Seit mehr als vier Jahren verfolgt Amerikas Notenbank Fed eine extrem expansiv ausgerichtete Geldpolitik: Der Leitzins liegt nahe null, die Fed kauft zusätzlich amerikanische Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere in Milliardenhöhe auf. Erst vor wenigen Wochen hat sich die Notenbank drauf festgelegt, die lockere Geldpolitik auch in Zukunft fortzusetzen. Der Leitzins soll nach dem Willen von Fed-Chef Ben Bernanke solange null betragen, bis die Arbeitslosenquote nicht unter 6,5 Prozent sinkt und sich keine Inflationsgefahren abzeichnen.

Die Strategie zielt darauf ab, die Anleger dazu zu bringen, auch am langen Ende niedrigere Zinsen zu akzeptieren. Damit verknüpft ist die Hoffnung, dass sich die Konjunktur belebt. Die Festlegung auf die Niedrigzinsen aber bringt gleich mehrere Probleme mit sich, die immer offensichtlicher werden: Die Fed macht sich selbst den Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik schwer – und das zu einer Zeit, in der sich die Zweifel innerhalb des Offenmarktausschusses mehren, ob die Ausrichtung der Geldpolitik noch angemessen ist.

Ist die Fed noch auf dem richtigen Weg? Darüber wird der Ausschuss der Notenbank Mitte dieser Woche debattieren. Die Antwort auf diese Frage hängt entscheidend davon ab, ob die mäßige wirtschaftliche Entwicklung und die hohe Arbeitslosenquote konjunkturell bedingt sind oder auf strukturelle Probleme zurückzuführen sind. Nur wenn die Arbeitslosigkeit wegen der schwachen Konjunktur hoch ist, kann die Geldpolitik noch zur Lösung des Problems beitragen.

Tatsächlich gehen offizielle Schätzungen von einer starken Unterauslastung der Produktionskapazitäten in den USA aus. Das würde dafür sprechen, die Geldpolitik locker zu lassen. Dennoch sind die Schätzungen mit Vorsicht zu genießen. Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass sich das Produktionspotenzial nach Finanz- und Immobilienkrisen stets langfristig verringert und mit einer Erholung so schnell nicht zu rechnen ist. Anders gesagt: Amerikas Wirtschaft dürfte womöglich weniger Wachstumspotenzial haben als angenommen. Auch das Congressional Budget Office hat seine Potenzialschätzungen in den vergangenen zwei Jahren bereits spürbar nach unten revidieren müssen.

Für die These, dass die Konjunktur eine geringere Rolle spielt, spricht noch eine andere Tatsache: Die Inflationsrate befindet sich seit Langem etwa auf dem Niveau von zwei Prozent. Es gibt auch keine Deflationstendenzen, wie es zu erwarten wäre, wenn die Kapazitäten einer Volkswirtschaft nicht ausgelastet sind. Zudem hat die Fed die realwirtschaftliche Wirkung ihrer expansiven Geldpolitik bisher selbst erheblich überschätzt: Ihre Konjunkturprognosen für die vergangenen beiden Jahre waren jeweils deutlich zu optimistisch.

Vieles spricht dafür, dass die Geldpolitik kaum noch etwas zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme in den USA beitragen kann. Sie ist vielmehr seit einiger Zeit deutlich zu expansiv ausgerichtet. Dieser Umstand ist mit enormen Risiken für die US-Wirtschaft verbunden: Nicht nur erhöhen sich die Inflationsgefahren. Es kann auch zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen. Wenn die Zinsen dauerhaft niedrig bleiben, steigen die Anreize, Investitionen einzugehen, die sonst nicht getätigt worden wären. Anpassungsprozesse werden verzögert oder sogar behindert. Die Anleger werden dazu gedrängt, höhere Risiken einzugehen. Das macht das Finanzsystem unsicherer.