Das Geschäftsmodell Zyperns basiert auch auf den großen Summen an ausländischem Kapital, vorwiegend aus Russland. Die Hoffnung auf die finanzielle Unterstützung Russlands hatte sich an diesem Freitag nach mehrtägigen Verhandlungen zerschlagen. Die russischen Investoren haben kein Interesse an den Angeboten Zyperns. Vorerst zu kompliziert – auch wegen der türkischen Interessen, sagt die russische Regierung. 

Regierungschef Dmitri Medwedew betonte allerdings, dass die Türen noch nicht geschlossen seien. Bereits 2011 hat Moskau dem EU-Land Zypern einen Kredit in Höhe von 2,5 Milliarden Euro gewährt.

"Wladimir Putin ist weiterhin interessiert an einem Zugang zu den Gasvorkommen im Mittelmeer", sagt Susan Stewart von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Die Expertin für EU-Russland-Beziehungen glaubt nicht, dass das letzte Wort schon gesprochen ist. Sie geht davon aus, dass die Anreize für Russland bislang nur nicht attraktiv genug waren.

Es geht auch um einen Marinestützpunkt. Dieser steht oben auf der Liste möglicher Verhandlungspunkte, gerade in einer Zeit, in der man nicht weiß, wie es mit Syrien weitergeht. Die russische Basis im Hafen Tartus ist bedroht. Russland sucht nach einem dauerhaften Ankerplatz für die eigene Kriegsflotte. Zypern ist da strategisch interessant.

Daneben gibt es noch zwei weitere Gründe: Zum einen möchte sich die russische Regierung gut stellen mit den einflussreichen Oligarchen, die von der Zwangsabgabe in Zypern betroffen wären; auch einige russische Behörden sind von den zyprischen Banken abhängig. Und zum anderen will sich Russland gegenüber der EU als ein rettender Anker in der Krise beweisen. Die russischen Medien präsentieren die EU als schwachen Akteur, für Putin eine Genugtuung.

Dennoch heißt es in Moskau auch, die vielen Milliardeneinlagen seien ebenso überbewertet wie die Rolle Zyperns als Geldwaschanlage für viele Russen. "Das, was in Zypern passiert, spielt Putin teilweise in die Hände", sagt Stewart. Schon seit Längerem wolle er das Geld wieder nach Russland zurückholen. Ein schneller Rückfluss sei aber nicht zu erwarten. Die meisten Investoren hätten nicht nur auf Zypern, sondern auch andernorts steuervergünstigte Konten. Um von den Steuervergünstigungen auf Zypern zu profitieren, braucht man kein einziges Bankkonto auf der Insel, nur eine dort ansässige Firma. Die Bankkonten können auch auf den Bahamas oder in Liechtenstein unterhalten werden.

"Es sagt viel über die Prioritäten Zyperns aus, wenn in Erwägung gezogen wird, die Rentenkassen zu plündern, um russische Milliarden zu retten", sagt Daniel Gros, Direktor des Zentrums für europäische Politikstudien in Brüssel. Dennoch glaubt er, dass die Krise bald gelöst sein kann: "Zypern sieht endlich ein, dass sie nicht mehr Geld ausgeben können, als sie einnehmen." Das Parlament müsse nur noch zustimmen, beide Großbanken aufzulösen. Nach isländischem Vorbild müsse das zyprische Bankensystem nun eine radikale Schrumpfkur durchmachen. Der lokale Teil müsse abgetrennt und gerettet werden, damit die lokale Wirtschaft weiter funktionieren kann. "Wenn das jetzt so kommt, würde ich sagen, das ist ein absoluter Erfolg für die Troika", so Gros. Wichtig seien klare Ansagen der EZB.