Fall HoeneßAuf dem reichen Auge blind

Die Statistik zeigt: Bayern fahndet seltener nach Steuersündern als andere Länder. Paktiert die Landesregierung mit den Reichen? Von Christina Kyriasoglou von Christina Kyriasoglou

Uli Hoeneß (Archivbild)

Uli Hoeneß (Archivbild)  |  © Michaela Rehle/Reuters

Uli Hoeneß wohnt in einem Sozialbau. So zumindest schätzte der Präsident des FC Bayern noch im vergangenen Herbst seine Villa am bayrischen Tegernsee ein – diese sei doch recht mickrig im Vergleich zum Wohnsitz des Linken-Politikers Oskar Lafontaine. Überhaupt: Deutschland gehe es im internationalen Vergleich mehr als gut. Seine Bürger lebten gewissermaßen im Paradies.

Hoeneßredete oft so. Was er verschwieg: Paradiesisch lebte es sich bisweilen in Deutschland auch als reicher Bürger, der ungern Steuern zahlt. Das gilt vor allem für den Freistaat Bayern. Seit Jahrzehnten steht die Landesregierung im Verdacht, die Steuerprüfer besonders selten auszusenden, um Unternehmen und reiche Privatleute zu begünstigen. Die bayrische Steuerverwaltung sei "massiv unterbesetzt", schimpft seit Jahren die haushaltspolitische Sprecherin der Grünen im bayrischen Landtag, Claudia Stamm. Ein Vorwurf, den der bayrische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zurückweist.

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Tatsächlich stützt die Statistik den Verdacht, die bayrische Landesregierung schone vermögende Bürger. In keinem anderen Bundesland gab es zuletzt so wenige Steuerprüfungen wie im Freistaat. Im Jahr 2011 – neuere Zahlen gibt es nicht – waren es 29 Prüfungen auf 100.000 Steuerpflichtige (siehe Grafik). Auch, wenn es darum geht, wie viele Prüfungen jeder Beamte unternimmt, liegt Bayern auf dem letzten Platz. Jeder Mitarbeiter schafft demnach im Durchschnitt sechs Steuerprüfungen pro Jahr. In Rheinland-Pfalz sind es 21, mehr als dreimal so viele.

Eine Rechtfertigung der bayrischen Landesregierung lautet, die Prüfer gingen besonders genau vor. Viele Prüfungen seien aufwändig. Tatsächlich erwirtschaftete zuletzt jeder Steuerfahnder knapp 1,2 Millionen Euro Mehreinnahmen. Pro Steuerfahndung waren es im Durchschnitt 200.000 Euro – mehr als in jedem anderen Bundesland (siehe Grafik). Allerdings kann das auch bedeuten, dass im Freistaat viel Kapital vorhanden ist – und dass Steuerprüfungen mehr Geld einspielen als anderswo.

Die grüne Opposition fordert deshalb schon länger mehr Steuerfahnder. "Mehr als 3.000 Stellen fehlen, zudem sind 1.900 Stellen unbesetzt", sagt die Grünen-Politikerin Stamm. Sie erzählt, dass ihr von schwarz-gelber Seite informell bestätigt worden sei, dass die lasche Prüfpolitik ein Bestandteil der Wirtschaftsförderung sei. Es gehe eben darum, das Kapital ins Land zu locken.

Die Statistik der Steuerfahndung erscheint nach dem Fall Hoeneß in einem neuen Licht. Zugespielt wurde sie der ZEIT bereits vor rund einem Jahr. Da nur die kumulierten Zahlen für ein Jahr vorliegen, ist es schwierig, eventuelle Ausreißer nach oben zu erkennen – also besonders große Funde. Einige Bundesländer und das Bundesfinanzministerium weigern sich, die Statistiken im Detail zu veröffentlichen. Mit diesen Daten könnte man schließlich einen langfristigen Vergleich anstellen, der zeigt, wie konsequent die Steuerfahnder zur Sache gehen.

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Leserkommentare
  1. besonders wenn man sich die ganzen Häuslabauer anschaut jeder kennt jeden und in Minga ko ma scho gut Geld verdienen Imobilien.

    Spaß beiseite wieso sollen den Reiche nicht Politikern helfen ein Auge zu zudrücken.

    Leben wir nicht in einer "eine Hand wäscht die andere" Gesselschaft...

    Jeder 2te versucht am Fiskus vorbei zu dirigieren nicht nur in Bayern.

    Di da oba kriegen genuch

    2 Leserempfehlungen
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    http://www.welt.de/debatt...

    lesen SIe sich mal den Artikel durch.
    Die Zeit macht halt einfach Wahlkampf für die Opposition. DAS wird man mal so sagen dürfen und wird in dem Artikel auch bestätigt.
    Es wird alles dafür getan die Reichen und Eliten eben zu kriminalisieren , um sie noch mehr gegen die aufzuhetzen.
    Man sieht es zBsp in KOmmentar 1....die da oben...wir da unten.
    So ein Schmarn.
    Es ist eigentlich zu tragisch, dass dieses Volk auf den Unsinn reinfällt- und zwar nur aus Neid.
    Schnell sind die Staatsverliebten dabei dieses niedere Gefühl als BEweggrund abzustreiten..das wäre ja zu wenig bildungsbürgerlich.
    Aber darum gehts..Anfeindung gegen Reiche, Erben etc..
    Als wären alle kriminell..einfach amüsant

  2. 2. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/jk

  3. Mit wem spricht er ueber Geldanlagen - was machen die? Alle sauber?

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    • ribera
    • 22. April 2013 19:51 Uhr

    Mit wem Hoeneß über Geldanlagen, etc spricht, ist eine interessante Frage.
    Ich nenne da mal einen Namen:
    "Der wegen Steuerhinterziehung in das Blickfeld der Staatsanwaltschaft geratene Uli Hoeneß war in der Amtszeit von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dessen Berater. ...So kam Steinbrück mit seiner kleinen Prominenten-Beraterrunde, darunter unter anderem Hoeneß und beispielsweise auch Margot Käßmann, mindestens zwei Mal jährlich zusammen. Das erste Treffen fand am 20. Dezember 2006 statt. In die Zeit dieser Promi-Beratung fiel unter anderem das sich später als eher untauglich erwiesene Steuerhinterziehungsbekämpfungsgesetz.....

    Der Vorsitzende der Linkspartei, Bernd Riexinger, sagte jetzt zu der früheren Berater-Tätigkeit von Hoeneß gegenüber der LVZ: „Auch Herr Steinbrück hat jetzt einige Fragen zu beantworten.“ Die seinerzeit fertig gestellte Steuerhinterziehungsbekämpfungsverordnung „hat so viele Schlupflöcher wie ein Schweizer Käse gelassen“, erinnerte Riexinger...."

    http://www.lvz-online.de/...
    „Für das Schlupfloch, in dem Hoeneß Millionen versteckt hat, trägt Steinbrück die politische Verantwortung. Und die Frage ist, wer da wen beraten hat.“ Steinbrück habe „Steuerbetrüger ins Penthouse eingeladen, wir wollen, dass Steuerflüchtlinge vor Gericht landen“. Das ist der ganz große Unterschied.

    • Narses
    • 22. April 2013 17:42 Uhr

    Es ist nun mal das Land der "Spezln" und "Amigos", die Frage ist also schon berechtigt, oder ???

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    • hairy
    • 22. April 2013 23:15 Uhr

    nix Amigos und Spezies, denn: Auf der Alm, doa gibts koa Sünd. ;)

    Wer was anderes sagt, muss wohl links sein.

    • tb
    • 22. April 2013 17:43 Uhr

    Ich weiss, das ist jetzt gemein:
    Aber sitzt nicht auch der größte Anteilseigner der Zeit in München?
    Wäre es nicht mal ein mutiger Akt, wenn die Zeit hier aus eigener Erfahrung über die Erfahrungen mit den bayrischen Finanzbehörden berichten würde?
    Angefangen mit der Häufigkeit der Steuerprüfungen, Ergebnisse, Folgerungen?

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    Da gibt es einen Artikel in der zeit:

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    • tb
    • 22. April 2013 21:00 Uhr

    Zeitgesellschafter Holtzbrinck musste auch 200000 Euro Steuern nachzahlen, nachdem er geprüft wurde.

    Oder die Holtzbrinck Gruppe wurde bisher noch nicht geprüft?

  4. dass wenn die Steuerprüfung in Bayern fündig wird, sie tendenziell dickere Fische an den Haken bekommt: 200.000,- € Steuerschuld sind ca. 500.000,- € unversteuertes Einkommen aus Arbeit oder Zinseinkünfte von einer runden Million. Also trifft's doch nicht die ganz Armen...

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    Häufigere Prüfungen würden wahrscheinlich noch häufiger das Image der deutschen bayrischen Leistungsträger beeinträchtigen. Wer will denn das? Und was soll der Pöbel sich dabei wieder denken. Nachher will der auch noch mehr Netto vom Brutto. Statt froh zu sein, dass er überhaupt arbeiten darf.
    Ist schon gut so. Wäre ja sonst nicht unsere Bundesrepublik.

    • Wescha
    • 22. April 2013 17:49 Uhr

    Natürlich. Aber nicht nur für die jetzige Steuerhinterziehung, sondern vor allem für sein Engagement für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die sich für einen Umbau des Sozialstaats nach neoliberalem Vorbild einsetzt. Für diese Gruppe war Hoeneß auch schon als Botschafter unterwegs und vertrat deren Meinung sogar in Talkshows. Hoeneß mag privat ein sozial engagierter Mensch sein, wenn auch nur für Menschen aus seinem Kreis, Sebastian Deisler, Gerd Müller und Konsorten denen er nachweislich geholfen hat. Wenn die reicheren Teile der Gesellschaft sich ihrer Verantwortung entziehen kommen wir zu einer Gutsherrenmentalität wie im Frühkapitalismus. Als der "Herr Direktor" seinen Arbeitern auch mal was spendierte.

    30 Leserempfehlungen
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    ...denn es bestätigt sich der Eindruck, dass unter Konservativen die Möglichkeit, sein sauer verdientes Geld am Gemeinwohl vorbei zu schaffen, eher mal augenzwinkernd als Kavaliersdelikt gesehen wird. Schließlich schön blöd, wer dem vermeintlich gierigen und verschwenderischen Staat das Geld auch noch in den Rachen wirft. Erfolgsverwöhnt wird da schnell mal das Recht und die Moral in die eigene Hand genommen und sich das eine oder andere Schlupfloch gesucht.
    Rückhalt finden diese Kriminellen oft auch noch dadurch, dass in der Bevölkerung zu oft noch Verständnis oder gar heimliche Bewunderung für die vermeintliche "Cleverness" existiert.
    Dabei bleibt es ganz profan kriminelle Steuerhinterziehung, die zur Folge hat, dass sich asozial auf Kosten der Allgemeinheit bereichert wird. Jegliche Beschönigung oder Relativierung ist da absolut fehl am Platz.

    <<< Gehört Uli Hoeneß an den Pranger ? Natürlich. Aber nicht nur für die jetzige Steuerhinterziehung, sondern vor allem für sein Engagement für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ... <<<

    Hoeneß hat sein Vermögen v.a. durch das fabrikmäßig betriebene Quälen und Töten von Lebewesen zu Genusszwecken erwirtschaftet.
    Wer Tiere nur unter betriebswirtschaftlichen Aspekten betrachtet, wird dies bei Menschen nicht viel anders halten.
    Seinen Einsatz für die INSM finden ich daher nur konsequent.

  5. Amigos

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