Offshore-LeaksWie der Steuer-Datenschatz gehoben wurde

Für die Enthüllungen über Steueroasen mussten Millionen Dokumente nach Hinweisen durchsucht werden. Den Schlüssel dazu lieferte eine spezielle Analyse-Software.

Die Geschichte der Enthüllung beginnt mit einer Festplatte, die vor über einem Jahr in einem Washingtoner Büro per Post eingeht. Es sind die Räume des Internationalen Konsortiums für investigative Journalisten (ICIJ), einem nicht-staatlichen Zusammenschluss von Reportern aus Dutzenden Ländern. ICIJ-Direktor Gerard Ryle nimmt sich der Sache an.

Auf der Festplatte sind mehrere Datensätze gespeichert: 260 Gigabyte voller PDFs und Texten, Tabellen, Webdateien, 2,5 Millionen Dokumenten. Die Daten deuten hin auf ein gewaltiges Netz an geheimen Geschäften in Steueroasen, welche internationale Medien nun offenlegen. Bis es zu der Enthüllung kommen konnte, war eine Menge Arbeit notwendig.

Anzeige

"Die zentrale Herausforderung war das große Volumen an Informationen zu analysieren", schreiben die Journalisten auf ihre Website. Eine solche Menge an Datenmaterial habe man nicht einfach so durchblättern können. Die Journalisten machten sich auf die Suche nach einer Software, die ihnen behilflich sein würde, das relevante Material ausfindig zu machen.

Datenmengen indizieren und anschaulich aufbereiten

Der Datenjournalist Sebastian Mondial wurde im Februar 2012 als Experte für die Analyse großer Datenmengen eingeladen, an dem Enthüllungsprojekt mitzuwirken. "Das erste halbe Jahr des Projekts stand ganz im Zeichen der Frage, wie wir die Daten aufbereiten", sagt Mondial. Dafür setzte der Experte die spezielle Analyse-Software Nuix ein.

Nuix wird für kriminaltechnische Untersuchungen aller Art verwendet, auch die Analyse von Datenbeständen. Mithilfe der Software können große Datenmengen sehr schnell indiziert und anschaulich aufbereitet werden. So kann man damit analysieren, wer mit wem über welchen Zeitraum hinweg E-Mails ausgetauscht hat. Da die ICIJ-Aktivisten auch die Daten von Mail-Servern hatten, konnten sie selbst diejenigen Empfänger erkennen, die im BCC-Feld einer E-Mail eigentlich unsichtbar bleiben sollen.

Insgesamt umfasst die Kommunikation mit über 122.000 Briefkastenfirmen und Vermögens- oder Erbschaftsverwaltungen in Form sogenannter Trusts nach Schätzung Mondials mehr als 10.000 Personen. Die E-Mails reichen zum Teil bis in die 1990er Jahre zurück, sodass mehr als 15 Jahre abgedeckt werden. Während der ersten Prüfung der Daten haben die ICIJ-Experten zunächst geprüft, dass sie nicht einer großen raffinierten Fälschung aufgesessen sind.

Noch längst nicht alle Länder erschlossen

"Die zweite Phase begann dann nach der Entdeckung von zwei Datenbanken, die detaillierte Angaben enthielten, welche Offshore-Firmen mit welchen Personen verknüpft waren", sagt Mondial. "Das war ein Durchbruch."

Allerdings mussten große Teile des bruchhaft vorliegenden Materials wieder hergestellt werden. Die Schwierigkeit bestand auch darin, an die Namen der Personen zu gelangen, die ein Netz an Scheinfirmen aufgebaut haben, um ihre wahre Identität zu verschleiern. Oft habe dieser letzte Name trotz aufwändiger Recherche nicht ausfindig gemacht werden können, erklären die Journalisten.

Die Arbeit an den Daten ist nach den ersten Veröffentlichungen nicht abgeschlossen. "Es sind noch längst nicht alle Länder erschlossen, in denen Personen Geld an die Offshore-Firmen überwiesen haben", sagt Mondial. Mit der Erfahrung und dem Schwung der jetzigen Veröffentlichung sollen die Recherchen nun weiter vorangetrieben werden. Rohdaten aber sollen nicht veröffentlicht werden, sagt Mondial, weil man auch großen Schaden bei unbeteiligten Dritten anrichten könne, die in den Daten genannt seien.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Randnotiz pro SPD an dieser gesamten Geschichte sollte doch locker durch die Aufdeckung der Machenschaften franz. Sozialisten aufgewogen werden, meinen Sie nicht? Man kann es auch übertreiben mit der Paranoia....

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "[...]"
  2. Das ihre sogenannte "Bürgerpflicht" einer der Hauptgründe für die exzessiven Steuererhöhungen ist ist ihnen schon klar oder?
    Ebenso wie der Zerfall unserer Infrastruktur aufgrund der chronischen Unterfinanzierung.
    Denn der Staat hat nun mal bestimmte Ausgaben die erfüllt werden wollen und wenn das durch die vorhandenen Einnahmen nicht möglich ist muss dass eben angepasst werden. Im Zweifelsfall zu Lasten der ehrlichen Steuerzahler
    Aber das ist ihnen ja offensichtlich egal.
    Hauptsache die armen Vermögenden müssen nicht belastet werden. Man könnte ja am Hungertuch nagen wenn der Bevölkerung, die das Erwirtschaften der Gewinne erst ermöglicht, auch etwas davon wiederbekommt.
    Stattdessen werden sie werden sie zusätzlich belastet mit der Aufgabe die hinterzogenen (oder eher gestohlenen) Steuern mitzufinanzieren.
    Die Verteidigung dieses Egoismus von Leuten wie ihnen lässt mich daher gleichfalls ratlos wie wütend zurück.
    Hauptprofiteur dieser Unterschlagungen sind die Chinesen, die sich sicher freuen werden ihre Vorstellungen von Wirtschaftspolitik durchsetzen zu können wenn der Westen endgültig ausgespielt hat.
    Dort bekommen überführte Finanzverbrecher übrigens im günstigsten Fall mehrjährige Haftstrafen und im schlimmsten Fall ein Erschießungskommando.
    Und nicht wie bei uns einen ermäßigten Steuersatz für Selbstanzeigen.

    3 Leser-Empfehlungen
  3. Warum also nicht "einfach" Struktur in die Datenmenge bringen und geringst möglich ein Buch draus machen und ganz wichtig - veröffentlichen...

    2 Leser-Empfehlungen
  4. Steuersünder, die bewusst ihr Geld in Steueroasen verstecken, sind Kriminelle, deren Ego den Anstand besiegt hat. Diese „Gesellschafsschädlinge“ beleidigen jeden anständigen Steuerzahler.

    Für mich sind diese Steuerflüchtlinge der Sucht nach immer mehr Reichtum verfallen. Es sind Menschen, die nicht mehr teilen können. Teilen, mit denen, die sie reicht gemacht haben. Sie leben um reicher zu werden und dafür machen sie so gut wie alles.

    Ihnen das Handwerk zu legen ist eine Sache, die andere ist, sie für die Steuerhinterziehung angemessen hart zu bestrafen. An beidem fehlt es in Deutschland. Es fehlt an dem Willen ohne Ansehen der Person bei Steuerbetrug durchzugreifen. Die Selbstanzeige gehört schon längst abgeschafft. Mit ihr wird ein krimineller Akt verharmlost.

    Vielleicht werden ja mit dem jetzigen „Steuer-Datenschatz“ endlich unsere Regierenden gezwungen, die Steueroasen auszutrocknen.

    Leider habe ich wenig Hoffnung, dass unsere Politiker ohne Druck der Straße willens sind, sich mit den Reichen und dem ein oder andern EU-Partnerstaat anzulegen.
    Es muss ja nicht gleich das Erschießungskommando oder die Kavallerie anrücken. Vielleicht genügt es ja schon das Vermögen von Steuerflüchtigen zu vergemeinschaften. Nein, ich bin kein Kommunist. Ich will nur, dass unser Land weiterhin gut für seine Bürger sorgen kann.

    2 Leser-Empfehlungen
  5. "Der beste Schutz, aber, wie gesagt, besteht aber darin, dass man gar nicht dort in persona bekannt ist."

    Der beste Schutz besteht einfach darin,
    seine Steuern ehrlich zu bezahlen!

    Unrecht Gut gedeihet nicht!

    Und Steuerkriminelle werden dann doch gepackt.
    Gut so!
    ...

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Was wir alle schon seit Jahren ahnten - jetzt haben wir die Beweise ! Es ist allerdings ein Blick in den Abgrund (menschlicher Eigenschaften). Aber diese 130 tausend Menschen(?) haben sich längst in eine Parallelwelt verabschiedet; die "normale" Gesellschaft ist diesen Leuten sch...egal und nur zur Ausbeutung nützlich. Eigentlich ist dieser Finanzkapitalismus ein einziger Horror und gehört schnellstens abgeschafft. Wir haben genügend schlaue und studierte Menschen auf der Welt , die ein gerechtes Gesellschaftssystem erschaffen könnten. Die ewig Gierigen sollen auf den Mars auswandern.

  7. ... aber ihr Kommentar liest sich nicht nur fast so, als würden Sie für Steuerhinterziehung plädieren.

    Wenn dieser Eindruck zutrifft: sind Sie der Meinung, dass Steuerhinterziehung das Recht des Staatsbürgers ist? Oder ist sie sogar eine "Bürgerpflicht" (das Wort verwenden Sie ja in Bezug auf den konspirativen Umgang mit sogenannten Offshorestrukturen)?

    Ich möchte nicht verhehlen, dass mich das zunächst befremdet. Aber möglicherweise verstehe ich Sie auch nur nicht richtig, und Sie können das Ganze aufklären?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    alias früher "askay" bzw. danach "tangensalpha"
    hat ähnliche Kommentare schon oft abgegeben.

    Er plädiert halt für das (vermeintliche) "Recht des Stärkeren", das ein tiefes Unrecht ist. Offenbar ist er für einen ziemlich zügellosen "Wildwest-Kapitalismus", noch nicht einmal für Neoliberalismus. Wer aus guten Gründen (Gerechtigkeit!) nicht dafür ist, wird von ihm als "böser Linker" diffamiert.
    Besonders demokratisch ist diese Denkweise natürlich nicht und auch grundgesetzwidrig ...
    Forist "links...) arbeitet nach eigenen Angaben in der Finanzbranche.

    alias früher "askay" bzw. danach "tangensalpha"
    hat ähnliche Kommentare schon oft abgegeben.

    Er plädiert halt für das (vermeintliche) "Recht des Stärkeren", das ein tiefes Unrecht ist. Offenbar ist er für einen ziemlich zügellosen "Wildwest-Kapitalismus", noch nicht einmal für Neoliberalismus. Wer aus guten Gründen (Gerechtigkeit!) nicht dafür ist, wird von ihm als "böser Linker" diffamiert.
    Besonders demokratisch ist diese Denkweise natürlich nicht und auch grundgesetzwidrig ...
    Forist "links...) arbeitet nach eigenen Angaben in der Finanzbranche.

  8. alias früher "askay" bzw. danach "tangensalpha"
    hat ähnliche Kommentare schon oft abgegeben.

    Er plädiert halt für das (vermeintliche) "Recht des Stärkeren", das ein tiefes Unrecht ist. Offenbar ist er für einen ziemlich zügellosen "Wildwest-Kapitalismus", noch nicht einmal für Neoliberalismus. Wer aus guten Gründen (Gerechtigkeit!) nicht dafür ist, wird von ihm als "böser Linker" diffamiert.
    Besonders demokratisch ist diese Denkweise natürlich nicht und auch grundgesetzwidrig ...
    Forist "links...) arbeitet nach eigenen Angaben in der Finanzbranche.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service