Die Arbeitsagenturen haben im vergangenen Jahr so viele Sanktionen gegen Langzeitarbeitslose in der Hartz-IV-Grundsicherung verhängt wie nie zuvor. Es gab einen Anstieg um elf Prozent auf über eine Million Strafen, meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA). Im Schnitt kürzten die Jobcenter die Hartz-IV-Leistung dabei um 110 Euro. 

Als Grund für die Zunahme nannte die BA die besonders gute Arbeitsmarktlage, durch die den Hartz-IV-Empfängern mehr Jobangebote gemacht worden seien. Wenn Arbeitslose auf solche Angebote nicht eingehen, müssen sie mit Strafen rechnen. "Wenn wir den Menschen mehr Angebote machen können, nehmen auch die Meldeversäumnisse zu", erklärte Vorstandsmitglied Heinrich Alt.  

Im gesamten Jahr wurden demnach 1,025 Millionen Sanktionen ausgesprochen. Im Jahresdurchschnitt war bei einer Sanktionsquote von 3,4 Prozent etwa jeder 30. mit einer Strafe belegt.

Dies kann bedeuten, dass das Arbeitslosengeld II gekürzt oder völlig gestrichen wird. Die Behörde warnte vor einer vorschnellen Interpretation. "Gemessen an der Gesamtzahl der Leistungsberechtigten haben die Jobcenter nur wenige Menschen sanktioniert", sagte Alt.

Die Zahl der Hartz-IV-Bezieher, die zu einem Termin im Jobcenter nicht erschienen, stieg um rund 106.000 auf 697.000 Fälle. Die Meldeversäumnisse machen rund 70 Prozent aller Sanktionsgründe aus. Die Strafen etwa wegen der Weigerung, eine Arbeit aufzunehmen oder eine Qualifizierung fortzusetzen, gingen um 3.000 auf 137.600 zurück.

Sanktionen seien immer das letzte Mittel, sagte Alt. Die geringe Sanktionsquote zeige, "dass die Spielregeln von der deutlichen Mehrheit der Kunden akzeptiert werden". Es dürfe nicht vergessen werden, dass die Grundsicherung von Steuerzahlern finanziert werde, "also auch von der Kassiererin, dem Dachdecker oder der Altenpflegerin".