Hochhaus versus Mensch

Die Three Ring Road (links) and Jianwai Street (rechts) während der Rush-Hour in Peking im Dezember 2010 | © Jason Lee/Reuters
Die meisten der 1,3 Milliarden Chinesen leben inzwischen an der Ostküste Chinas, in den Metropolregionen rund um Shanghai und Peking. Lange war der Landbevölkerung der Zuzug in die Städte nicht frei möglich, inzwischen sind die Vorschriften gelockert. Der Zuzug setzt die Städte unter Druck, Wohnraum wird knapp. In den Städten und Provinzen werden die letzten dörflichen Strukturen beseitigt, um neuen Hochhäusern und modernen Wohnanlagen Platz zu machen. Der Fotograf Jason Lee hat sich die Verstädterung angesehen.
- Datum 03.04.2013 - 15:40 Uhr
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Ich verstehe Ihre Faszination und spüre durchaus ein wenig davon bei mir selbst. Aber ein Wolkenkratzer muss sich zunächst mal überhaupt lohnen. Die Kosten für planerischen Aufwand, Errichtung und Instandhaltung steigen leider stärker als linear mit der Gebäudehöhe. In Gegenden wo eine derart dichte Bebauung (denn Ausweichen in die Vertikale ist ja im Prinzip nur eine Verdichtung an der Stelle, wo man in der Horizontalen nunmal nichts mehr verdichten kann) sich auch wirklich lohnt, wird zwangsläufig so etwas entstehen (so dem keine Gesetze und Vorschriften entgegenstehen).
In Deutschland ist dieser Punkt praktisch nirgendwo erreicht, und bei der derzeitigen Bevölkerungsentwicklung wird das auch noch längere Zeit so bleiben. Einzig aus Prestige und "wir tun das jetzt, weil wir's halt können" Mentalität einen Wolkenkratzer hinzusetzen, halte ich für fragwürdig. Außerdem muss dann auch das Umfeld stimmen. Ein einzelnes Hochhaus in einer ansonsten eher flachen Stadt wirkt wie ein Krebsgeschwür. Im besten Fall ist ein Wolkenkratzer in ein Ensemble eingebettet, dass die passende Kulisse und Gesamtheit schafft.
Trotz all dem bin ich froh, dass es diesen "sinnlosen" Gigantismus zumindest irgendwo auf der Welt auch gibt. Die Welt wäre irgendwie ärmer, wenn es Gebäude wie z.B. das Burj Khalifa nicht gäbe.
ich habe selbst in China als Architekt und Stadtplaner gearbeitet - die Beispiele hier sind schlimm - das Letzte Bild, die "Siedlung" auf Hainan ist eine Katastrophe. Dass man gerade zu Zeiten von Olympia in Beijing skrupellos vorgegangen ist und - der Olympiapark selbst ist 2012 eine städtebauliche Einöde sondergleichen - das ist sicher unstrittig.
Es gibt aber durchaus bessere Beispiele und Peking versucht derzeit einiges gegen die Landflucht zu steuern und die gewaltige Immobilienblase zudem durch vielfältige binnenwirtschaftliche Maßnahmen abzumildern.
Auch ist mit dem Verschwinden vieler Geschichtszeugen das Bewusstsein für diesen Verlust gewachsen. Man versucht nun mehr das kulturelle Erbe zu schützen.
In dieser Hinsicht sollte man zudem in Deutschland eher schweigen - in den meisten deutschen Städten ist nach dem 2. Weltkrieg mehr Bausubstanz zerstört worden als im Krieg selbst. Und - da musste auch manch durchaus "historisch Wertvolles" - auch häufig, bevor überhaupt ein Gutachten von denkmalpflegerischer Seite ggf. für Schutz des Gebäudes/ der gebauten Struktur erstellt werden konnte dran glauben.
Insofern - die indische Immobilienblase gerade hier in Mumbai ist auch nicht zu verachten - wie immer gibt's hier weitaus weniger verlässliche Daten - alles unter'm Teppich. Und - der Umgang mit Hochhäusern - auch als "vertikale Slums" ist durchaus ein anderer als im Westen/ Norden - sowohl in China als auch in Indien. Die gesamte Raumnutzung ist nicht vergleichbar.
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