IG-Metall-Vize Wetzel"Wir sind bereit für den Konflikt"

Der deutschen Wirtschaft geht es gut, sagt IG-Metall-Vize Wetzel im Interview. Auch deshalb will die Gewerkschaft in der Metall- und Elektrobranche 5,5 Prozent mehr Lohn. von Alfons Frese

Frage: Herr Wetzel, gibt es eigentlich einen Tarifkonflikt in diesem Jahr?

Detlef Wetzel: Natürlich.

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Frage: Die Truppen der IG Metall machen eher einen lustlosen Eindruck.

Wetzel: Wir sind überhaupt nicht lustlos, sondern hatten eine intensive Diskussion über die Forderungshöhe. Das nun von den Arbeitgebern vorgelegte Angebot ist für uns indiskutabel. Verantwortungsvolle Tarifpolitik sieht anders aus. Das Angebot stellt gerade mal 1,9 Prozent effektive Erhöhung bei einer Laufzeit von 13 Monaten dar. Das ist kein Lösungsvorschlag, sondern fordert den Konflikt heraus. Wir sind bereit für diesen Konflikt.

Frage: Eine rasche Einigung sollte möglich sein, es geht diesmal nur um Geld.

Wetzel: Ja, aber das ist das Beste, was wir haben. Und da ’ranzukommen, ist bekanntlich nicht so einfach. Wir haben in dieser Tarifrunde nicht nur die Frage der Höhe des Abschlusses zu klären, sondern auch die Laufzeit des neuen Vertrags. Das bietet alles genügend Konfliktstoff. Das ständig im Vorfeld der Tarifrunde von den Arbeitgebern eingebrachte Thema der weiteren Flexibilisierung hat sich mit dem Angebot hoffentlich erledigt.

Detlef Wetzel

Der 60-jährige ist seit 2007 zweiter Vorsitzender der IG Metall. Der Siegerländer hat gemeinsam mit Berthold Huber die Gewerkschaft auf Mitgliederzuwachs, Betriebspolitik und Partizipation getrimmt. Im kommenden Herbst soll Wetzel Huber an der Spitze der größten deutschen Gewerkschaft ablösen.

Der Tarifkonflikt 2013

Für die 3,7 Millionen Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall 5,5 Prozent mehr Geld, die Arbeitgeber bieten bislang 2,3 Prozent nach zwei Nullmonaten. Ende April endet die Friedenspflicht. Dann wird es Warnstreiks geben. Bis Pfingsten wollen beide Seiten einen Abschluss erreichen.

Frage: Den Metall- und Elektrofirmen geht es in der gesamten Breite nicht gut, das wird die IG Metall berücksichtigen müssen.

Wetzel:Die wirtschaftliche Lage ist sehr unterschiedlich, aber das kommt ja auch bei unserer Forderung von 5,5 Prozent zum Ausdruck. Die 5,5 Prozent sind der Mittelwert zwischen den gut und den weniger gut verdienenden Firmen.

Frage: Nach der gewerkschaftlichen Rechenlogik sollten am Ende drei Prozent stehen: Die Inflationsrate wird 2013 deutlich unter zwei Prozent liegen, die gesamtwirtschaftliche Produktivität steigt um rund ein Prozent. Macht in der Summe drei Prozent.

Wetzel: Ein Lohnplus zwischen 3,0 und 3,5 Prozent ist allein durch den Verteilungsspielraum begründet. Das schließt nicht aus, dass das Plus höher ausfällt.

Frage: Was ist mit den Krisenbranchen und Unternehmen wie Opel, die solche Erhöhungen nicht zahlen können?

Wetzel: Wir haben für diese Fälle über das Pforzheimer Abkommen vielfältige Abweichungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden. Andere Abweichungsmöglichkeiten vom Tarif, zum Beispiel eine spätere Erhöhung oder eine geringere Sonderzahlung, wurden in der Vergangenheit kaum genutzt: 85 Prozent der Unternehmen hat das nicht interessiert, gut sieben Prozent sind nach oben und weitere sieben Prozent nach unten abgewichen. Das Instrument wird überschätzt und in der Propaganda von Gesamtmetall überhöht.

Frage: Trotzdem hat sich die IG Metall in der Vergangenheit darauf eingelassen.

Wetzel: Durch diese Art der Flexibilisierung steigt der Druck auf die Betriebsräte enorm. Abweichungen auf der betrieblichen Ebene dürfen deshalb künftig nicht ohne die Beteiligung der IG Metall erfolgen. Wenn Gesamtmetall über Flexibilisierung nachdenkt, dann müssen sie gleichzeitig darüber nachdenken, wie die Tarifparteien einbezogen werden. Für uns ist das ein zentraler Punkt.

Frage: Wie ist die Stimmung an der Basis? Haben die Belegschaften Angst, dass die Wirtschaftskrise in ihrem Betrieb ankommt?

Leserkommentare
  1. die Lohn-Preisspirale befeuert, zu Lasten derer, die seit Jahren nicht mehr bekommen, wie Rentner(West) oder Arbeitslose, die statt von Harz-4 von ihrer Herkunftsfamilie Unterhalt bekommen, der aber seit über einer Dekade nicht gesteigert wurde (s.o.)
    Was machen z.B. Autofirmen und ihre Vertragspartner, um diese Luxuspakete bezahlen zu können ?
    In einem VAG Betrieb kann man keinen separaten Ölwechsel mehr machen
    lassen. Man muß ein Ölwechselpaket zum fsat 10 fachen Preis des Materialwertes des Markenöles (bei Bezug über das Internet 6 € pro Liter
    => ~ 24 Euro für 4 Liter Ölfüllung ) kaufen, wo dann noch banale Dienstleistungen, wie in den Kofferraum nach bestimmtem Sicherheitszubehör schauen, das auch gar nichts mit dem Motor zu tun hat, zwangsweise dabei sind.
    Kürzlich war ich beim Zahnarzt, es mußten 3 Zähne geflickt werden, weil ich länger nicht da war. Einer davon bis auf die Wurzel runter (aber ohne Wurzelbehandlung). Kosten: 151 Euro. Der Mann hat ´ne kleine Praxis mit nur zwei Helferinnen, eine am Tresen und eine am Stuhl, da zahle ich nicht viel Overheadkosten und bekomme nur das, was ich auch brauche.

    Eine Leserempfehlung

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