Russlands Präsident Wladimir Putin © Alexei Nikolsky/AFP/Getty Imahes

Russland will sich offenbar Einfluss auf die Maßnahmen sichern, mit denen die EU, der Internationale Währungsfonds und die Europäische Zentralbank Zypern stabilisieren wollen. Staatschef Wladimir Putin wies seine Regierung an, eine mögliche Umstrukturierung eines Kredits an Zypern zu prüfen. Die Konditionen für das 2011 gewährte Darlehen über 2,5 Milliarden Euro sollten gemeinsam "mit unseren Partnern" auf den Prüfstand gestellt werden, sagte ein Kreml-Sprecher.

Zypern hofft auf eine Lockerung der Rückzahlungsmodalitäten für den Kredit.

Vor Tagen hatte der russische Finanzminister Anton Siluanow dem Land noch eine Abfuhr erteilt. Es gebe "kein Interesse" an den Vorschlägen aus Zypern, dass russische Investoren sich am Bankensystem Zyperns beteiligen und Bodenschätze abbauen. Premier Dmitri Medwedew hatte die Verhandlungen über Finanzhilfe aber im Bereich des Möglichen gesehen. 

Nachdem sich die EU, die Zentralbank und der Währungsfonds mit Zypern auf eine Reihe von Rettungsmaßnahmen einigten, klinkt sich nun Russland ein. Er halte es für möglich, die "Bemühungen des zyprischen Präsidenten und der EU-Kommission zu unterstützen, um die Krise beizulegen", ergänzte der Präsidentensprecher. 

Trotz Sperren Milliardensumme abgeflossen?

Die Euro-Finanzminister hatten am frühen Montagmorgen beschlossen, dem Land bis zu zehn Milliarden Euro zur Verfügung zu stellen, um einen Staatsbankrott zu verhindern. Im Gegenzug soll Zypern seinen Finanzsektor umstrukturieren. Die Guthaben unter 100.000 Euro sollen dabei aber verschont bleiben, für Guthaben darüber ist eine Abgabe von bis zu 30 Prozent im Gespräch. Die Popular Bank (auch Laiki genannt), die zweitgrößte Bank des Landes, soll zerschlagen werden. Stark riskikobehaftete Wertpapiere der Bank kommen in eine sogenannte Bad Bank, die dann schließen soll. Die anderen Guthaben sollen an die größte Bank des Landes fließen – die Bank of Cyprus.

Die Reaktionen darauf reichten von Ärger bis Optimismus. Russlands Premier Medwedew beklagte massive Verluste für ausländische Anleger auf der Mittelmeerinsel. "Meiner Meinung nach geht der Diebstahl von dem, was bereits gestohlen wurde, weiter", sagte er und sagte aber zu, die Folgen des Rettungsplans genauer zu prüfen. Die Verhandlungsteilnehmer lobten das Ergebnis dagegen als tragfähig und überzeugend.

Einige Banken offen

Als Sofortmaßnahme hatte Zypern vor Tagen angeordnet, dass die Banken des Landes noch bis einschließlich des heutigen Montags geschlossen bleiben und den Zahlungsverkehr gestoppt. Die Regierung wollte verhindern, dass Bürger ihre Konten plündern. Dennoch flossen nach Informationen der FAZ möglicherweise Milliardensummen ins Ausland ab. Die Zeitung zitiert Fachleute für Zahlungsverkehr mit den Worten, die Verbindlichkeiten der zyprischen Notenbank gegenüber der Europäischen Zentralbank sei täglich um etwa 100 bis 200 Millionen Euro gestiegen. Allein in der vergangenen Woche könnten also neunstellige Summen abgeflossen sein, obwohl die zyprische Notenbank eigentlich eine Sperre ausgesprochen hatte.

Ab Dienstag sollen alle kleineren Genossenschaftsbanken und die drittgrößte zyprische Bank, die Hellenic Bank, wieder öffnen. Die Bank of Cyprus und die Laiki Bank lassen erst am Donnerstag Publikum ein, wie der zyprische Staatsrundfunk unter Berufung auf die Zentralbank Zyperns berichtete.