Euro-KriseEs liegt nicht am Euro!

Viele Deutsche machen den Euro für die Krise verantwortlich, eine neue Partei will ihn gleich abschaffen. Sie alle irren. von Marcel Fratzscher

Unterstützer der Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland"

Unterstützer der Anti-Euro-Partei "Alternative für Deutschland"  |  © Kai Pfaffenbach/Reuters

Manche Hausbesitzer deponieren den Schlüssel unter der Türmatte, damit Freunde in ihrer Abwesenheit zu Besuch kommen können. Wenn einer der Freunde das Angebot missbraucht und die Speisekammer leerräumt, dann mag man dem Eigentümer Fahrlässigkeit vorwerfen. Falsch verhalten hat sich jedoch der Besucher.

Die Analogie beschreibt die gegenwärtige europäische Krise ziemlich treffend. Alle Mitglieder der Euro-Zone haben mit dem Euro einen privilegierten Zugang zum europäischen Haus erhalten, ohne ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Vor allem in Deutschland sprechen Medien und Politik deshalb von einer "Euro-Krise" und versuchen in der gemeinsamen Währung die Ursache der Krise zu finden. Die Partei "Alternative für Deutschland" will den Euro sogar ganz abschaffen. Die Argumente, die dabei vorgebracht werden, sind grundfalsch. Die Fakten werden auf den Kopf gestellt.

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Die Einführung des Euro hat Vorteile für alle Mitgliedsländer gebracht. Durch mehr Handel, vertiefte Finanzintegration, günstigere Finanzierungsbedingungen, erhöhte Preisstabilität und eine Intensivierung des Wettbewerbs. Einige Mitglieder haben diese Vorteile aber nicht genutzt,  um ihre Wirtschaft zu stärken und den Staatshaushalt zu konsolidieren. Stattdessen haben sie sich durch günstige Finanzierungsbedingungen dazu verleiten lassen, ihre private und öffentliche Verschuldung auszuweiten. Das hat einige Volkswirtschaften in eine Schieflage gebracht. Wieso soll der Euro für dieses Verhalten verantwortlich gewesen sein? Die gemeinsame Währung mag das Fehlverhalten erleichtert haben. Verantwortlich aber war die Politik.

Marcel Fratzscher
Marcel Fratzscher

leitet seit 1. Februar 2013 das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Zuvor war er Leiter der Abteilung International Policy Analysis der Europäischen Zentralbank. Er forscht zur europäischen und internationalen Geldpolitik und Finanzmarktarchitektur.

Dass es sich um keine "Euro-Krise" handelt, zeigt sich auch darin, dass die gegenwärtige Krise nichts mit einer Währungskrise gemein hat. Zwei Merkmale zeichnen eine solche Krise aus. Erstens liegen ihr eine Überbewertung der Währung und fehlende Wettbewerbsfähigkeit auf der Preisseite zu Grunde. Zweitens führt eine Währungskrise meistens zu einem Vertrauensverlust in die Währung und dadurch zu einer massiven Abwertung. Werden die Währungsungleichgewichte in den öffentlichen und privaten Bilanzen zu groß, kann es zu Banken- und Staatsschuldenkrisen kommen.

Nichts davon trifft auf die Krise in Europa zu. Der Euro war vor der Krise keinesfalls zu teuer. Auch in den Krisenjahren blieb er äußerst stabil und im internationalen Vergleich fair bewertet. Die Banken- und Staatsschuldenkrisen dieser Tage haben ihren Ursprung auch nicht in Währungsungleichgewichten, sondern im Risikoverhalten der Banken, in einer fehlenden Flexibilität auf den Güter- und Arbeitsmärkten und in einer zu expansiven Fiskalpolitik.

Der Euro hat diese Krise nicht ausgelöst. Seine Stabilität und Verlässlichkeit haben eher eine noch tiefere Krise verhindert. Weil der Euro eine Währung von globaler Wichtigkeit ist, haben die Investoren netto kaum Kapital aus der Euro-Zone abgezogen. Deshalb sind auch die Zinsen für die privaten Haushalte und Firmen nicht gestiegen, was viele Insolvenzen verhindert hat.

Gegen den Euro wird außerdem vorgebracht, die Länder der Währungsunion seien zu unterschiedlich für eine gemeinsame Währungs- und Geldpolitik. Das Argument ist falsch. Es ist der dritte Verständnisfehler, der auf einem naiven Lehrbuch-Modell eines optimalen Währungsraums beruht. Tatsächlich gibt es keinen "optimalen" Währungsraum. Das gilt für die Euro-Zone, wie auch für die USA. Selbst die Bundesrepublik Deutschland war nie ein optimaler Währungsraum und wird es niemals sein.

Deutschland hat in den vergangenen 25 Jahren zwei Währungsunionen erlebt – die europäische 1999 und die innerdeutsche 1990. Die deutsche Währungsunion des Jahres 1990 hat zwei Volkswirtschaften zusammen gebracht, die sehr viel unterschiedlicher waren als jene Staaten, die sich 1999 zu einer europäischen Währungsunion zusammengeschlossen haben. Die Wirtschaft der DDR unterlag  planwirtschaftlichen Anreizstrukturen, ihr Kapitalstock und Technologien waren völlig veraltet. Zum Teil wurden Güter erzeugt, die nach der Vereinigung überhaupt nicht mehr am Markt gefragt waren.

Leserkommentare
  1. Alle Parteien, Politiker, Experten und Medienverteter wissen was gut und alternativlos ist (die Frage ist für wen...). Und es geht trotzdem immer weiter bergab... Zum Schluß ist wie immer keiner verantwortlich und 90% dürfen ihre Gürtel noch enger schnallen.

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    Dankeschön Herr Fratzscher für diesen erfrischend geschriebenen Artikel, in dem Sie wunderbar zwischen einem Werkzeug (Währung) und dem, was die Politik damit anstellen kann differenzieren.

    Wenn einem Zimmermann der Hammer aus der Hand auf den Fuss fällt, ist ja auch nicht der Hammer schuld. Genausowenig trifft es den Euro, wenn die Politik nicht in der Lage ist die Vorteile sinnvoll im Sinne der Gemeinschaft zu nutzen.

    Und Monaco Franze: Welche 90% schnallen denn kontinuierlich den Gürtel enger? Wenn es uns mit dem jetzigen Zustand wirklich so schlecht ginge, dann könnten wir längst Veränderungen beobachten. Komisch... so schlecht, dass jemand wirklich etwas Verändern (= sich engagieren) möchte geht es uns wohl noch nicht.

    immer dann wenn es zu spät ist. In Mitteleuropa eine stark verankerte Mentalität.

    Eine Währung kann nicht an einer Krise schuld sein. Sie funktioniert nur so wie Politiker mit ihr umgehen. Die Politiker, nicht nur die der Griechen, versprechen den Wählern alles und finanzieren die Leistungen über Schulden. Das geht natürlich nicht gut, egal wie die Währung heißt.

    Ich müsste diesem Artikel in so vielen Punkten widersprechen, dafür fehlt mir Zeit und Platz.
    Mal ein wenig in Kurzform: Der Vergleich zwischen europäischer und deutscher Währungsunion hinkt vollkommen. Bei der deutschen Währungsunion ist gleichzeitig aus zwei Volkswirtschaften eine geworden, mit ein und dem selben politischen wie wirtschaftlichen System und der selben Regierung. In Europa sieht das anders aus. Da kommt dann gleich der zweite Punkt, es gebe gar keinen optimalen Währungsraum. Klar, optimale Bedingungen hat man nie im realen Leben, die bestehen nur in der Theorie. Das nun aber als Argument anzuführen, halte ich doch für ziemlich schwach. Es gibt immer noch Währungsräume, die näher an den optimalen Zustand herankommen als andere.
    Zudem, das immer angeführte Argument der höheren Exportrate Deutschlands durch den Euro hinkt ebenfalls. Wenn man den Euro-Partnern das Geld zum Erwerb deutscher Waren erstaml leihen muss (die Größenordnung der Kredite an Euro-Partner ist nämlich den Exporten ziemlich entsprechend), mit der Gefahr, es nicht zurückzubekommen (ich weiß, das wird ja bestimmt (!) nicht passieren), wird das Ganze schon in ein anderes Licht gerückt. Betrachtet man noch derartige Dinge: http://www.welt.de/print/...
    wird das Ganze noch weiter verflüssigt.

    • ribera
    • 09. April 2013 14:12 Uhr

    "Die öffentlichen Zuwendungen, die das DIW Berlin als Forschungsförderung zu gleichen Teilen vom Land Berlin (Senatsverwaltung für Wissenschaft, Forschung und Kultur) und vom Bund (Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit) erhält, machen etwa die Hälfte des Institutshaushalts aus."

    http://de.wikipedia.org/w...

    Bei einem Institut, das zu 50% von Institutionen abhängt, für die der Euro alternativlos ist, bin ich grundsätzlich skeptisch.

    • Eucken
    • 09. April 2013 14:23 Uhr

    Der Euro ist sehr wohl überbewertet nämlich z.B. in Griechenland und Spanien. Diese Länder sind nicht wettbewerbsfähig, aufgrund des für diese Länder überbewerteten Euros. Die Folge ist eine geringe Exportquote verbunden mit hoher Arbeitslosigkeit in diesen Ländern. Die Wettbewerbsfähigkeit kann nur mit Hilfe einer Abwertung der Landeswährung wiederhergestellt werden, dies ist jedoch in der Eurozone nicht möglich.Daher ist ein Teil der Krise sehr wohl direkt durch den Euro verursacht!

    • bonner
    • 09. April 2013 11:09 Uhr
    2. Stimmt

    Ja, der Euro ist nur der Sündenbock. Allerdings hilft uns diese Erkenntnis nicht.
    Denn ich zweifle, ob die Länder, die mit dem geliehenen Geldsegen ihre Finanzen in eine solche Schieflage gebracht haben, das sie nicht mehr selbstständig aus der Schuldenfalle rauskommen, ihre Lektion gelernt haben.

    Es war halt gar zu schön, reich zu sein, ohne etwas dafür tun zu müssen...

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    z.B. zu Berlin? Dieses Bundesland ist seit Jahren in einer Schieflage und findet nichts dabei die Lösung seiner Problem anderen anzulasten. Gelernt haben sie dort bis heute nicht, dass das Geld nicht auf den Bäumen wächst

  2. Ich kann es leider nur immer wieder so schreiben, bis es genug Menschen verstanden haben: Ein Geldsystem in dem jeder einzelne Euro als Kredit erzeugt wird, funktioniert einfach nicht. Es gibt mittlerweile genügend Wissenschaftler, die ausführlich und dezidiert darauf hinweisen. Auch der IWF hat dazu eine Studie veröffentlicht, die hier in der ZEIT besprochen wurde. In einem Satz: Privatbanken schaffen Geld per Computer, verleihen es und wollen später den Kredit PLUS Zinsen zurück. Da aber auch die Zinsen nur als weiterer Kredit entstehen können, ist unser Geldsystem ein Schneeballsystem, das nach einer bestimmten Zeitspanne zwangsläufig kollabiert. Kurz und verständlich HIER erklärt.

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    • gkh
    • 09. April 2013 11:34 Uhr

    Das (Schuld-)Geld dient lediglich als Katalysator bei Tauschgeschäften. Sein Wert besteht in der Leistung (Waren oder Dienstleistung), die dafür erbracht wird.

    Man könnte sich den gesamten Wirtschaftskreislauf ohne weiteres auch ohne Geld vorstellen. Das würde zwar den Vergleich von Werten erschweren, aber es macht deutlich, dass das Schuldgeldsystem an sich kein Problem darstellt.

    Das Schuldgeldsystem ist deshalb kein Schneeballsystem, weil das Geld bei der Rückzahlung von Krediten wieder vernichtet wird.

    Das Geldsystem ist in der Tat der strukturelle Auslöser der Krise. Aber nicht aufgrund der Tatsache, daß es sich dabei um Kreditgeld handelt (eine eher banale Erkenntnis), sondern weil es sich dabei um ein System fester Wechselkurse handelt. Solche Systeme sind bereits drei mal in der Geschichte gescheitert: Bei der lateinischen Münzunion ("Doktorarbeit" von Frau Koch-Mehrin), bei der Goldbindung und im System von Bretton Woods. Der Auslöser des Zusammenbruchs solcher Systeme war stets einundderselbe: Feste Wechselkurse können nicht zwischen verschiedenen Vokswirtschaften etabliert werden, die unterschiedliche Fiskalsysteme haben.

    Die Existenz von Buch- oder Giralgeld ist wirklich nichts Neues und hat mit Computern erstmal nichts zu tun. Es ist ein Phänomen, das sich aus Kreditvergabe und Buchführung überhaupt ergibt. Auch wenn einen die Konsequenzen irritieren können, wenn man erstenmals davon hört, ist es auch nichts "Böses".
    Durch Eigenkapital und Einlage-Vorschriften oder eine Gold-Deckung (oft quasi mythologisch überbewertet, aber Mythen spielen in "der Wirtschaft" eine Rolle) lässt sich das Phänomen be-grenzen (wohlgemerkt).
    Das Ganze als Schneeballsystem zu bezeichnen ist ebenso zu kurz gedacht wie "die Wirtschaft" als Nullsummenspiel zu verstehen.
    Buchgeld KANN zur Überhitzung der Wirtschaft beitragen, die Inflation treiben und vergrößert v.a. die Problematik eines Bank-Runs ungemein - soviel zur möglichen Krisen-Katalysator-Wirkung. Zentralbanken behalten daher die Geldmenge (zu denen selbstverst. auch BG zählt) im Blick.
    Das Kredit-Geld-System hat aber sehr viele Vorteile, es erleichtert eben die Kreditvergabe, treibt das Wachstum (manche sprechen von einem impliziten Zwang, das kann man erörtern) und Innovationen. Ein populär geschriebenes Lob des Systems findet man z.B. in Thomas Strobls Buch "Ohne Schulden läuft Nichts" (wenn auch manchmal vereinfachend).

    aber etwas anders, als Sie es darstellen. Die Zinsen (durch neue Kreditaufnahme) werden einseitig verteilt, was zwar Reichtum auf die eine Seite, aber die Schulden auf die andere Seite der Gesellschaft (Vermögensschere) erhöht.

    Das Verhältnis durch die Schuldenaufnahme (jetzt ohne die ungleiche Verteilung) würde zwar in Zahlen wachsen, aber das Verhältnis würde stabil rel. stabil sein. Wenn aber die ungleiche Vermögensverteilung durch den Zins erfolgt, verschiebt sich das Verhältnis zwischen Wirtschaftsleistung und Schulden des Staates (bzw. der Masse der Bürger).

    • clarin
    • 09. April 2013 21:47 Uhr

    @3: Danke für den interessanten Link.

    Ja, die Fehlkonstruktion. Das Geld für die Zinsen ist nicht geschaffen worden. Es geht noch weiter, und da wird dann richtig arg. Mit Zins und Zinseszins vermehrt sich die Zinsforderung immer weiter. Und das leider nicht linear, sondern mathematisch gesehen in exponentieller Weise. Und ein exponentielles Wachstum ist nur eine Zeit lang langsam und überschaubar und wird irgendwann dann immer schneller und schneller und schneller. Also brauchen wir immer Geld für die Zinsforderungen, das noch nicht geschaffen wurde. Deshalb muss man dringend jemanden verschulden und zwear mit immer größeren Summen. Erst die Häuslebauer in USA, in Spanien und anderswo. Und als das krachen ging, nun also diejenigen, die man am allerbesten mit riesigen Summen verschulden kann: die Staaten. Übrigens, nicht die Eurostaaten sind am höchsten verschuldet, schauen wir doch mal nach England, USA, Japan. Da ist die Quote noch viel höher (in Prozent vom BIP).

    Seit etwa 10 Jahren ist das Volumen der Zinsforderungen höher, als der Ertrag der Realwirtschaft. Und die Zinsforderungen steigen weiter exponentiell. Wer behauptet, dass das gut gehen kann muss grenzenlos dumm sein, oder fahrlässig das Wohl unserer Gesellschaft aufs Spiel setzen.

    Hier ein Vortrag zum Thema

    • clarin
    • 09. April 2013 21:47 Uhr

    @3: Danke für den interessanten Link.

    Ja, die Fehlkonstruktion. Das Geld für die Zinsen ist nicht geschaffen worden. Es geht noch weiter, und da wird dann richtig arg. Mit Zins und Zinseszins vermehrt sich die Zinsforderung immer weiter. Und das leider nicht linear, sondern mathematisch gesehen in exponentieller Weise. Und ein exponentielles Wachstum ist nur eine Zeit lang langsam und überschaubar und wird irgendwann dann immer schneller und schneller und schneller. Also brauchen wir immer Geld für die Zinsforderungen, das noch nicht geschaffen wurde. Deshalb muss man dringend jemanden verschulden und zwear mit immer größeren Summen. Erst die Häuslebauer in USA, in Spanien und anderswo. Und als das krachen ging, nun also diejenigen, die man am allerbesten mit riesigen Summen verschulden kann: die Staaten. Übrigens, nicht die Eurostaaten sind am höchsten verschuldet, schauen wir doch mal nach England, USA, Japan. Da ist die Quote noch viel höher (in Prozent vom BIP).

    Seit etwa 10 Jahren ist das Volumen der Zinsforderungen höher, als der Ertrag der Realwirtschaft. Und die Zinsforderungen steigen weiter exponentiell. Wer behauptet, dass das gut gehen kann muss grenzenlos dumm sein, oder fahrlässig das Wohl unserer Gesellschaft aufs Spiel setzen.

    Hier ein Vortrag zum Thema

    • ach_ne
    • 10. April 2013 10:40 Uhr

    dass dies bald einmal als Chance verstanden wird. Wenn es so einfach ist, Geld zu erzeugen, warum machen wir das dann nicht selbst? Wir vergeben Kredite zum Selbstkostenpreis... Was wirklich fehlt ist doch Geld! Zumindest Geld an der richtigen Stelle.
    Warum gibt es so viele Arbeitslose? Weil Arbeitgeber nicht genug Produkte absetzen können. Warum können Sie das nicht? Weil diejenigen, die die Produkte gerne hätten nicht das nötige Geld dazu haben. Wie kann man das Problem lösen? Ganz einfach: Indem man die Leute, die zu wenig Geld haben mit Geld versorgt (natürlich nicht ganz umsonst, sondern als Gegenleistung für schlecht bezahlte Arbeit durch öffentliche Arbeitgeber, sodass weiter ein Anreiz für Beschäftigung außerhalb dieses Sektors besteht). Die Nachfrage steigt, Arbeitsplätze werden geschaffen, alle sind glücklich. Woher kommt das benötigte Geld? Es wird einfach gedruckt bzw. elektronisch geschaffen. Klar, es besteht die Gefahr der Inflation, aber so lange sich diese weiter nur an der Börse, beim Gold oder bei Luxusimmobilien abspielt kann uns das doch egal sein. Und sollte sie tatsächlich mal auf andere Güter übergreifen, so kann man immer noch mit einer entsprechenden Steuerpolitik das überschüssige Geld wieder einsammeln. Geld ist Mittel zum Zweck, mehr nicht.

    Kurz und knapp nachvollziehbar erklärt . Wünsche mir mehr solcher Kommentare .....

  3. ... erkennt man unter anderem unschwer daran, daß auch Länder in der Krise stecken, die gar keinen Euro haben.

    Wir sind in der Krise 1. wegen des Wildwuchses im globalen Finanzsektor und 2. weil wir als Staaten über unsere Verhältnisse leben.

    Mit beiden hat die Währung nix zu tun.

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    Richtig!

    Genau das sind die Gründe.
    Den ersten Punkt könnte man vllt. auch so formulieren: Investitions- und Spekulationsrisiken sind für Großbanken nicht mehr vorhanden, da diese den Politikern eingeredet haben, dass sie „too big to fail“ sind und daher jegliches Mismanagement vom Steuerzahler aufgefangen und bezahlt wird. Die Großbanken haben sich quasi eine kostenlose Vollkaskoversicherung per Propaganda angezüchtet.

    Man könnte die ganze Krise auch als „Politiker haben Null-Eier in der Hose oder sind korrupt“ bezeichnen.

    • coeval
    • 09. April 2013 13:37 Uhr

    ... wäre es aber nicht UNSER Problem, wenn etliche ANDERE Staaten über ihre Verhältnisse leben. Das wäre doch ein großer Vorteil oder?

    Stattdessen versucht unsere Regierung, mit repressiven Methoden die anderen Staaten daran zu hindern über ihre Verhältnisse zu leben.
    Das kommt aber gar nicht gut an (Nazi-Vergleiche und Misstrauen, sogar Hass allerorten). Das funktioniert nicht mehr lange.

    • zozo
    • 09. April 2013 17:50 Uhr

    Das der Euro in der Krise ist ... ist dadurch bewiesen das nur Europa, USA und Japan in der finanzieller Krise stecken. Das Problem ist also "Giralgeld" und "Peak-Oil".

    Die anderen Länder haben keine Finanzkrise.

    Der Euro verschlimmert noch das Problem damit, das einzelne Länder nicht eigene Antworten bringen können wegen dem Diktat von Merkel und Draghi.

    Schweiz, Norwegen, Dänemark, England, Tschechien ...

  4. So kann fortlaufend "Rettungsgeld" und "Bestechungsgeld" gedruckt und ein marodes System aufrecht erhalten werden.

    Das Ursache-Wirkung-Prinzip wird mit Hilfe ungedeckten Geldes, das nur Papier und Farbe kostet, durchbrochen.

    Das Beispiel Island hat gezeigt, wie man ein marodes Bankensystem abschaft: durch Bankrott:

    http://www.youtube.com/wa...

    Der isländischen Wirtschaft geht es ausgezeichnet, seit sie parasitäre Banker und Politiker an Arbeitsstellen innerhalb der EU weiterempfohlen hat.

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    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Goldwährung viel Erfolg, wenn die Wirtschaft wächst, die Goldmenge aber konstant bleibt. Was glauben Sie, was dann passiert?

    Problem: Die Wirtschaft wächst, es ist nicht genug Gold vorhanden.

    Dann wird anstelle von Gold eine anteilige alternative Deckung mit werthaltigen Bodenschätzen / Grundstücken gefordert.

    Das Problem ist, dass Banken ungedecktes Geld aus Luft erschaffen können, das sogenannte Giralgeld.

    In diesem Zusammenhang müssen die Banken an die Kette gelegt werden, so dass ihnen letztlich nicht Sachwerte des Schuldners gg. die Eigenleistung = "Zinsen aus Luft" zustehen.

    Sobald die Bankeneigenleistung = "Luft" ist, ist Bestechung problemlos möglich. Und das erleben wir gerade in der EURO-EU.

    Sobald die Zahl im Computer die Banken wirklich etwas "kostet", das weh tut, wenn man Fehler macht, können wir uns von einem Bestechungsgeldsystem befreien.

    • coeval
    • 09. April 2013 13:35 Uhr

    Und wäre Island im Euro gewesen, sähe es dort heute so aus wie in Griechenland: Insolvenzverschleppung auf Kosten aller!

  5. Lieber Mirko,

    haben Sie dazu mal einen wissenschaftlichen Fachaufsatz geschreiben, indem Sie Ihre wirre These mathematisch belegen oder experimentell zeigen können?

    Ich finde der DIW-Vorsitzende hat etwas mehr verdient, als ein paar heruntergeklimperte halbgare Antworten à la "Alles FALSCH".

    Ich finde einen Punkt sehr interessant:
    " Tatsächlich gibt es keinen "optimalen" Währungsraum. Das gilt für die Euro-Zone, wie auch für die USA. Selbst die Bundesrepublik Deutschland war nie ein optimaler Währungsraum und wird es niemals sein."

    Wenn man sich mal den Unterschied zwischen den Bundesländern oder den Bundesstaaten der USA ansieht, dann würde kaum einer auf die Idee kommen, getrennte Währungsräume zu schaffen, auch wenn Transfers fließen. Die Transaktionskosten überwiegen vermutlich deutlich die Transferkosten.

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    ... das Argument "Es gibt ohnehin nicht DEN optimalen Währungsraum" halte ich für ein absolutes Scheinargument.

    Nur weil nichts im Leben perfekt ist, soll man sich also mit einer Währung zufrieden geben, die in vielen Punkten eher das Gegenteil eines optimalen Währungsraumes miteinander vereint?

    Gehen Sie bei der Partnerwahl auch so vor?

    Die Staaten Europas sind keine Bundesstaaten.

    • Chiri
    • 09. April 2013 15:31 Uhr

    "Wenn man sich mal den Unterschied zwischen den Bundesländern oder den Bundesstaaten der USA ansieht, dann würde kaum einer auf die Idee kommen, getrennte Währungsräume zu schaffen.."

    ...aber er fließt durch die Hände von Menschen in ziemlich verschiedenen Ländern, über deren gewachsene Unterschieden verschiedener Genese man eben nicht einfach eine Schablone stülpen kann.

    Und dann sind da noch die langen Strippen aus der Ferne, an denen der Euro hängt. Auch diese werden von Menschen gezogen.

    Nein, der Euro ist unschuldig, aber er ist ein Abenteuer, bei dem die Bürger kaum noch über ihren Staat bzw. selbstbestimmt Verantwortung für ihr Wohlergehen tragen können. Ein Europa der Freiheit und des Rechts stelle ich mir anders vor.

  6. Ein wesentlicher Konstruktionsfehler beim Euro sind die zu hohen Wechselkurse zu den "weicheren" Vorwährungen.
    Das hätte man aus der Währungsunion der DM zwischen der BRD und der DDR lernen können. Die Wirtschaft der DDR hat relativ viel in den Osten verkauft. Nachdem der hohe Kurs zur DM festgelegt war, konnten diese Unternehmen nicht mehr exportieren, ihr Markt war weg. Nach der Pleite kam die Übernahme aus dem Westen. Einfacher konnte man keine Wirtschaft zerstören, jeder Krieg wäre teurer geworden.
    Natürlich war die Wirtschaft der DDR nicht konkurenzfähig, doch wäre eine langsamerer Übergang wenigstens denkbar gewesen, statt "Deutschland eilig Vaterland".
    Bei Euro (so richtig ich den finde!) das selbe Spiel. Die Wirtschaft der ehemaligen Weichwährungsländer hat keine Chance gegen unsere Wirtschaft, wir exportieren was das Zeug hält und dort steigt die Arbeitslosigkeit.
    Man darf natürlich nicht vergessen, dass deren Schulden unsere Exporterlöse sind! Hätten diese Länder nichts bei uns gekauft, gäbs die Arbeitslosen halt bei uns. Deshalb ist ein gutes Geschäft eben das was beiden Seiten nützt, da liegt die Lösung für das Problem.

    21 Leserempfehlungen
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    • bayert
    • 09. April 2013 11:28 Uhr

    dafür ist aber Leistung geflossen! Meine Schulden beim Handwerker sind nicht gottgegeben sondern durch Erbringung einer Leistung begründet. Der Wegfall der Leistungsnachfrage würde natürlich den Export senken.

    Allerdings sollte man die Binnenkonjunktur stärken. Von der Opposition höre leider ich nur "Steuern und Abgaben erhöhen".

    • wmers
    • 09. April 2013 13:28 Uhr

    basiert hauptsächlich auf die Zunahme der Exporte in Nicht-EU-Staaten.
    Der Euro war kein Beschleuniger für Exporte in EU-Staaten.

    In den einzelnen Staaten herrschen unterschiedliche Inflationsentwicklungen.

    2002 sind alle bei "0%" gestaartet. In Deutschland gab es relativ zu den anderen Staaten keine Inflation, in den südeuropäischen Staaten gab es relative Inflationen von 20 - 35%.
    Im Klartext: Ein produkt welches in D. vor 10 Jahren 100€ gekostet hat kostet immernoch 100€. Da sich aber im Vergleich zu den Südstaaten die Preiste relativ nach oben entwickelt haben kostet z.B. in Griechenland ein Produckt (voher 100€) heute 130€ (relative Inflation 30%.

    Welch ein Segen für Deutschland! Deutschland war teuer aber hatte dafür gute Qualität. Nun ist deutschland sogar noch billig und hat gute qualität.

    Die Behautung der "Anti Euro" - Ökonomen, die meist an den Unis Angestellt sind, so einfach wegzuwischen... "Die haben ja alle keine Ahnung". Da hätte ich vom DIW mehr erwartet.

    Ich finde der Vergleich zur DM Einführung in den neuen Bundesländern ist nicht ganz passend:

    1.) Den gesamten Club Med so durch Subventionen zu stützen, wie die über den Aufbau Ost mit den neuen Bundesländern geschehen ist, würde die wenigen verbliebenen Nettozahler in der EU völlig überfordern.

    2.) Anders als die ehemalige DDR wurden Spanien, Griechenland und Italien nie durch eine sozialistische Wirtschaft in ihrer Entwicklung gehemmt. Das Vermögen eines Durchschnittlichen Haushalts in den sogenannten "Schuldenstaaten" ist deutlich höher als das Vermögen eines durchschnittlichen Haushaltes in Deutschland. Anders als in der DDR gibt es im angeblich bedürftigen Süden enorme private Vermögen, die auch zur Bewältigung der Krise beitragen sollten.

    3.) Im gesamten Bundesgebiet gibt es einheitliche Regeln über Renten, Steuern, Korruptionsbekämpfung usw. Wenn man (auf Drängen des IWF, der Troika oder anderer) in den Ländern des Club Med ähnliche Regeln wie in Deutschland einführen will, wird dies als deutscher Kolonialismus empfunden und es hagelt Beschimpfungen und Nazi Vergleiche.

    „Nach der Pleite kam die Übernahme aus dem Westen. Einfacher konnte man keine Wirtschaft zerstören, jeder Krieg wäre teurer geworden.“
    Quatsch. Die Entwicklung in Ostdeutschland folgte u. a. ökonomischen Gesetzen (Währungsgebiete mit unterschiedlicher Wirtschaftsstärke)
    Ist jedem BWL Studenten nach dem ersten Studienjahr bekannt und hätte warnendes Bsp. bei Einführung des € sein sollen.

    Wie ein „langsamerer Übergang wenigstens denkbar gewesen“ wäre, bleibt Ihr Geheimnis angesichts der damaligen sich überstürzenden Ereignisse.

    Ein beliebtes Argument „wir exportieren was das Zeug hält und dort steigt die Arbeitslosigkeit.
    Man darf natürlich nicht vergessen, dass deren Schulden unsere Exporterlöse sind! Hätten diese Länder nichts bei uns gekauft, gäbs die Arbeitslosen halt bei uns. Deshalb ist ein gutes Geschäft eben das was beiden Seiten nützt, da liegt die Lösung für das“
    Ich würde die Argumentation umdrehen. Hätten diese Länder mehr exportiert, hätten sie keine Schulden. Tja, warum haben sie nicht mehr exportiert? Aha, sie haben keine konkurrenzfähige Produkte. Ist solch ein Währungsraum möglich ohne zur Transferunion zu werden? Da wären wir wieder bei Währungsgebiete mit unterschiedlicher Wirtschaftsstärke.
    Was würde es für die €-Zone bedeuten, wenn D nicht den jetzigen Exportüberschuss hätte?

    • zenner
    • 09. April 2013 11:17 Uhr

    Sehr geehrter Herr Fratzscher,
    dass die Politik (auch) verantwortlich war ist nicht von der Hand zu weisen, aber: es ist unverantwortlich und (z.T. bewusst) irreführend, von einer Euro- bzw. (Staats-) schuldenkrise zu sprechen, da es sich in Wirklichkeit um eine Gläubigerkrise handelt.
    Was mit den Abermilliarden an Steuergeldern in den vergangenen Monaten und Jahren gestützt wurde, sind doch nicht Staatshaushalte sondern schlechte Investoren, denen nicht zugemutet wird, ihre miesen Investments abzuschreiben bzw. darauf Wertberichtigungen durchzuführen.
    Wenn man die allgemeine Terminologie in diesem Weltkrieg (arm gegen reich) betrachtet stellt man mal wieder fest: im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst.

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    Genau. Nur, dass diese Gläubiger zum grössten Teil in Deutschland zu finden sind, konnte man neulich auf ARTE erfahren.Mit anderen Worten: wer wie die Anti-Euro Partei ESM und Zentralbankhilfen ablehnt, wil sich selbst enteignen. Das soll einer mal verstehen.

    Es stimmt, dass es nicht am Euro liegt. Verantwortlich sind Banken und Politiker, nicht die Währung.

    ABER! Genau wie die, die den Euro als Sündenbock missbrauchen, falsch liegen, geht auch dieser Artikel an der essentiellen, wichtigen Frage vorbei bzw. liefert keine Antwort! Diese Frage muss lauten, wie man nun verfahren sollte mit dem Euro und Europa.
    Die Contra-ESM-Fraktion hat nicht Recht wenn sie sagt, der Euro seie an allem Schuld. Aber die These, dass es für Deutschland das beste ist die Eurowährungszone zu verlassen steht auf einem ganz anderen Papier - und sie ist doch das zentrale in der Forderung dieser Gruppe. Und diese These sollte unabhängig von den anderen Ansichten gesehen werden. Denn, auch wenn die Grundlagen falsch sein können - das Fazit daraus muss es nicht zwangsläufig sein.

    Dieser Beitrag soll in keinster Weise ein Plädoyer sein, Deutschland solle den Euro abschaffen. Er soll nur dafür sensibilisieren, was wirklich wichtig ist. Und das ist die Frage, wie wir von nun an mit dem Euro umgehen!

    Gruß

    Der Kommentar ist irreführend, indem er nur von politischem Versagen redet, aber es nicht näher konkretisiert. Das politische Versagen ist wenn schon, dann zweierlei:

    1) Natürlich kann man eine Währungszone völlig losgelöst von der eigentlichen Währung sehen und sich hinstellen und sagen, dass die Währung selbst eine Schönheit ist und super doll funktioniert, bloß leider auch ein paar falsche Länder die Währung haben. Nun da liegt politisches Versagen in der Auswahl des Teilnehmerkreises bzgl. dieser neuen Währung, gleichzeitig muss man aber auch sagen, für eben jene Länder funktioniert der Euro eben nicht, denn sie können nicht abwerten.

    2) Mir kommt hier viel zu kurz, dass wir keine Eurokrise haben sondern eine Bankenkrise, die ggf. für einige Länder - aufgrund von überobligatorischen staatlichen Notmaßnahmen - zu einer Staatsschuldenkrise geführt hat. Wenn man so will, dann liegt das politische Versagen hier in der Tatsache, dass die Politik untätig geblieben ist und nicht reguliert hat, was reguliert hätte werden müssen.

    Wenn Herr Fatzschner das meint, dann sind wir ggf. auf einer Wellenlänge.

    • luro
    • 10. April 2013 12:27 Uhr

    Die Gläubiger sind also Schuld und nicht etwa die Politiker, die diese
    Schulden angehäuft haben?
    Bei den miesen Investments handelt es sich schließlich um Staaten,
    die als absolut sicher galten.
    Und hinter den Investoren stecken zum großen Teil ganz normale Menschen,
    die Sie nun ganz locker mal enteignen wollen.

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  • Schlagworte DDR | Euro | Euro-Krise | Euro-Zone | Fiskalunion | Geldpolitik
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