Die Suche nach neuen Jobs wird für arbeitslos gewordene Schlecker-Mitarbeiter nach Ansicht von Arbeitsmarktforschern auch durch die vergleichsweise hohe Bezahlung erschwert. Im März hätten erst 49 Prozent der 27.000 entlassenen Mitarbeitern einen neuen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz oder sich selbstständig gemacht. Einer der Hauptgründe dafür ist einer Analyse des Forschungsinstituts IAB der Bundesagentur für Arbeit (BA) nach die "recht hohe" Bezahlung bei Schlecker.

Laut der IAB-Studie hingen die Jobaussichten der ehemaligen Beschäftigten "wesentlich von der Akzeptanz teils deutlicher Lohneinbußen" ab. Die Verkäuferinnen seien in den ersten Monaten ihrer Arbeitslosigkeit nicht verpflichtet, Arbeitsplätze mit erheblich weniger Lohn anzunehmen, berichtete der Spiegel.

Der ehemalige ver.di-Verhandlungsführer bei Schlecker, Bernhard Franke, kritisierte die Analyse: "Was die Wissenschaftler der Bundesagentur für Arbeit feststellen, heißt nichts anderes, als dass tarifliche Bezahlung ein Vermittlungshemmnis ist". Mit der Schlussfolgerung unterstütze das IAB "skandalöses Lohndumping im Einzelhandel". Im Gegensatz zu vielen anderen Einzelhändlern hatte Schlecker nach Tarif bezahlt. Eine gelernte Verkäuferin verdiente ver.di zufolge je nach Berufsjahr zwischen 9,92 und 13,79 Euro pro Stunde, eine Filialleiterin zwischen 12,60 und 15,49 Euro. "Spitzenverdienste sehen anders aus", monierte Franke. 

Dem IAB-Mitarbeiter Martin Dietz zufolge stünden die Vermittler in einem Spannungsverhältnis. Einerseits sollten die früheren Schlecker-Mitarbeiter schnell vermittelt werden, andererseits hätten sie Anspruch auf "relative Statussicherung". Die schlechte Bezahlung im Handel nehme die Agentur keinesfalls "distanzlos hin", doch die Vermittler könnten sich "die gut bezahlten Jobs auch nicht backen".