FC Bayern MünchenDas Schweigen der Räte

Sponsoren, Anteilseigner und Aufsichtsräte des FC Bayern halten sich in der Causa Hoeneß zurück. Sie fürchten, die Affäre könnte bald zur eigenen werden. von Malte Laub

Die Szene wirkte allzu normal. Als die Fernsehkameras am Dienstagabend die Logenplätze der Allianz Arena abfilmten, saß da freudig erregt Uli Hoeneß, Präsident des FC Bayern München. Er hatte seinen rot-weiß gestreiften Schal wie immer um den Hals gelegt. Helmut Markwort, Herausgeber des Focus, schwang jubelnd seinen roten Schal ein paar Plätze tiefer.

Das vertraute Bild trog. Den 4:0-Sieg der Bayern über den FC Barcelona im Halbfinale der Champions League sah Hoeneß als ein Mann, der nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung nur gegen eine Kautionszahlung von fünf Millionen Euro auf freiem Fuß war. Und Logengast Markwort gibt das Magazin heraus, das vier Tage vor dem Spiel in einer Exklusivgeschichte Hoeneß als Steuerflüchtling demaskierte.

Anzeige

Markwort ist nicht nur Fan. Er ist auch Mitglied im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG, dem Konzern hinter dem Verein. Kumpanei kann man ihm nicht vorwerfen, ein Vertuschen vereinsrelevanter Fehltritte wäre seinem Amt auch nicht angemessen. Doch nicht nur Markwort ist in dieser Lage alle Aufsichtsräte stehen in der Pflicht und vor einem Problem: Durch die Steueraffäre des Präsidenten ist aus dem Amt mit bequemem Logenplatz ein Posten auf dem heißen Stuhl geworden

Laissez faire wird auf Dauer nicht gehen

Es ist eine illustre Runde, die regelmäßig im Vereinsinteresse zusammentritt. Kein Wunder: Der Rekordmeister ist ein Wirtschaftsunternehmen, dessen professionelle und auf Nachhaltigkeit angelegte Führung gerade Hoeneß mit Stolz als Alleinstellungsmerkmal ausgab. Der Adidas-Vorstandsvorsitzende Herbert Hainer ist ebenso dabei wie Audi-Chef Rupert Stadler. Beide Unternehmen verbindet eine Besonderheit: Sie sind mit jeweils 9,1 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt. Ebenso der Hauptsponsor, die Deutsche Telekom, hat einen großkalibrigen Aufseher abgestellt: Finanzvorstand Timotheus Höttges. Auch VW-Chef Martin Winterkorn und der bayerische Exministerpräsident Edmund Stoiber sind dabei, wenn das Gremium zusammenkommt – unter Vorsitz von Uli Hoeneß.

Die Frage, die nun zu klären ist, lautet: Ist die Steueraffäre Hoeneß vollkommen zu isolieren vom Unternehmen FC Bayern? Es wäre eine antiseptische Operation mit Seltenheitswert in Politik und Wirtschaft. Gelingt das nicht, könnten sich auch die Geschäftspartner infizieren. Hinter den Kulissen arbeiten die Compliance-Stäbe an Szenarien. In einer Zeit, wo die Hausjuristen schon staatsanwaltliche Ermittlungen befürchten, wenn der Vorstand Geschäftsfreunde zum Fußball einlädt, ist ein Laissez faire in der Causa Hoeneß auf Dauer unvorstellbar. "Eigene Compliance-Regeln hat die FC Bayern München AG nicht ausformuliert", sagt Mediendirektor Markus Hörwick. Die Mitarbeiter wüssten, wie sie sich korrekt zu verhalten haben.

Noch werden Fragen nach den Auswirkungen der Affäre auf das eigene Unternehmen beziehungsweise auf die FC Bayern München AG von den verbandelten Konzernen stereotyp abgebügelt. "Bitte haben Sie Verständnis, dass wir mit Blick auf ein laufendes Ermittlungsverfahren keinen Kommentar zu diesem Sachverhalt abgeben können", teilt Audi mit. Adidas-Sprecher Oliver Brüggen antwortet: "Wir bitten um Verständnis, dass wir diese Fragen überhaupt nicht kommentieren." Die Telekom verweist darauf, dass es sich bei den Ermittlungen gegen Hoeneß um eine Privatangelegenheit handele, die er konsequent aufklären werde. "Von diesem Sachverhalt getrennt sehen wir unser Sponsoring-Engagement", heißt es aus Bonn. Die Aufsichtsratsangelegenheiten des Klubs unterlägen der Vertraulichkeit.

Das vorsichtige Taktieren ist verständlich. "Die Sponsoren und Anteilseigner sind derzeit gut beraten, sich nicht zu äußern, auch wenn das vielleicht nach außen unglücklich wirkt", sagt Henning Herzog, Vorstand des Bundesverbands Compliance und Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre und Governance, Risk & Compliance an der Quadriga Hochschule Berlin. Das habe vor allem einen juristischen Grund: Bislang ist unklar, was es mit dem Kredit auf sich hat, den der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Hoeneß laut Berichten der Süddeutschen Zeitung zur Jahrtausendwende gewährt hat. Spekuliert wird derzeit darüber, ob das millionenschwere Darlehen eine reine Privatangelegenheit war. Oder ob es eben doch einen geschäftlichen Bezug zum FC Bayern gab.

Presseberichten zufolge  hatte Louis-Dreyfus Hoeneß im Jahr 2000 einen Millionenbetrag für Börsenspekulationen zur Verfügung gestellt. Im Jahr darauf unterzeichnete der FC Bayern einen Ausrüstervertrag mit Adidas, obwohl mehrere Konkurrenten ein höher dotiertes Angebot vorlegten – das hatte Hoeneß damals der Süddeutschen Zeitung bestätigt. Er präferiere die Zusammenarbeit mit einem deutschen Unternehmen.

Leserkommentare
    • TDU
    • 25. April 2013 16:05 Uhr

    Wer jetzt nicht, ob er was weiss oder nicht, Uli Hoeneß einen Tritt verpasst ist schuldig. Da war früher bei Hofe so und ist jetzt aktuelle Politik unter kräftiger Mitwirkung der Presse, TV und Internet.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • AndreD
    • 25. April 2013 18:28 Uhr

    Hoeness hat sich SELBST angezeigt
    und er hat demonstriert, dass er sich der Illegalität seines Handelns bewusst war, in dem seine Selbstanzeige mit dem nicht zu Stande gekommenen Steuerabkommen begründet hat.

    Jedoch haben Sie recht:

    Hoeness ist der Sündenbock für ein schiefes System, in dem solche Steuerflucht viel zu leicht gemacht wird. Da wäre ganz einfach zu lösen:

    Du hast einen Pass aus dem Lande X, also zahlst du deine Steuern in Lande X.

    So machen es die USA.

    Und das ganze Autodafé wäre nicht nötig.

  1. Wildmoser jun. hätte damals "die Zahlungen" beim Bau der Allianz Arena auch über ein Schweizer Konto abwickeln sollen. Dann wäre er (wahrscheinlich) nicht "im Bau" gelandet. Wie hoch war das Strafmaß damals? So umera viereinhalb Jahre für 2,8 Mio.Euro...

    http://de.wikipedia.org/w...

    4 Leserempfehlungen
  2. Dem Vernehmen nach soll Seehofer eingeräumt haben, bereits seit Januar von Hoeneß' Steueraffäre zu wissen.

    Wolfgang Kubicki hat in der Talksendung Markus Lanz so seine Zweifel geäußert, ob die Informierung Seehofers nicht gegen das Steuergeheimnis verstoßen würde.

    Es wäre wünschenswert, wenn dieser Punkt von der Presse final geklärt werden könnte.

    8 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • P_S
    • 25. April 2013 17:39 Uhr

    Herr Hoeneß so schätze ich ihn ein, wrid dem Aufsichtsrat zum Zeitpunkt der Selbstanzeige informiert haben...da Herr Stoiber im Aufsichtsrat sitzt, wird er vermutlich den Kollegen Seehofer vertraulich berichtet haben um das Thema, wenn möglich zu Chefsache zu erklären...

    Eins ist klar der FCB ist ein Wirtschafts- und Webermotor in und für Bayern, und den sollte man nicht gefähreden mit solchen "Kleinigkeiten" / "Neiddiskussionen",oder der Fragen: Was ist wann und wo Steuerhinterziehung und Ist Deutschland aufgrund es lokalen Steuerrechts, wirklich reif für den Weltmarkt?

    Darüberhinaus sollten ehere die Journalisten prüfen, in wie weit Deutsche (ohne abkommen mit der Schweiz) seine Bürger im Rahmen des europäischen Rechts hier nicht benachteiligt?

  3. von der Justiz bis zur Presse. Wie in Mittelalter , die Nachrichten in Bayern werden immer noch mit der Kutsche transportiert, wenn dann die Räuber unterwegs die Kutsche überfallen dann kann auch länger dauern .

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wahrscheinlich hat die Telekom, immerhin Sponsor des FC Bayern, die Internet-Anschlüsse in Bayern schon soweit gedrosselt, das dort ein Rückstau für Jahre ansteht. ;-)

    Ist so ein Haftbefehl was öffentliches?

    Horst Seehofer wußte schon seit Januar wenigstens von dem Vorwurf der Steuerhinterziehung - und, nicht zu verachten, eine ganz besondere Leitung zu Uli Höneß: Er wurde gewarnt und stellte dann notgedrungen die Selbstanzeige. -

  4. Es ist keine Frage, dass Steuerhinterziehung der Gesellschaft schweren Schaden zufügt und dass man wenn erfolgreich ist eine besondere Verantwortung hat.

    Aber Hoeness hat als Manager auch beachtliches geleistet und ich finde es nicht angemessen, dass Hoeness durch die Medien so vorverurteilt wird.
    Bei der sogenannten Wulf-Affäre sind auch faktisch keine strafrechlich relevanten Sachen übriggeblieben. Ein wenig Zurückhaltung der Presse könnte auch in diesem Fall nicht schaden.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Rhuo
    • 25. April 2013 17:12 Uhr

    Er ist geständiger Steuerhinterzieher. Jetzt will man lediglich auf die Frage eingehen inwiefern UH seine Position beim FCB ausüben kann und darf.

    Die nebulösen Hintergründe müssen ebenfalls beleuchtet werden. Das tun die Medien. Ich würde auch nicht warten wollen bis UH endlich alles offen legt.

    Kann man ihm da überhaupt noch trauen?

    Ich für meinen Fall begrüße es, dass der (vielleicht) vorhandenen FCB Sumpf endlich aufgedeckt wird. Dann sehen wir mit welchen Mitteln sich der FCB als Speerspitze des Deutschen Fußballs etabliert hat.

    Was mich auch interessiert: Steigen Lothar Matthäus' Chancen Greenkeeper der Allianz-Arena zu werden?
    Oder anders Formuliert: Wie lange haben KHR und UH beim FCB noch etwas zu sagen?

    • tronco
    • 25. April 2013 17:19 Uhr

    Den Vergleich mit Herrn Wulff finde ich passend, Ihre Schlussfolgerung aber nicht.

    Wer die heutigen Medien nutzt, um sich darzustellen bzw aufzusteigen, der muss damit rechnen, bei Problemen in dem Maße auch angegriffen zu werden. Alles andere wäre auch absurd. Es wurde ein Spiel begonnen, nur weil man Mensch-Ärgere-Dich-Männlein vor Haus rausgeschmissen worden ist, lässt sich ein Spiel kaum beenden.

    Die Verdienste als Manager und Unternehmer des Herrn Hoeneß mögen ja beachtlich sein, verpuffen für mich aber völlig. Wer sich - meiner Einschätzung nach - arrogant stilisiert und moralisch sogar in politische Debatten einmischt und dann Steuern hinterzieht, hat nichts anderes verdient als volle Breitseite.

    Ja, der Fall einer Ikone kann schmerzhaft sein und bringt manchmal Kollateralschäden mit sich. Aber erstens ist er das Ikone-Sein nicht mehr wert und zweitens hat auch er die gegebenenfalls entstehenden Kollateralschäden zu verantworten.

    Für mich ist das ein Fall des in den Waldhineinrufens: Wer sich moralapostelistisch aufstellt, der wird rechterdings vom zurückgeworfenem Schall umgeworfen, wenn ein solch unmoralisches Verhalten publik wird.

    Die Causa Wulff und Hoeneß eint noch zusätzlich ein katastrophales Krisenmanagement, was die andauernde Pressejagd überhaupt ermöglicht hat.

    • AndreD
    • 25. April 2013 18:15 Uhr

    Selbstanzeige= Eingeständnis eines Schuldbewusstseins

    Die Aussage: "Ich wollte abwarten, dass das Steuerabkommen durchkommt..." zeigt, dass er sich der Illegalität seines Handelns vollkommen bewusst war.

    Aber sie haben recht: Nicht auf Hoeness sollte man mit dem Finger zeigen, sondern auf eine Politik, die es den Leuten erlaubt so etwas zu machen.

    Es wäre ganz einfach: Hast du einen deutschen Pass, zahlst du in Deutschland Steuern (Abzüglich der Steuern, die du im Ausland gezahlt hast, natürlich). So machen es die USA. UNSER GROSSES VORBILD!

    Stimmt, er hat viel dazu beigetragen, dass Daum den Abflug machen musste.

    • carmat
    • 25. April 2013 16:16 Uhr

    Die Gewährung und Rückzahlung des Dryfus-Darlehens sind schlichte Behauptungen. Im STERN weist Herr Hoeneß Kirch-Zahlungen energisch zurück. (Printausgabe von heute).

    Der Tatbestand der Untreue verlangt u,a, die Verletzung der sogenannten Vermögensbetreuungspflicht. Wenn nun neben Adidas andere Mitbewerber nachweislich mehr(!) geboten haben, mag ein zu beziffernder Schaden der Bayern AG entstanden sein. Wie konkret kam das doppelte Geschäft mit Adidas zustande, wer war wie handelnd involviert, wer hat kontrolliert und die Aktionäre informiert?

    Wendet man die Wulff-schen Maßstäbe an, haben Medien und Staatsanwaltschaft fleißig zu tun ...

    Dagegen spricht freilich der "Oligarchen"- Status der Macher, siehe dazu die TAZ von heute.

    Die in Schlötterers Buch (Macht und Missbrauch) nachzulesenden WAFFEN werden im Ergebnis schon dazu führen, dass die Schutzmechanismen funktionieren; darauf baut man; daher die Zurückhaltung der Edlen.

    8 Leserempfehlungen
    • vyras
    • 25. April 2013 16:21 Uhr

    Hoeneß hat sich nicht von der Fa. Adidas 20 Mio. DM bezahlen lassen, sondern nur von deren Chef, das aber wiederum als reiner Freundschaftsdienst, Privatangelegenheit sozusagen.

    Genau so, wie Wulff eben kein Geld von HERRN Geerkens genommen hat, sondern von FRAU Geerkens, die ihm von ihrem Verkäuferinnengehalt 500.000 Euro zur Verfügung gestellt hat. Er hat also vor dem Landtag die Wahrheit gesagt!

    Man muss schon genau sein, sonst kommt man u.U. zu Vorverurteilungen.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • AndreD
    • 25. April 2013 18:18 Uhr

    rhetorische Frage, natürlich.
    Danke, habe sehr gelacht.

    keine Vorverurteilung!

  5. 8. [...]

    Entfernt, bitte bleiben Sie konstruktiv. Danke, die Redaktion/se

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service