Uli Hoeneß (Archivbild) © Michaela Rehle/Reuters

Uli Hoeneß wohnt in einem Sozialbau. So zumindest schätzte der Präsident des FC Bayern noch im vergangenen Herbst seine Villa am bayrischen Tegernsee ein – diese sei doch recht mickrig im Vergleich zum Wohnsitz des Linken-Politikers Oskar Lafontaine. Überhaupt: Deutschland gehe es im internationalen Vergleich mehr als gut. Seine Bürger lebten gewissermaßen im Paradies.

Hoeneßredete oft so. Was er verschwieg: Paradiesisch lebte es sich bisweilen in Deutschland auch als reicher Bürger, der ungern Steuern zahlt. Das gilt vor allem für den Freistaat Bayern. Seit Jahrzehnten steht die Landesregierung im Verdacht, die Steuerprüfer besonders selten auszusenden, um Unternehmen und reiche Privatleute zu begünstigen. Die bayrische Steuerverwaltung sei "massiv unterbesetzt", schimpft seit Jahren die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im bayrischen Landtag, Claudia Stamm. Ein Vorwurf, den der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zurückweist.

Tatsächlich stützt die Statistik den Verdacht, die bayrische Landesregierung schone vermögende Bürger. In keinem anderen Bundesland gab es zuletzt so wenige Steuerprüfungen wie im Freistaat. Im Jahr 2011 – neuere Zahlen gibt es nicht – waren es 29 Prüfungen auf 100.000 Steuerpflichtige (siehe Grafik). Auch, wenn es darum geht, wie viele Prüfungen jeder Beamte unternimmt, liegt Bayern auf dem letzten Platz. Jeder Mitarbeiter schafft demnach im Durchschnitt sechs Steuerprüfungen pro Jahr. In Rheinland-Pfalz sind es 21, mehr als dreimal so viele.

Eine Rechtfertigung der bayrischen Landesregierung lautet, die Prüfer gingen besonders genau vor. Viele Prüfungen seien aufwändig. Tatsächlich erwirtschaftete zuletzt jeder Steuerfahnder knapp 1,2 Millionen Euro Mehreinnahmen. Pro Steuerfahndung waren es im Durchschnitt 200.000 Euro – mehr als in jedem anderen Bundesland (siehe Grafik). Allerdings kann das auch bedeuten, dass im Freistaat viel Kapital vorhanden ist – und dass Steuerprüfungen mehr Geld einspielen als anderswo.

Die grüne Opposition fordert deshalb schon länger mehr Steuerfahnder. "Mehr als 3.000 Stellen fehlen, zudem sind 1.900 Stellen unbesetzt", sagt die Grünen-Politikerin Stamm. Sie erzählt, dass ihr von schwarz-gelber Seite informell bestätigt worden sei, dass die lasche Prüfpolitik ein Bestandteil der Wirtschaftsförderung sei. Es gehe eben darum, das Kapital ins Land zu locken.

Die Statistik der Steuerfahndung erscheint nach dem Fall Hoeneß in einem neuen Licht. Zugespielt wurde sie der ZEIT bereits vor rund einem Jahr. Da nur die kumulierten Zahlen für ein Jahr vorliegen, ist es schwierig, eventuelle Ausreißer nach oben zu erkennen – also besonders große Funde. Einige Bundesländer und das Bundesfinanzministerium weigern sich, die Statistiken im Detail zu veröffentlichen. Mit diesen Daten könnte man schließlich einen langfristigen Vergleich anstellen, der zeigt, wie konsequent die Steuerfahnder zur Sache gehen.