Wirtschaftskrise : 120.000 Wissenschaftler aus Griechenland abgewandert

In der Krise haben Hunderttausende Akademiker das Land verlassen. Laut einer Studie der Universität Thessaloniki sind es allein unter Jungwissenschaftlern zehn Prozent.

Mehr als 120.000 griechische Akademiker haben einer Untersuchung zufolge seit Ausbruch der Wirtschaftskrise im Jahr 2010 das Land verlassen. Verfasser der Studie ist Lois Lambrianides, Professor für Wirtschaftsgeographie der Universität Thessaloniki. "Die Zahl der jungen Wissenschaftler, die auswandern, erreicht mittlerweile zehn Prozent des Potenzials des Landes und ist sehr hoch", sagte Lambrianides der Zeitung Ethnos.

Die griechischen Ärzte, Ingenieure, Computer-Experten, Chemiker und andere Wissenschaftler wanderten ab, weil "es kaum noch Unternehmen gibt, die Produkte herstellen oder Dienstleistungen anbieten, für die es spezialisiertes, akademisches Personal" benötige, sagte Lambrianides.

Statistisch gesehen wandere die Mehrzahl der Wissenschaftler in ein anderes europäisches Land aus und arbeite dort in großen Städten im Privatsektor. Die Hälfte dieser Wissenschaftler habe mehrere Diplome von Spitzen-Universitäten der Welt.

Auch insgesamt stieg Abwanderung

Die Zahlen scheinen sich zu bestätigen, wenn sie mit Migrationsdaten aus Deutschland verglichen werden. Mehr als 40 Prozent der Zuwanderer im erwerbsfähigen Alter hatten zuletzt einen Hochschulabschluss, meldete das Statistische Bundesamt kürzlich. Der Anteil der Hochqualifizierten liegt damit höher als in der gesamten deutschen Bevölkerung.

Auch insgesamt stieg die Zuwanderung aus Griechenland nach Deutschland: Im ersten Halbjahr 2012 kamen 78 Prozent mehr Menschen als im ersten Halbjahr 2011. In absoluten Zahlen waren das 6.900 Personen.

Wie auch deutsche Migrationsforscher weist Lambrianides darauf hin, dass die Abwanderung nicht unbedingt nur negative Folgen haben muss. "Sie bilden sich im Ausland weiter, erwerben Fachkenntnisse, praktische Erfahrungen und schließen Kontakte. All das ist wertvoll, wenn sie sich zu einer Rückkehr entschließen sollten", sagt der Forscher. Kurzfristig jedoch könnten die Spezialisten fehlen, wenn in Griechenland die Wirtschaft wieder wächst.

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Kommentare

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eine Rechnung kommt bestimmt demnächst

" Ergebnis des Athener Geheimberichts: Deutschland schuldet Griechenland Reparationen "

"Laut früheren Berechnungen griechischer Organisationen schuldet Deutschland dem Land 108 Milliarden Euro für den Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Infrastruktur und weitere 54 Milliarden Euro für erzwungene Kredite, die Griechenland zwischen 1942 und 1944 an Nazi-Deutschland zahlen musste. Das Geld war von der griechischen Notenbank vergeben worden und diente der Versorgung und Entlohnung der deutschen Besatzungskräfte."

http://www.spiegel.de/wir...

Inklusive Zinsen sind es sicher 1 bis 2 Billionen Euro.
Zu bezahlen von den in Deutschland lebenden Menschen.

Äußerst unpassend I

Entschädigungsforderungen für die Leiden, die unter Nazideutschland der griechischen Bevölkerung während des 2. WK zugefügt wurden, als "Kreativität" abzutun.

"Die Wehrmacht überfiel Griechenland und Jugoslawien am 6. April 1941 ohne vorherige Provokation. Deutsche Soldaten errichteten ein brutales Besatzungsregime. Wie meist im deutsch beherrschten Europa musste das besetzte Land die Kosten der Besetzung tragen; 1942 betrug die verlangte Summe 2,5 Milliarden Reichsmark.

Außerdem wurde die griechische Wirtschaft durch Zwangsexporte ausgeplündert, wofür eigens eine "Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft" gegründet wurde.

Die Folgen dieses Aderlasses waren eine galoppierende Inflation der Drachme und ein radikal sinkender Lebensstandard der Griechen. Zusätzlich zwang das Dritte Reich die griechische Nationalbank, Hitler-Deutschland zinslos Geld zu leihen; die Gesamtsumme dieser unfreiwilligen Anleihe betrug nach einem Bericht des Auswärtigen Amtes vom 12. April 1945 an die Reichsbank 476 Millionen Reichsmark."

http://www.welt.de/politi...

Bitte kehren Sie zum Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/fk.

Äußerst unpassend II

Von 80.000 toten Zivilisten gar nicht zu reden.

Bekanntlich wurden die Reparationszahlungen auf der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 auf die Zeit "nach einem Friedensvertrag" verschoben. Anstelle eines Friedensvertrages wurde 1990 der Zwei-plus-Vier-Vertrag geschlossen, sodaß auch danach keine Reparationen geleistet wurden und auch für die Zukunft nahezu ausgeschlossen sind

Nur den Bemühungen der großen Siegermächte, Deutschland nicht wieder vor große Reparationsforderungen für einen selbstverschuldeten Krieg zu stellen, sind diese Verträge zu verdanken.

Bitte kehren Sie zum Artikelthema zurück. Die Redaktion/fk.

Numerus Clausus

Ich habe in Triest studiert und dort viele Griechen kennengelernt, die im Ausland Pharmazie studierten, weil sie nicht durch die griechischen Numerus Clausus Gesetze wegen der ungenügenden Abi-Note zu einem Studienplatz in der Heimat gekommen waren.
Ich fand sie nett, sehr gut auf die akademischen Anforderungen vorbereitet (= gutes Gymnasium) aber im Umgang mit ihnen war immer das Desinteresse an den lokalen Gegebenheiten (Triest) spürbar. Es ist doch Allgemeinwissen, dass Triest ein Schmelztiegel der Völker ist und dass es sich keineswegs una voce zu Italien bekennt, aber gerade diese Probleme gingen an unsere griechische Kollegen vorbei. Es ging ihnen um eine gute Abschlussnote, die ihnen die Einstellung in einer griechischen Apotheke erleichtern würde.
Als ich nach dem Studium in einer Stuttgarter Apotheke arbeitete, hatte ich eine - ebenfalls sehr nette und kompetente - griechische Kollegin, die mit der Vorstellung liebäugelte, bis zu ihrer Verrentung mit ihrem - ebenfalls griechischen -Mann in Deutschland zu bleiben.
So frage ich mich: Wenn deutsche Firmen griechische Fachleute anwerben, dann was stellen sie sich vor? Geht es um Eintagsfliegen, die D als Zwischenstation betrachten, um nach einigen Jahren in ihre Heimat mit einem guten Lebenslauf zurückzukehren, oder sind es Leute, die sich eine richtige Eingliederung in die deutsche Gesellschaft wünschen?