NotenbankJapan lockert seine Geldpolitik radikal

Um die Deflation zu stoppen, bringt die japanische Zentralbank mehr Geld auf den Markt. Kritiker bezweifeln, dass das Japans Wirtschaft aus der Krise hilft.

Der Hauptsitz der Bank of Japan in Tokio (Archivbild)

Der Hauptsitz der Bank of Japan in Tokio (Archivbild)  |  © Toru Hanai/Reuters

Die japanische Notenbank hat unter ihrem neuen Chef Haruhiko Kuroda die Geldpolitik deutlich gelockert. Dazu wird der Aufkauf von Staatsanleihen ausgeweitet, wie die Bank am Donnerstag nach zweitägiger Sitzung mitteilte. "Die Bank von Japan wird geldpolitische Operationen so durchführen, dass die Geldbasis jährlich um 60 bis 70 Billionen Yen (495 bis 577 Milliarden Euro) steigt", hieß es.

Die Notenbank orientiert ihre Politik an einem anderen Zinssatz als bislang und zieht dazu den unbefristeten Ankauf von Wertpapieren vor. Außerdem will sie japanische Anleihen mit Laufzeiten von bis zu 40 Jahren kaufen. Mehrere Ankaufprogramme wurden zusammengefasst. Jährlich sollen die Bestände an Staatsanleihen um 50 Billionen Yen (412 Milliarden Euro) steigen. Zudem wollen die Notenbanker ihr Portfolio an börsennotierten Fonds verdoppeln. Den Leitzins ließ die Bank unverändert.

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Zentralbankchef Kuroda deutete weitere Schritte an: Falls nötig, werde er die Geldpolitik weiter anpassen, sagte er. Japans Ministerpräsident Shinzo Abe hat seit seinem Amtsantritt Ende 2012 den Druck auf die Notenbank erhöht, die Geldpolitik zu lockern. Erwartungsgemäß stießen die Entscheidungen der Bank nun auf Zustimmung in der Regierung: Sie seien höchst anerkennenswert, sagte Wirtschaftsminister Akira Amari.

Die Tokioter Börse profitierte von dem Kurswechsel und verbuchte deutliche Gewinne. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte notierte zum Handelsschluss einen Gewinn von 2,2 Prozent, der Topix stieg um 2,7 Prozent auf 1.037,76 Punkte.

Gelddrucken beendet nicht die Krise

Die Renditen japanischer Staatsanleihen sanken auf das niedrigste Niveau seit zehn Jahren. Der Yen sank um mehr als ein Prozent. "Es sieht aus wie ein Experiment, aber ich denke, das ist in Ordnung, weil es viele wirtschaftliche Ideen gibt, die man nicht im Vorfeld testen kann", sagte ein Volkswirt. Es sei aber fraglich, ob die Geldpolitik ausreiche, um die japanische Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen.

Japan leidet seit Jahren unter einer Deflation, also einer Abwärtstendenz aus fallenden Preisen und einer sinkenden Nachfrage. Die Notenbank will nun gegensteuern und hat sich ein Inflationsziel von zwei Prozent gesetzt, das sie innerhalb von zwei Jahren erreichen will. Vielen Experten erscheint das aber zu ambitioniert. Sie kritisieren zudem, dass das Drucken von neuem Geld die japanische Wirtschaft nicht aus der Krise führt. Schon im März erreichte die japanische Geldbasis – also Bargeld und Reserven bei der Notenbank – ein Rekordhoch, ohne dass dies die Deflation stoppte.

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Leserkommentare
  1. Dieser Artikel verknüpft Meinung und Tickermeldung in sehr kruder Weise.
    Natürlich ist die japanische Strategie diskussionswürdig, aber dann sollte man namentlich genannt mehrere Meinungen präsentieren.

    So entsteht doch arg der Eindruck, dass "ein Volkswirt" der zuständige Redakteur im Selbstgespräch ist.

    So hat das ein Niveau von "BMW bringt neues Modell heraus. "Mercedes ist besser", sagte ein Autofachmann.

  2. Wenn die Länder in Staatsanleihen investieren , und Japan wird nicht das einzige Land bleiben, wird der Effekt , wenn der Finanzgau eintritt, natürlich auch größer. Also der Effekt eines totalen Zusammenbruchs aller Währungen.

    Denn, die Welt ist ja nach dem Geschmäckle der Profiteure und Globalisierungs-Wohlsager global vernetzt, Japan, Europa, Usa, China, wenn ein Land bzw. Zone umfällt, fallen alle um.,

    Na dann viel Spaß! Es geht mit rasanten Tempo in den Finanzgau. Keiner sieht es, keiner merkt es, ich ahne es. Aber ich glaube da bin ich auch ein einsamer Rufer.
    Und mir ist das auch gleich, weil dieses Finanzsystem der Eliten und Superreichen, ist eh nur für diese und keinen anderen. Wir alle leiden nur noch unter Kostendruck und Zinsdruck. Rente mit 103 Jahren. Einmal den Resetknopf durchs Schicksal drücken lassen, gell?

  3. Vermutlich steht hinter der Nachfrageschwäche nicht ein zu geringes Einkommen oder zu wenig Geld. Die japanische Bevölkerung schrumpft. Zugleich wurden die Japaner immer reicher. Zwar ist das reale BIP pro Kopf seit 2007 rückläufig (Finanzkrise plus Tsunami), aber zuvor über eine sehr lange Zeit recht deutlich gestiegen. (http://www.google.com/pub...)

    Der reale Prokopfkonsums wächst weiterhin, wenn auch zunehmend geringer. (http://www.google.com/pub...) Möglicherweise bietet das japanische Konsumgüterangebot zu wenig Konsumanreize, um die Nachfrage nach heimischen Gütern stärker steigen zu lassen.

    Hinzu kommt ein Rückgang des Leistungsbilanzüberschusses ab 2007. (http://www.google.com/pub...) Dieser deutet auf einen Verlust an Wettbewerbsfähigkeit, der sich immer auch auf dem heimischen Markt zu Lasten der heimischen Produktion auswirkt. Wobei der Einbruch in 2011 sicher auch auf den Tsunami zurückzuführen ist.

  4. Und schon ist das Versprechen bei G20 keinen Valutakrieg zu riskieren, vergessen.

  5. dann liegt es vielleicht an mangelnder Kaufkraft, die man durch Lohnsteigerungen, mehr Sozialleistungen oder dergleichen Anreize vielleicht steigern kann. Vielleicht liegt es aber auch an einer gewissen Marktsättigung, demographischem Wandel, Wertewandel oder woran auch immer. Die Experimente mit weit geöffneten Geldschleusen haben in den USA oder Europa in der letzten Zeit immer nur für kurzfristige Kursfeuerwerke an den Börsen gesorgt. Man könnte auch sagen, sie haben den Zocker-Zirkus beflügelt, der inzwischen die gesamte Welt zu seiner Geisel gemacht hat.
    Es wird Zeit für neue Ideen in der Wirtschaft, vieleicht ein bischen weg vom Finanzmarktcasino und hin zu realwirtschaftlichen Leistungen?

  6. Als wenn´s so einfach wäre: Gelddrucken und schon springt die Wirtschaft an ?!Japan´s Notenbank kauft die Anleihen auf,weil sich sonst kein Käufer findet,so sieht´s aus!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, ff
  • Schlagworte Anleihe | Bank | Deflation | Euro | Fonds | Geldpolitik
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