Konjunkturhilfe : Japans Bazooka

Japans Notenbank will Milliarden in den Markt pumpen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Ob die aggressive Geldpolitik wirkt, ist völlig unklar.
Japans Notenbankchef Haruhiko Kuroda © Toshifumi Kitamura/AFP/Getty Images

Als Japans neuer Notenbankchef Haruhiko Kuroda vergangene Woche vor das Parlament trat, machte er ein großes Versprechen: In zwei Jahren wolle die Notenbank das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht haben. Seit fast 15 Jahren hat Japan mit Deflation zu kämpfen – mit allen fatalen Folgen: In der Erwartung, dass die Preise fallen, verschieben Konsumenten und Unternehmen Investitionen. Es könnte ja noch günstiger werden. Die Deflation ist eines der größten wirtschaftspolitischen Probleme Japans.

Jetzt ist Kuroda aktiv geworden. Am Mittwoch kündigte er eine "neue Phase der Geldpolitik" an, sowohl "in quantitativer als auch qualitativer Hinsicht". Die BOJ wird monatlich für zusätzlich sieben Billionen Yen, also rund 58 Milliarden Euro, japanische Staatsanleihen kaufen – die japanische Bazooka. Auch in riskantere Wertpapiere wie Aktien oder börsengehandelte Fonds soll investiert werden. Das Kalkül: Wenn die Bank of Japan (BOJ) nur genügend Geld in die Wirtschaft pumpt, steigen die Preise und die Wirtschaft nimmt an Fahrt auf.

Sogar die sogenannte Banknotenregel hat Kuroda temporär außer Kraft gesetzt. Sie untersagt der Notenbank seit 2001, mehr Staatsanleihen zu halten als Banknoten im Umlauf sind, um als Notenbank nicht in den Verdacht der Staatsschuldenfinanzierung zu kommen. Außerdem soll die Geldbasis bis Ende 2014 so gut wie verdoppelt werden, von 138 Billionen Yen Ende 2012 auf 270 Billionen bis Ende nächsten Jahres. Japans ohnehin schon lockere Geldpolitik, deren Leitzins seit Jahren auf 0,1 Prozent verharrt, wird also künftig noch lockerer. Widerstand im Zentralbankrat gab es kaum.

Die Börse reagierte prompt

Die Erwartungen der meisten Beobachter hat Kuroda damit sogar übertroffen. Die Märkte reagierten sofort. Der Yen, der schon seit Wochen massiv an Wert verloren hat, ließ auch am Mittwoch wieder nach. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte kletterte sogar kurzfristig über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten.

Aber ob die Schritte der japanischen Wirtschaft nachhaltig helfen, ist ungewiss. Premierminister Abe hat im vergangenen Herbst im Wahlkampf versprochen, mithilfe einer lockeren Geld- und Fiskalpolitik sowie strukturellen Reformen eine "Wiederbelebung" des Landes zu erreichen. Dabei ist Japan schon jetzt höher verschuldet als jedes andere Industrieland. Der Notenbankchef warnte bereits, dass Japans Schuldenlage ein Ausmaß angenommen habe, das eine "sehr negative Auswirkung" auf die Wirtschaft haben könnte.

Hartnäckige Deflation

Die jüngsten Ankündigungen der Regierung zeigen daher kaum Wirkung. Zwar hat sich das Geschäftsklima zuletzt positiv entwickelt. Doch die Deflation ist hartnäckig: Auch im Februar ist das Preisniveau wieder gefallen. Und Japan steckt weiterhin in der Rezession.

Fatal wäre daher ein Scheitern der riskanten Strategie. Wenn es nicht gelingt, die Deflation zu überwinden, könnte der Wert des Yen aufgrund enttäuschter Erwartungen auch wieder an Wert gewinnen. Darunter würden Japans Exporte leiden. Die expansive Geldpolitik ist keineswegs eine Garantie dafür, dass die Preise tatsächlich anziehen.

Selbst Regierungsvertreter sind nur verhalten optimistisch: Sowohl Premier Abe als auch sein Finanzminister Taro Aso deuteten bereits an, dass es noch länger als zwei Jahre dauern könnte, das Inflationsziel von zwei Prozent zu erreichen.

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Kommentare

15 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Deutschland betreibt genau das Gegenteil.
Nämlich eine restriktive Geldpolitik. Die Rettungsschirme sind nur da zu da um den Status quo zu halten.
Siehe Budget und Staatsfinanzierung.
Das Problem bei Wirtschafts und Fiskalpolitik sind die nicht vorherzusehenden Folgen. Es kann alles passieren. Statistische Daten geben lediglich einen Trend wider.
Vllt wird diese extrem expansive Geldpolitik die gewünschten Erfolge bringen. Wer weiß?