Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) hat sich für die Herausgabe der Daten über geheime Geschäfte in Steueroasen an die deutschen Behörden ausgesprochen. Steuerhinterziehung müsse "konsequent verfolgt werden", sagte er den Ruhr Nachrichten . Es sei deshalb entscheidend, dass diese Daten jetzt "den zuständigen Finanzbehörden der Länder zur Verfügung gestellt werden".

Für eine einheitliche Strafverfolgung von Steuersündern, eine Art Steuer-FBI, wie sie unter anderem in der CDU gefordert worden war, sprach sich Rösler indes nicht aus. "Die Steuerfahndung in vielen Ländern gilt als sehr schlagkräftig", sagte Rösler der Zeitung. Insofern müsse ein solcher Schritt genau abgewogen werden.

Hingegen müsse auf internationaler Ebene darüber beraten werden, wie ein Missbrauch in Steueroasen stärker sanktioniert werden könne, sagte er der Rheinischen Post . Das sei sicherlich kein schneller und einfacher, aber ein notwendiger Prozess.

Die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk haben es abgelehnt , die ihnen vorliegenden Daten über die Steuerparadiese an die deutschen Behörden weiterzugeben. Eine entsprechende Bitte von Finanzminister Wolfgang Schäuble wiesen sie unter anderem unter Hinweis auf den Informantenschutz zurück. "Die Presse ist kein Hilfsorgan der Polizei, der Staatsanwaltschaft oder der Steuerfahndung", schrieb die Süddeutsche Zeitung .

Festplatte mit Daten über deutsche Rentner und Millionäre

Medien aus 46 Ländern hatten am Donnerstag zeitgleich vertrauliche Daten aus weltweit zehn Steuerparadiesen veröffentlicht . Aufgelistet werden darin 130.000 mutmaßliche Steuerflüchtlinge aus mehr als 170 Ländern. Inwieweit die Steuerflüchtlinge strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden können, ist fraglich. Die Bundesregierung erhofft sich von den Enthüllungen aber Unterstützung im Kampf gegen Steueroasen.

Die Zahl der Nutzer internationaler Steueroasen in Deutschland ist nach einem Focus -Bericht deutlich höher als bisher bekannt . Mindestens 100.000 Personen seien hierzulande vom aktuellen Steueroasen-Leck betroffen, schreibt das Magazin – darunter deutsche Rentner und Millionäre, aber auch russische und arabische Geschäftsleute, die in Deutschland leben oder Firmen betreiben.

Der Bericht beruft sich auf neue Daten von einer 2,5-Zoll-Festplatte, die dem Blatt zugespielt wurde. Die Daten umfassten 260 Millionen Ein- und Auszahlungen auf Steueroasen-Konten sowie Anfragen über Kontostände oder Kundenberatungen. Das Magazin teilte weiter mit, man habe die neuen Daten von einem Kölner Computerexperten, der früher im Bankenwesen tätig war, prüfen und entschlüsseln lassen.