Zypern"Anleger sind nicht blöd"

Der Liberalen-Chef im Europaparlament fordert die Euro-Gruppe zur Kehrtwende auf. Zyprische Kleinsparer müssen geschützt werden, sagt Guy Verhofstadt im Interview. von 

ZEIT ONLINE: Zyprische Sparer zahlen eine Zwangssteuer auf ihre Sparguthaben, um die Volkswirtschaft vor dem Absturz zu retten. Was halten Sie davon?

Guy Verhofstadt: Das war kein sehr intelligenter Beschluss der Finanzminister. Man kann doch von allen Sparern eines Landes nicht einen so immensen Beitrag verlangen. Die Ansteckungsgefahren sind enorm.

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ZEIT ONLINE: Wie meinen Sie das?

Verhofstadt: Der jetzige Beschluss ist vergleichbar mit dem Schuldenschnitt von griechischen Staatsanleihen im vergangenen Jahr. Es dauerte Monate, bis das Vertrauen der Investoren zurückkam. Meine Sorge ist, dass dies nun auch passieren könnte. Wenn künftig eine Bank in einem anderen EU-Land in Schieflage gerät, dann werden die Menschen antizipieren, dass dort zu ähnlichen Maßnahmen gegriffen wird wie jetzt in Zypern. Die Anleger werden ihr Sparguthaben abziehen. Die Finanzminister sollten deshalb Ihren Beschluss noch einmal überdenken. Man sollte zumindest Kleinsparer vor dieser Zwangsabgabe verschonen. De facto wirkt die Steuer ja wie eine Abschreibung auf Spareinlagen.

ZEIT ONLINE: Deutsche Steuerzahler könnten das gerecht finden.

Verhofstadt: Gerecht ist diese Steuer nicht. Wenn die Finanzminister tatsächlich Geld der Investoren bekommen wollen und man damit auch russische Oligarchen erreichen möchte, dann sollten sie die Steuer nur für Einlagen größer als 100.000 Euro verlangen. So wie ich gehört habe, stand das auch zur Debatte in der Nacht zum Samstag. Wenn zwei Banken Probleme haben, dann sollte man die Arbeit auf diese Banken konzentrieren. Was können Anleger anderer Banken für die Probleme? Es gab das dringende Bedürfnis der Menschen, dass die Zyprioten selbst einen Beitrag leisten sollten. Die Frage ist: Wie macht man das? Besonders schlau ist die gefundene Lösung nicht.

ZEIT ONLINE: Fürchten Sie einen bank run, den panikartigen Abzug von Einlagen?

Verhofstadt: Wir müssen hoffen, dass das nicht passiert. Aber es kann zu großen Schwierigkeiten in Ländern kommen, die auch Probleme mit ihren Banken haben. Die Menschen vergessen nicht, was gerade in Zypern passiert. Anleger sind nicht blöd! Daher meine Sorge um die Ansteckungsgefahren.

ZEIT ONLINE: Die zyprische Regierung stimmte zunächst zu, nun wird wieder diskutiert. Ist das logisch?

Verhofstadt: Ich höre auch Gerüchte, dass die Euro-Gruppe selbst das Ganze noch einmal überdenken will. Vernünftig wäre es.

Leserkommentare
  1. wer es nötig hat diesen tagelöhnenden zypriotischen Muscheltauchern ihren Sparstrumpf zu stehlen gehört an den Pranger und mit Tomaten beworfen. ehrlich.

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  2. das scheint sich irgendwie auszuschließen!?

    erst wird ein einlagensicherungsgesetz verabschiedet, dann belegt man - natürlch NIEMALS in deutschland! - auch kleinst-guthaben mit 6,75 % strafabgabe; nur damit die großen sparguthaben mit einer geringen abgabe von < 10 % belegt werden müssen.

    => die kleinen zahlen, die großen lachen, die glaubwürdigkeit geht den bach runter - es wird zeit für alternativen, nicht nur in deutschland, sondern im gesamten euro-raum

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  3. wenigstens den Freiheitskämpfern in Syrien zu Gute kommen würde, sollten ähnliche Schritte auch in den übrigen EU Staaten vorgenommen werden.

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    rekrutiern sie bitte ihre terroristen woanders. danke.

    Mich von Ihnen hier so beschimpfen zu lassen?

    ...aber bitte nicht in die bundesrepublik. danke.

    ...gereicht jedem Troll zur Ehre!

    • Hokan
    • 18. März 2013 20:34 Uhr

    JA zur Bankenunion. BU statt EU. Damit das ein für allemal klar ist.

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    Haben Sie überhaupt überlegt, was Sie da fordern?

    Wenn irgendwo in Spanien eine Bank pleite ist, dann zieht man per EU-Dekret von Ihnen Geld vom Konto ein, um es dieser Bank zu geben. Nix anderes ist eine Bankenunion!

  4. rekrutiern sie bitte ihre terroristen woanders. danke.

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  5. Mich von Ihnen hier so beschimpfen zu lassen?

  6. Haben Sie überhaupt überlegt, was Sie da fordern?

    Wenn irgendwo in Spanien eine Bank pleite ist, dann zieht man per EU-Dekret von Ihnen Geld vom Konto ein, um es dieser Bank zu geben. Nix anderes ist eine Bankenunion!

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    Antwort auf "Europäische Evulotion"
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    • Hokan
    • 18. März 2013 23:01 Uhr

    Argumentative Kommentierung stößt manchmal an ihre Grenzen. Doch scheinbar braucht Ironie im Zeitalter von E-mail, Twitter und Co offensichtlich ein entsprechendes smiley, um verstanden zu werden.

    • keibe
    • 18. März 2013 21:03 Uhr

    gar nicht oft genug unterstreichen:

    "Anleger sind nicht blöd!"

    Auch deutsche Anleger nicht. Auch, wenn ich nicht viel habe, hat diese Vorgehensweise der EU-Finanzminister nunmehr mein Interesse an den Kaimaninseln geweckt.

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    Wundervolle Idee: alles Kapital auf den Kaimans konzentrieren und dann in ein paar Jahren alles ohne Vorwarnung zu 100% konfiszieren. Da wird es schon nicht die Falschen treffen.

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