ReedereienDeutsche Reeder müssen immer öfter Schiffe abwracken

Schifffahrts- und Finanzkrise haben Spuren hinterlassen: Die deutsche Handelsflotte schrumpft zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Die Reeder fordern faire Kreditvergaben.

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Containerschiffe im Hamburger Hafen

Der Verband deutscher Reeder verzeichnet zum ersten Mal seit Jahrzehnten eine Reduzierung der deutschen Handelsflotte. Michael Behrendt, Präsident des Verbandes Deutscher Reeder (VDR), sagte, mehr als 100 Schiffe seien bereits in die Pleite gefahren. "Insolvenzen von Schiffen sind mittlerweile an der Tagesordnung", sagte er.

Allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres wurden 27 Schiffe verschrottet – dreimal so viele wie gewöhnlich. Zu Beginn des Jahres fuhren rund 3.670 Schiffe unter deutschem Management, das sind 110 weniger als ein Jahr zuvor.

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Die Bundesregierung, die verschiedenen maritimen Branchen und die Gewerkschaften kommen in der nächsten Woche zur 8. Maritimen Konferenz in Kiel zusammen. Von der Politik fordern die Reeder klare Signale bei der Schifffahrtsförderung und eine Entbürokratisierung der Verwaltung der deutschen Flagge. Vor allem aber müssten Schiffe bei Kreditverhandlungen zu ihrem langfristigen Wert als Sicherheit beliehen werden dürfen, so wie Immobilien und Flugzeuge. "Dann hätten die Banken mehr Spielraum, um Fortführungskonzepte zu ermöglichen", sagte Behrendt. Dazu bedürfe es nicht einmal eines Gesetzes, sondern nur der Akzeptanz durch die Finanzaufsicht.

"Angebot und Nachfrage bewegen sich aufeinander zu"

Zunächst hatten die Reeder zeitlich begrenzte Überbrückungskredite von der Staatsbank KfW gefordert, dabei aber eine Absage von Wirtschaftsminister Philip Rösler (FDP) erhalten. Auch im Bundestag fand sich kaum Unterstützung für den Vorschlag.

"Die deutschen Reeder arbeiten daran, die Marktsituation zu verbessern", sagte Behrendt. Seit Beginn der Krise hätten sie praktisch keine neuen Schiffe mehr bestellt. Zudem sei das Orderbuch von 1.300 auf 200 Schiffe zusammengeschrumpft. Dennoch sieht er Zeichen der Besserung: Bis 2017 könnte der weltweite Containerverkehr um 27 Prozent wachsen, während die Flotte schrumpft, sagte Behrendt. Angebot und Nachfrage bewegten sich also wieder aufeinander zu. Fraglich sei, ob die mittelständischen Reedereien mit wenigen Schiffen die kommenden Monate noch überbrücken könnten.

Die Schifffahrtskrise ist durch ein Überangebot an Schiffsraum entstanden. Zu viele Schiffe wurden bestellt und gebaut, während gleichzeitig das Ladungsaufkommen zurückging und sich bis heute nicht nachhaltig erholt hat. Daraufhin brachen Fracht- und Charterraten ein. Besonders betroffen sind die in Deutschland stark verbreiteten Charterreedereien.

 
Leser-Kommentare
  1. tatsächlich lockern muss?
    Das erscheint doch gerade dann zweifelhaft, wenn man die letzte Runde am Markt betrachtet, da wären dann die überflüssigen Schiffe auch noch höher beliehen gewesen und das Problem hätten neben den Eignern auch noch stärker die Banken. Die hatten an Schiffsfinanzierungen zuletzt eh schon mächtig zu kauen.
    http://www.handelsblatt.c...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. Die später die Kredite nicht bedienen können und andere mit sich ziehen
    bzw.den Steuerzahler noch mehr belasten.
    Wo doch jeder Cent fürs soziale Netz vor Wahlen gebraucht wir

  3. ... keine verbundenen Goldman-Sachs-Leute in wichtigen Positionen und auch keine Geburtstagsfeiern im Kanzleramt.

    Pech gehabt.

    Eine Leser-Empfehlung
  4. Sie auch gleichzeitig deutsche Seeleute Arbeitslos,aber jetzt

    soll wohl wieder der Staat einspringen?

    Mal abwarten,was da noch draus wird................................

    6 Leser-Empfehlungen
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    da Deutschland das Prinzip zweier Bilanzen kennt - Handels- und Steuerbilanz, werden seit der Einführung der Tonnagesteuer deutlich mehr Steuern durch Reedereien bezahlt als zuvor.
    übrigens wurden vor Einführung der Tonnagesteuer Steuervergünstigungen in solchen Größenordnungen geschaffen, dass gerade dies zu übermäßigem Kapitaleinsatz (durch Ärzte, Zahnärzte und andere Selbständige) in Schiffe führte und damit einhergehend zu sinnlosen Schiffsbestellungen.

    Die Tonnagesteuer gibt's nunmehr seit Jahren und hält die Schiffe im deutschen Register. Mit einhergehenden Verpflichtungen, wie viele Besatzungsmitglieder EU-Staatsbürger sein müssen.

    • jagu
    • 03.04.2013 um 13:01 Uhr

    ... auch wenn die Bildzeitung so gerne Neiddebatten vom Zaun bricht, wird dieses Märchen durch ständiges Wiederholen nicht wahrer.

    Es ist ne Tatsache dass die Reedereien Ausflaggten und in Libria& Inselchen wie St.Lucia,Puenktchen gross auf der Karte,um keine Steuern zu zahlen

    Gleichzeitig wurde Seeleute Arbeitslos Gemacht fuer die die Allgemeinheit zahlte.....

    BLOEDSINN ist: Dass als Neiddebatte abzutun

    da Deutschland das Prinzip zweier Bilanzen kennt - Handels- und Steuerbilanz, werden seit der Einführung der Tonnagesteuer deutlich mehr Steuern durch Reedereien bezahlt als zuvor.
    übrigens wurden vor Einführung der Tonnagesteuer Steuervergünstigungen in solchen Größenordnungen geschaffen, dass gerade dies zu übermäßigem Kapitaleinsatz (durch Ärzte, Zahnärzte und andere Selbständige) in Schiffe führte und damit einhergehend zu sinnlosen Schiffsbestellungen.

    Die Tonnagesteuer gibt's nunmehr seit Jahren und hält die Schiffe im deutschen Register. Mit einhergehenden Verpflichtungen, wie viele Besatzungsmitglieder EU-Staatsbürger sein müssen.

    • jagu
    • 03.04.2013 um 13:01 Uhr

    ... auch wenn die Bildzeitung so gerne Neiddebatten vom Zaun bricht, wird dieses Märchen durch ständiges Wiederholen nicht wahrer.

    Es ist ne Tatsache dass die Reedereien Ausflaggten und in Libria& Inselchen wie St.Lucia,Puenktchen gross auf der Karte,um keine Steuern zu zahlen

    Gleichzeitig wurde Seeleute Arbeitslos Gemacht fuer die die Allgemeinheit zahlte.....

    BLOEDSINN ist: Dass als Neiddebatte abzutun

  5. werden die wenigsten mittelständischen Reedereien durchhalten können. Es geht momentan so richtig an die Substanz. Die Raten sind auf Tiefstständen, die Banken kurz vor dem Absprung. Ich rechne nicht vor 2015 mit einer Beruhigung, so dass "der Patient" wieder frei durchatmen kann.
    Bis dahin wird die deutsche Flotte auf rd. 2500 Schiffe geschrumpft sein. Das kostet ca. 5000 Menschen rund um die Reedereien den Job. Diejenigen, die durchalten können werden dann in Zukunft den Ton angeben, größere Reedereien und Konsortien bilden bzw. sich von amerikanischen Hedge-Fonds aus der Patsche helfen lassen, wie es ja Stolberg versucht hat. Momentan versuchts gerade Bertram Rickmers. Wollen wir hoffen, dass es hier gut geht.
    Sollte der Markt auf breiter Front wieder anziehen und 27% Unterkapazität haben, werden auch die Bestellungen wieder aufleben. Die Chinesen stehen schon in den Startlöchern...
    Es ist und bleibt ein Hamsterrad.

  6. waren (und sind?) viele jahre ein Steuersparmodell gewesen.
    Als Kapitalhalter konnte man Steuern sparen, indem man z.B. 100.000 DM in ein Schiff invetierte, daß dann Verluste einfuhr. Die zugewiesenen Verluste brachten dann Steuerersparnisse, die weit über den 100.000 DM lagen.

    Solche Blüten bringt die freie Wirtschaft in Zusammenarbeit mit Steuerberatern hervor. Vielleicht sollte man dieses Modell wieder aktivieren.
    Schiffe bauen - Verluste einfahren - Steuern sparen.
    Ist zwar ohne Sinn und Zweck, aber es fördert den Schiffsbau. Man könnte auch versteckte oder indirekte Subvention dazu sagen.

    Auf jeden Fall ist es lustig, zu sehen, wie die, die vor Jahren die freie, befreite, Marktwirtschaft forderten und lobten und den Staat zu Zurückhaltung aufforderten, heute nach dem Staat rufen. Es ist überhaupt eine Mode, sich Unternehmer zu nennen, das Risiko aber dem Staat, der Allgemeinheit, übertragen zu wollen. Wenn dann die Gewinn sprudeln, geht man ins Ausland um Steuern zu spareren.

    5 Leser-Empfehlungen
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    der Reeder ist Dienstleister.
    Es ist richtig, dass Investoren sich an Steuersparmodellen reich verdient haben oder bis zum Beginn der Krise in 2008 an der Tonnagesteuer profitiert haben.
    der Reeder selbst hingegen hat als Aufgabe, Schiffe zu betreiben.
    Ihm bringen die Steuerersparnisse nichts.

    Natürlich ist die Frage, ob man als Unternehmer nach dem Staat schreien sollte. Aber der Staat soll in diesem Fall ja auch nichts finanzieren, sondern den Banken Möglichkeiten geben, Finanzierungen zu strecken oder Neu-Finanzierungen zu ermöglichen.

    Im Übrigen ist es im Interesse jeden Staates, sich eine eigene Handelsflotte zu leisten.
    "Aus der Geschichte lernen, heißt siegen lernen".

    Nur, weil es uns noch nicht einmal 100 Jahre gut geht, sind Handelsboykotte trotzdem keine Unmöglichkeit. Und von diesen möchte zumindest ich so unabhängig wie möglich sein.

    der Reeder ist Dienstleister.
    Es ist richtig, dass Investoren sich an Steuersparmodellen reich verdient haben oder bis zum Beginn der Krise in 2008 an der Tonnagesteuer profitiert haben.
    der Reeder selbst hingegen hat als Aufgabe, Schiffe zu betreiben.
    Ihm bringen die Steuerersparnisse nichts.

    Natürlich ist die Frage, ob man als Unternehmer nach dem Staat schreien sollte. Aber der Staat soll in diesem Fall ja auch nichts finanzieren, sondern den Banken Möglichkeiten geben, Finanzierungen zu strecken oder Neu-Finanzierungen zu ermöglichen.

    Im Übrigen ist es im Interesse jeden Staates, sich eine eigene Handelsflotte zu leisten.
    "Aus der Geschichte lernen, heißt siegen lernen".

    Nur, weil es uns noch nicht einmal 100 Jahre gut geht, sind Handelsboykotte trotzdem keine Unmöglichkeit. Und von diesen möchte zumindest ich so unabhängig wie möglich sein.

  7. Die jenige die es geschafft oder noch schaffen werden,was bereits in vollem gang ist,unter der Flagge von Malta oder Panama zu fahren,werden ueberleben auch wenn deren Schiffe aelter und in einem viel schlechterem zustand sind.

    Eine Leser-Empfehlung
  8. da Deutschland das Prinzip zweier Bilanzen kennt - Handels- und Steuerbilanz, werden seit der Einführung der Tonnagesteuer deutlich mehr Steuern durch Reedereien bezahlt als zuvor.
    übrigens wurden vor Einführung der Tonnagesteuer Steuervergünstigungen in solchen Größenordnungen geschaffen, dass gerade dies zu übermäßigem Kapitaleinsatz (durch Ärzte, Zahnärzte und andere Selbständige) in Schiffe führte und damit einhergehend zu sinnlosen Schiffsbestellungen.

    Die Tonnagesteuer gibt's nunmehr seit Jahren und hält die Schiffe im deutschen Register. Mit einhergehenden Verpflichtungen, wie viele Besatzungsmitglieder EU-Staatsbürger sein müssen.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Nur auf dem Papier, und das ist bekanntlich geduldig.

    Die Stärkung der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses und das seemännische Know-how in Deutschland hörte sich wunderbar an; de facto haben so gut wie sämtliche Reedereien die Vereinbarung mit dem Bund unterlaufen; auch die beiden deutschen Groß-Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd haben einen Großteil ihrer Schiffe ausgeflaggt ("Heimathafen Monrovia" am Heck wird auf Bildern "verschämt" wegretuschiert, zu dumm, dass die Schiffe leider ab und an in Deutschland auftauchen .....)

    Suchen Sie mal deutsche oder EU-Staatsangehörige in der Besatzung; mit Glück finden Sie ein paar Offiziere.

    Und: Zu Boomzeiten ein Riesen-Containerschiff nach dem anderen preiswert in Korea bauen lassen (wen interessiert schon die Auftragslage deutscher Werften?) und jetzt das große Gejammere und der Schrei (wieder einmal ) nach dem Staat. Das wiederum nennt man dann - glaube ich - kaufmänisches Know-how, oder .......? Ich nenne das dreist!

    Ich kann meine Krokodilstränen gar nicht so schnell trocknen, wie sie fließen ,,,,,

    Nur auf dem Papier, und das ist bekanntlich geduldig.

    Die Stärkung der Ausbildung des seemännischen Nachwuchses und das seemännische Know-how in Deutschland hörte sich wunderbar an; de facto haben so gut wie sämtliche Reedereien die Vereinbarung mit dem Bund unterlaufen; auch die beiden deutschen Groß-Reedereien Hapag-Lloyd und Hamburg Süd haben einen Großteil ihrer Schiffe ausgeflaggt ("Heimathafen Monrovia" am Heck wird auf Bildern "verschämt" wegretuschiert, zu dumm, dass die Schiffe leider ab und an in Deutschland auftauchen .....)

    Suchen Sie mal deutsche oder EU-Staatsangehörige in der Besatzung; mit Glück finden Sie ein paar Offiziere.

    Und: Zu Boomzeiten ein Riesen-Containerschiff nach dem anderen preiswert in Korea bauen lassen (wen interessiert schon die Auftragslage deutscher Werften?) und jetzt das große Gejammere und der Schrei (wieder einmal ) nach dem Staat. Das wiederum nennt man dann - glaube ich - kaufmänisches Know-how, oder .......? Ich nenne das dreist!

    Ich kann meine Krokodilstränen gar nicht so schnell trocknen, wie sie fließen ,,,,,

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, cw
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