Protestschilder gegen ein Atommüllendlager in Gorleben © Sean Gallup/Getty Images

Überall Erleichterung. "Wir begrüßen es ausdrücklich, dass die Endlagerfrage nun konstruktiv angegangen wird", sagt ein E.on-Sprecher. Auch Peter Altmaier (CDU) hat Grund zur Freude. Der Bundesumweltminister hatte monatelang versucht, Bund, Länder und Endlagerkritiker auf einen Kompromiss einzuschwören. Nun könnte er am morgigen Dienstag einen Durchbruch beim umstrittenen Endlagersuchgesetz verkünden – wenn die Bundesländer kein Veto einlegen. Noch vor der Bundestagswahl könnte das Gesetz verabschiedet werden.

Es wäre der nächste energiepolitische Coup der Bundesregierung. Nach dem Atomausstieg könnte Schwarz-Gelb nun auch die Endlagerfrage parteiübergreifend regeln. Seit 35 Jahren streitet Deutschland über Gorleben und ein sicheres Endlager für hochradioaktiven Atommüll. Bislang wurde nur der Salzstock in Gorleben erkundet.

Nun soll deutschlandweit nach einem Standort gesucht werden. Gorleben bekommt keine Sonderrolle und muss sich ebenfalls der Erkundung stellen. Wie die Suche ablaufen soll, das soll eine Enquete-Komission in den kommenden zwei Jahren erarbeiten.

Atommüll-Endlager - Wohin mit dem Atommüll? ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Endlagersuche Seit fast 50 Jahren streitet Deutschland um mittlerweile mehr als 12.000 Tonnen strahlendes Material, das sicher untergebracht werden muss. ZEIT-Redakteur Frank Drieschner über die schwierige Suche nach einem geeigneten Endlager.

Die politischen Entscheidungen bringen Deutschlands Atomkonzerne E.on, Vattenfall, RWE und EnBW in die Bedrouille. Zwar begrüßen sie, dass das konfliktreiche Thema nun endlich geregelt wird. Am Ende könnte tatsächlich ein Ort für ihr strahlendes Material gefunden werden. Auf der anderen Seite geht es um viel Geld. Rund 1,6 Milliarden Euro haben die Versorger bislang in die Erkundung des Bergwerks in Gorleben gesteckt. Im Gegenzug müssen sie Rückstellungen vorhalten. Dazu verpflichtet sie das Atomgesetz, schließlich sind sie Produzenten des Atommülls und der muss entsorgt werden. "Abfallablieferungspflichtig" heißt das Fachwort aus der Beamtensprache. Umfassende Produktverantwortung könnte man es auch nennen.

Die Stromkonzerne halten Gorleben für geeignet, auch wenn jetzt die Suche von vorne beginnt. Das Standortauswahlgesetz nennt ausdrücklich keine Anzahl von Erkundungen oder Orten. Das heißt: Es wird teuer, so oder so. Die Bundesregierung rechnet in einer Beispielrechnung mit mindestens zwei Milliarden Euro, um einen Standort zu finden.