Die Deutsche Bahn erhält 50 Millionen Euro Schadensersatz von dem Schienenkartell, das jahrelang stark überteuerte Gleise verkauft hatte.  Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, hat sich die Bahn mit dem österreichischen Stahlkonzern Voestalpine geeinigt.

Ende 2012 hat die Bahn beim Landgericht Frankfurt eine Klage gegen das Kartell eingereicht, in der sie 550 Millionen Euro Schadensersatz plus 300 Millionen Euro Zinsen fordert. Voestalpine hat sich nun außergerichtlich zur Zahlung eines Anteils von 50 Millionen Euro bereit erklärt. Beide Unternehmen haben die Einigung bestätigt; zu den Details äußern sie sich nicht.

Damit ist nur ein kleiner Teil des Schadens ausgeglichen. Im Zentrum steht nach Erkenntnissen des Bundeskartellamts der Konzern ThyssenKrupp. Mehrere Unternehmen hatten den Markt für Gleise und Weichen untereinander aufgeteilt und weit überhöhte Preise vereinbart. Betroffen sind neben der Deutschen Bahn auch kommunale Verkehrsbetriebe aus ganz Deutschland, die derzeit eine eigene Klage vorbereiten.

Bereits im vergangenen Jahr hat das Bundeskartellamt Bußgeld gegen die Gleishersteller verhängt: ThyssenKrupp muss 103 Millionen Euro zahlen, Voestalpine kam mit 8,5 Millionen Euro vergleichsweise günstig davon.

Der österreichische Konzern war durch den Kauf eines deutschen Stahlherstellers Teil des Schienenkartells geworden. Als die Konzernzentrale von den illegalen Absprachen erfuhr, wurden interne Ermittlungen eingeleitet. Anschließend meldete Voestalpine das Kartell selbst an die Behörden und war vor Gericht als Kronzeuge aufgetreten.

Das Schienennetz der Deutschen Bahn wird staatlich gefördert, sodass indirekt Bund und Länder die Geschädigten des Betrugs sind. Dementsprechend kündigte die Bahn an, den größten Teil der Entschädigung an die öffentlichen Kassen weiterzuleiten.

ThyssenKrupp ist Deutschlands größtes Stahlunternehmen. Der Konzern mit Sitz in Essen hat derzeit wegen Korruption, mehreren Kartellverfahren und gescheiterten Milliardenprojekten in Brasilien und den USA zahlreiche Probleme. In den vergangenen Monaten wurden große Teile der Führungsmannschaft ausgetauscht, darunter mehrere Vorstandsmitglieder und zuletzt Aufsichtsratschef Gerhard Cromme.

Gegen ThyssenKrupp und die anderen verbleibenden Kartellmitglieder will die Bahn weiter vor Gericht vorgehen.