SteueroasenDeutsche Staatsanwälte sehen keinen Anlass für Ermittlungen

Ermittler in Nordrhein-Westfalen zeigen sich unbeeindruckt von den Daten über Steueroasen. Sie halten die Enthüllungen internationaler Medien für wenig aussagekräftig.

Deutsche Staatsanwaltschaften sehen bislang keinen Grund, wegen der neuen Enthüllungen über Steueroasen aktiv zu werden. "An den angeblichen Enthüllungen ist wenig Neues", sagte ein Sprecher der Bochumer Staatsanwaltschaft. Dass die Berichterstattung in eine nachrichtenarme Zeit fällt, sei auch kein Zufall.

In der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft sieht man ebenfalls noch keine Anhaltspunkte für eine Straftat: "Eine Briefkastenfirma zu haben, ist zunächst einmal nicht strafbar, egal wo auf der Welt sich die Firma befindet." Die beiden Ermittlungsbehörden in Nordrhein-Westfalen sind dafür bekannt, besonders aktiv gegen mutmaßliche Steuersünder vorzugehen.

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Die Süddeutsche Zeitung und der Norddeutsche Rundfunk berichteten über den umfangreichen Datensatz mit vertraulichen Informationen aus zehn Steuerparadiesen. Den Berichten zufolge sind darin 130.000 Steuerflüchtlinge aus mehr als 170 Ländern aufgelistet. In den Dokumenten sollen auch Hunderte deutsche Fälle zu finden sein.

Unterlagen den Steuerbehörden übermitteln

Die Bundesregierung machte sich deshalb dafür stark, dass die beteiligten Medien ihre Informationen an die Steuerfahnder weitergeben. Man gehe davon aus, dass "die relevanten Unterlagen an die zuständigen Steuerbehörden der Länder übermittelt werden, damit diese zügig ihre Ermittlungen aufnehmen können", sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.

Um wie viel mögliches Schwarzgeld es in den Dokumenten konkret geht, blieb zunächst offen. Die Summen, die über Steueroasen am Fiskus vorbeigeschleust werden, scheinen insgesamt aber sehr groß zu sein: Allein deutsche Steuerflüchtlinge dürften nach einer Schätzung der Deutschen Steuergewerkschaft etwa 400 Milliarden Euro beiseite geschafft haben.

Weltweit geht es laut einer Studie aus dem vergangenen Jahr um eine Summe von 17 Billionen Euro. Den betroffenen Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von wenigstens 148 Milliarden Euro, heißt es in Berechnungen der internationalen Vereinigung Tax Justice Network.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn die Staatsanwaltschaft wenig Anlass für Ermittlungen sieht, so wäre öffentliche Veröffenlichung vor diskreter Übergabe an eine mögliche Schublade wohl kein Problem - oder?

  2. Die von Ihnen beschriebene Gesellschaft ist eine Zwischengesellschaft nach § 8 Abs. 1 Nr. 4 Außensteuergesetz (http://www.gesetze-im-int...), deren Gewinne dem inländischen Beteiligten zuzurechnen sind.

    Es ist also durchaus das Angemessene passiert.

    Wenn Sie allerdings das Außensteuergesetz lesen, wird Ihnen klar, warum das nicht in der Öffentlichkeit diskutiert wird. In der Fachliteratur gibt es allerdings hierzu massenhaft Abhandlungen und die Finanzverwaltung prüft diese Fälle akribisch und auf das kommt es wohl nur an.

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    • KBV
    • 04.04.2013 um 22:33 Uhr

    Vielen Dank für die sachkundige Antwort.
    Ja, das erklärt zwar Manches, trotzdem habe ich es in der Realität anders erlebt (konkret bei zwei Firmen; Namen möchte ich hier nicht nenne; kennt aber jeder) und die Firmen operieren immer noch so.
    Allerdings kenne ich natürlich die konkrete Steuererklärung nicht.
    Ein Eigentümer hat allerdings mittlerweile seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt....

    • KBV
    • 04.04.2013 um 22:33 Uhr

    Vielen Dank für die sachkundige Antwort.
    Ja, das erklärt zwar Manches, trotzdem habe ich es in der Realität anders erlebt (konkret bei zwei Firmen; Namen möchte ich hier nicht nenne; kennt aber jeder) und die Firmen operieren immer noch so.
    Allerdings kenne ich natürlich die konkrete Steuererklärung nicht.
    Ein Eigentümer hat allerdings mittlerweile seinen Wohnsitz in die Schweiz verlegt....

  3. unseres Systems. Man sieht es am Fall Gustl Mollath oder eben hier oder auch an der organisierten Kriminalität. Die wahrhaft Mächtigen wissen genau wie und wo sie ansetzen müssen, dass sie quasi legibus absoluta sind. Sie haben gute Verbindungen zu Politikern, die einerseits die Opposition und andererseits die Regierung bilden. In dem Fall, da Politiker Minister, Staatssekretäre oder sogar Regierungschefs bilden, genießen die wahrhaft Mächtigen Schutz vor diversen Ermittlungen, weil Justizminister Weisungen an Staatsanwälte geben können, um Ermittlungen zu verschleppen, um gar nicht zu ermitteln oder um das Strafmaß zu minimieren. Stellt jemand eine Bedrohung für das System dar, so wird dieser (wie im Fall) Gustl Mollath in die Psychatrie gesteckt oder es passieren andere Dinge. Politiker, die nachweislich solche Dinge unterstützten, aber ausgeschieden sind, werden durch ihre Nachfolger in Regierungsverantwortung gedeckt.
    So ist es nur logisch, dass Staatsanwälte nicht ermitteln, weil alle irgendwie zusammenhängen. So ist unser System aufgebaut.

    Eine Leser-Empfehlung
    • an-i
    • 04.04.2013 um 21:38 Uhr

    ...die müssen sich um Hartz 4 kümmern....

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    Da gibt es die sehr effektive Informationszentrale Ausland, bei der die entsprechenden Daten ermittelt, gesammelt und gespeichert werden:

    http://www.wirtschaftslex...

    Da gibt es die sehr effektive Informationszentrale Ausland, bei der die entsprechenden Daten ermittelt, gesammelt und gespeichert werden:

    http://www.wirtschaftslex...

  4. Bei jeder Betriebsprüfungsstelle gibt es mindestens einen Auslandsfachprüfer, der geschult ist, solche Konstruktionen zu durchleuchten. Unterstützt wird er hierdurch durch strenge gesetzliche Aufzeichnungsvorschriften, bei deren Einhaltung er zur Schätzung berechtigt ist: http://www.gesetze-im-int...

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    ...und VW wird geschätzt. Schon klar...

    ...und VW wird geschätzt. Schon klar...

  5. Da gibt es die sehr effektive Informationszentrale Ausland, bei der die entsprechenden Daten ermittelt, gesammelt und gespeichert werden:

    http://www.wirtschaftslex...

  6. ...und VW wird geschätzt. Schon klar...

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    die sich als Insider so gründlich mit der Materie auseinandersetzen habe ich natürlich keine Chance.

    die sich als Insider so gründlich mit der Materie auseinandersetzen habe ich natürlich keine Chance.

  7. die sich als Insider so gründlich mit der Materie auseinandersetzen habe ich natürlich keine Chance.

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    "Die Steuerfahnder-Affäre (manchmal auch Paranoia-Affäre) bezeichnet einen teilweise ungeklärten Vorgang um die Zwangspensionierung der vier hessischen Steuerfahnder Rudolf Schmenger, Marco Wehner sowie der Eheleute Heiko und Tina Feser um die Jahrtausendwende.

    Allen wurde im Auftrag ihrer Vorgesetzten in nachweislich fehlerhaften Gutachten durch den Psychiater Thomas H. Paranoia attestiert.

    Die Fahnder waren zuvor äußerst erfolgreich gegen Steuerhinterzieher vorgegangen und arbeiteten ab Mitte der 1990er-Jahre bis zum Zeitpunkt ihrer Absetzung im Jahr 1999 an einer Reihe von Fällen, die sich mit Liechtensteiner Konten befassten."
    http://de.wikipedia.org/w...

    Soviel zur Macht von Gesetzen und Beamten. Wenn die dem falschen ans Bein pinkeln, ist Schicht im Schacht.

    "Die Steuerfahnder-Affäre (manchmal auch Paranoia-Affäre) bezeichnet einen teilweise ungeklärten Vorgang um die Zwangspensionierung der vier hessischen Steuerfahnder Rudolf Schmenger, Marco Wehner sowie der Eheleute Heiko und Tina Feser um die Jahrtausendwende.

    Allen wurde im Auftrag ihrer Vorgesetzten in nachweislich fehlerhaften Gutachten durch den Psychiater Thomas H. Paranoia attestiert.

    Die Fahnder waren zuvor äußerst erfolgreich gegen Steuerhinterzieher vorgegangen und arbeiteten ab Mitte der 1990er-Jahre bis zum Zeitpunkt ihrer Absetzung im Jahr 1999 an einer Reihe von Fällen, die sich mit Liechtensteiner Konten befassten."
    http://de.wikipedia.org/w...

    Soviel zur Macht von Gesetzen und Beamten. Wenn die dem falschen ans Bein pinkeln, ist Schicht im Schacht.

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