Anastasiadis und sein Kabinett zuerst das Parlament überzeugen, am Nachmittag soll darüber abgestimmt werden.

Der Plan jedoch überzeugt EU, EZB und IWF nicht – und wird von der Bundesregierung strikt zurückgewiesen. "Die EU darf auf keinen Fall ihre Prinzipien aufgeben", soll Kanzlerin Merkel bei einem Sondertreffen der Unionsfraktion gesagt haben. Eine Verstaatlichung der Pensionsfonds würden die Euro-Partner nicht mitmachen.

"Geschäftsmodell am Ende"

Darüber hinaus wurde die deutsche Regierungschefin grundsätzlich. Zypern, so soll sie laut Teilnehmern gedroht haben, dürfte die Geduld der Euro-Partner im Ringen um ein Rettungspaket nicht ausreizen. Es könne nicht sein, dass Nikosia die Grenzen der Troika testen wolle. Merkel klagte, dass Zypern seit Tagen nicht mit EU, EZB und IWF kommuniziert habe. Im Übrigen sei der kleinen Mittelmeerinsel noch nicht klar, dass ihr bisheriges Geschäftsmodell am Ende sei. "Wir werden weiterhin darauf hinweisen, was auf dem Spiel steht."

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble wird mit ähnlichen Aussagen zitiert. Das Land könne von der Troika nicht verlangen, dass alles so bleibe, wie es derzeit ist, soll der CDU-Politiker gesagt haben. Es führe kein Weg daran vorbei, die Ursache der Probleme zu bekämpfen. Diese liege wesentlich in dem zu großen Bankensektor des Landes. "Wir kommen um eine Sanierung nicht herum", so Schäuble laut Teilnehmern der Sitzung.

Mahnungen kommen nicht nur von außen. Der Chef der zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades, mahnte ebenfalls zur Eile bei der Rettung des Landes und seiner Banken. "Wenn wir keinen Plan vorlegen, dann wird die europäische Zentralbank unseren Banken am Montag den Geldhahn zudrehen", sagte er und fügte hinzu: "Dann geht das Land bankrott."