ZEIT ONLINE: Herr Liese, Sie haben am Dienstag im Europäischen Parlament zwar für die Reform des Emissionshandels gestimmt, konnten aber nur sieben deutsche Fraktionskollegen und erst recht nicht die Mehrheit ihrer Kollegen aus anderen Ländern überzeugen. Die EVP, die Europäische Volkspartei stimmte mit großer Mehrheit gegen die Reform und spielte damit "den Leugnern des Klimawandels in die Hände", wie der Vorsitzende des Umweltausschusses anschließend sagte. Hat der Sozialdemokrat Matthias Groote recht?

Peter Liese: Ich bedauere sehr, dass die Mehrheit meiner Fraktion und meiner Gruppe mit Nein gestimmt hat. Das ging auch gegen die Linie von Bundesumweltminister Peter Altmaier und vielen anderen Freunden aus der Union. Letztlich haben diese Stimmen aber nicht den Ausschlag gegeben. Es war schon lange klar, dass die Mehrheit der EVP eher negativ abstimmen würde. 58 Abgeordnete der christdemokratischen EVP-Fraktion haben hingegen für die Reform des Emissionshandels gestimmt. Wenn das jemand vor zwei Wochen behauptet hätte, dann wäre das schon sehr optimistisch gewesen.

ZEIT ONLINE: Was hat denn die Niederlage herbeigeführt?

Liese: Entscheidend war, dass bei den Sozialdemokraten, bei den Liberalen und bei den britischen Konservativen wesentlich weniger Unterstützung vorhanden war, als wir vorher angenommen hatten.

ZEIT ONLINE: Aus der Abstimmungsliste geht hervor, dass 28 Sozialdemokraten und 21 EVP-Abgeordnete sich enthalten haben, vor allem Parlamentarier aus südeuropäischen Ländern. Wenn nur die Hälfte davon für die Reform gestimmt hätte …

Liese: …dann hätten wir jetzt kein so großes Problem. Die Mehrheit der Abgeordneten aus Griechenland, Zypern und Italien war gegen die Reform des Emissionshandels, unabhängig von der Fraktionszugehörigkeit. Die Enthaltung der spanischen und portugiesischen Abgeordneten ist schon fast positiv. Sie haben sich immerhin gegen die Linie meiner Fraktion entschieden.

ZEIT ONLINE: Die lautete: Wir lehnen die Reform ab.

Liese: Ja, aber es gab auch Offenheit für meine Argumente. Tatsächlich hat das Abstimmungsverhalten der Griechen, der Zyprer und der Italiener den Ausschlag gegeben. Natürlich mit dem Hinweis, dass man in der Wirtschaftskrise kein Geld für Umwelt- und Klimaschutz hat und deswegen andere Prioritäten setzen muss.

ZEIT ONLINE: Ist das nicht verständlich?

Liese: Nein, ich halte das nicht für überzeugend. Die Länder, die in den vergangenen Jahren aktiv Klimaschutz betrieben haben, sind eben nicht die Krisenländer. Niemand kann im Ernst behaupten, dass Griechenland und Zypern in einer schwierigen Lage sind, weil sie zu viel für den Umweltschutz getan haben.