Nach dem Scheitern der umstrittenen Zwangsabgabe im zyprischen Parlament ist völlig offen, ob und wie Zypern weiteres Geld zur Rettung seiner Banken beschaffen kann. Präsident Nikos Anastasiadis telefonierte unmittelbar nach der Abstimmung mit Russlands Staatschef Wladimir Putin. Ein Kreml-Sprecher sagte, beide hätten über das Ergebnis und die wirtschaftliche Lage des Landes diskutiert. Sie vereinbarten ein Treffen, dessen Termin aber offen blieb. Am Mittwoch will sich Anastasiadis mit den Parteichefs seines Landes beraten.

Zyperns Finanzminister Michael Sarris sagte, er hoffe, dass sein Land noch am Mittwoch mit Russland einen Kredit vereinbaren könne. Sarris ist derzeit in Moskau und trifft sich mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow. Zypern hatte darum gebeten, dass Russland einen existierenden Kredit über 2,5 Milliarden Euro um fünf Jahre verlängert und die Zinsen dafür senkt. 

Am Dienstag hatte sich das zyprische Parlament mit großer Mehrheit gegen das Rettungspaket ausgesprochen. Die Regierung hatte es mit den Staaten der Euro-Gruppe, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank ausgehandelt. Es sieht vor, dass Zypern zehn Milliarden Euro Hilfskredit erhält, dafür aber einen eigenen Beitrag von 5,8 Milliarden leistet.

Zypern droht der Bankrott

Dazu sollte der Staat von allen zyprischen Bankeinlagen bis 100.000 Euro pauschal 6,75 Prozent einbehalten, von Guthaben darüber 9,9 Prozent. Nach heftigen Protesten wurde dem Parlament ein modifizierter Plan vorgelegt, der Kleinsparer mit einem Guthaben von unter 20.000 Euro schonen sollte. Dennoch gab es im Parlament keine einzige Stimme für das Paket.

Ohne Hilfe von außen droht Zypern nun der Staatsbankrott. Noch immer sind die zyprischen Banken geschlossen – aus Angst, die Bürger könnten ihre Konten räumen und damit die Krise verschärfen. In der verzwickten Lage des Staates wird immer wieder Russland als potenzieller Helfer genannt. Russische Unternehmen und Privatpersonen haben Milliardensummen auf die Insel transferiert. 

Die Europäische Zentralbank hatte kurz nach der Abstimmung im Parlament in Nikosia versichert, sie werde die Liquidität der zyprischen Banken "im Rahmen der bestehenden Vereinbarungen" weiter sichern. Vertreter von Europäischer Zentralbank und der Euro-Staaten hatten dem zyprischen Präsidenten während der Verhandlungen am vergangenen Wochenende damit gedroht, diese existenzielle Unterstützung zu beenden, sollte Zypern sich nicht an seiner eigenen Rettung beteiligen.

Vertreter der Euro-Gruppe äußerten sich allerdings auch nach der Parlamentsentscheidung wenig kompromissbereit. Zwar stehe das Hilfsangebot der Euro-Staaten im Volumen von zehn Milliarden Euro nach wie vor, sagte Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselboem. Allerdings bleibe es bei der Bedingung, dass Zypern 5,8 Milliarden zur Rettung seiner Banken beitragen müsse. Ähnlich äußerte sich Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der riesige Finanzbedarf und die geringe Wirtschaftsleistung des Landes machten den Eigenbeitrag unabdingbar, sagte er.