Geldpolitik : Die Fed steckt in der Sackgasse

Amerikas Notenbank hat sich verpflichtet, die Zinsen niedrig zu halten. Das erweist sich jetzt als gewaltiger Fehler.
Der Sitz der Fed in Washington © Karen Bleier/AFP/Getty Images

Seit mehr als vier Jahren verfolgt Amerikas Notenbank Fed eine extrem expansiv ausgerichtete Geldpolitik: Der Leitzins liegt nahe null, die Fed kauft zusätzlich amerikanische Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere in Milliardenhöhe auf. Erst vor wenigen Wochen hat sich die Notenbank drauf festgelegt, die lockere Geldpolitik auch in Zukunft fortzusetzen. Der Leitzins soll nach dem Willen von Fed-Chef Ben Bernanke solange null betragen, bis die Arbeitslosenquote nicht unter 6,5 Prozent sinkt und sich keine Inflationsgefahren abzeichnen.

Die Strategie zielt darauf ab, die Anleger dazu zu bringen, auch am langen Ende niedrigere Zinsen zu akzeptieren. Damit verknüpft ist die Hoffnung, dass sich die Konjunktur belebt. Die Festlegung auf die Niedrigzinsen aber bringt gleich mehrere Probleme mit sich, die immer offensichtlicher werden: Die Fed macht sich selbst den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik schwer – und das zu einer Zeit, in der sich die Zweifel innerhalb des Offenmarktausschusses mehren, ob die Ausrichtung der Geldpolitik noch angemessen ist.

Ist die Fed noch auf dem richtigen Weg? Darüber wird der Ausschuss der Notenbank Mitte dieser Woche debattieren. Die Antwort auf diese Frage hängt entscheidend davon ab, ob die mäßige wirtschaftliche Entwicklung und die hohe Arbeitslosenquote konjunkturell bedingt sind oder auf strukturelle Probleme zurückzuführen sind. Nur wenn die Arbeitslosigkeit wegen der schwachen Konjunktur hoch ist, kann die Geldpolitik noch zur Lösung des Problems beitragen.

Tatsächlich gehen offizielle Schätzungen von einer starken Unterauslastung der Produktionskapazitäten in den USA aus. Das würde dafür sprechen, die Geldpolitik locker zu lassen. Dennoch sind die Schätzungen mit Vorsicht zu genießen. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass sich das Produktionspotenzial nach Finanz- und Immobilienkrisen stets langfristig verringert und mit einer Erholung so schnell nicht zu rechnen ist. Anders gesagt: Amerikas Wirtschaft dürfte womöglich weniger Wachstumspotenzial haben als angenommen. Auch das Congressional Budget Office hat seine Potenzialschätzungen in den vergangenen zwei Jahren bereits spürbar nach unten revidieren müssen.

Für die These, dass die Konjunktur eine geringere Rolle spielt, spricht noch eine andere Tatsache: Die Inflationsrate befindet sich seit Langem etwa auf dem Niveau von zwei Prozent. Es gibt auch keine Deflationstendenzen, wie es zu erwarten wäre, wenn die Kapazitäten einer Volkswirtschaft nicht ausgelastet sind. Zudem hat die Fed die realwirtschaftliche Wirkung ihrer expansiven Geldpolitik bisher selbst erheblich überschätzt: Ihre Konjunkturprognosen für die vergangenen beiden Jahre waren jeweils deutlich zu optimistisch.

Die Autoren

Nils Jannsen und Maik Wolters forschen am Institut für Weltwirtschaft in Kiel.

Vieles spricht dafür, dass die Geldpolitik kaum noch etwas zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme in den USA beitragen kann. Sie ist vielmehr seit einiger Zeit deutlich zu expansiv ausgerichtet. Dieser Umstand ist mit enormen Risiken für die US-Wirtschaft verbunden: Nicht nur erhöhen sich die Inflationsgefahren. Es kann auch zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Wenn die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben, steigen die Anreize, Investitionen einzugehen, die sonst nicht getätigt worden wären. Anpassungsprozesse werden verzögert oder sogar behindert. Die Anleger werden dazu gedrängt, höhere Risiken einzugehen. Das macht das Finanzsystem unsicherer.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Systembedingt

Es ist schon ein Kunststück, den mächtigsten Staat der Erde in den wirtschaftlichen Ruin zu treiben. Der Dollar beispielsweise federt einen erheblichen Anteil der möglichen Probleme, die eine Volkswirtschaft haben kann, ab, indem die Stabilität praktisch von aussen sicher gestellt wird. Alle Welt hat ein Interesse, dass die eigenen Dollarreserven nicht plötzlich nur noch Papier sind und alle Welt kauft und kauft und kauft Dollars, bis die Notenpresse heiss läuft. Weshalb muss trotzdem jahrelang der Zins auf Null stehen?
Ich kann es mir nur so erklären, dass sich Demokratie systembedingt ständig am Limit befindet. Wenn vor Wahlen nicht bis zum Absurden versprochen wird, verspricht es eben der Gegenkandidat und wird gewählt. Anschliessend wird aufgrund der Wahlversprechen dann zwar weniger, aber trotzdem noch weit über den Verhältnissen konsumiert. Wenn die Notbremse gezogen werden soll ist es dann zu spät.

Die Arbeitslosenquote ist irrelevant

Wichtig ist NIHHT, wie viele Leute beschäftigt sind, sondern wie viel sie verdienen. Das Masseneinkommen. Das beeinflusst nämlich die Realwirtschaft. (Die Annahme, das Arbeit dasselbe ist wie genügend zum Leben zu haben, ist ja in Deutschland glänzend widerlegt worden.)

Und:
Wofür sie ihr Geld ausgeben.

Wenn sie amerikanische Produkte kaufen, wird "das amerikanische Produktionspotenzial" ausgelastet, und wenn es ausgelastet ist, wird wieder investiert. Wenn sie deutsche Autos kaufen, passiert nichts - höchstens in der Papierbrache, wenn davon mehr mit Bildern toter amerikanischer Präsidenten bedruckt wird.

Aber immerhin; Es ist ehrenwert, dass man sich über die Bürger Gedanken macht.

Der Monetarismus ist schon lange zum Ende gekommen. Aber wie bei der Titanic: Der Eisberg ist fort, und die See ist ruhig - alles in Ordnung?