Offshore-LeaksRiesiger Datensatz enthüllt Geheimgeschäfte in Steueroasen

Es ist ein großer Schlag gegen den weltweiten Steuerbetrug: Journalisten aus aller Welt haben Millionen Dokumente ausgewertet und dabei 130.000 Steuerbetrüger enttarnt.

Die britischen Jungfrauen-Inseln

Die britischen Jungfrauen-Inseln

Ein internationales Journalistennetzwerk hat einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugespielt bekommen. Die Dokumente belegen nach Angaben mehrerer Medien, wie Reiche und Kriminelle mithilfe von Briefkastenfirmen, Offshore-Konten und anderen Mitteln wie sogenannten Trusts ihre Vermögen verstecken und zweifelhafte Geschäfte abwickeln.

Das Internationale Konsortium für investigative Journalisten (ICIJ) hatte die Datenmenge von rund 260 Gigabyte vor über einem Jahr von einer anonymen Quelle erhalten und internationalen Medien zur Auswertung gegeben. In Deutschland erhielten der Norddeutsche Rundfunk und die Süddeutsche Zeitung Zugang zu den 2,5 Millionen Dokumenten, die aus zehn Steueroasen stammen sollen. Quelle sollen zwei Firmen sein, die auf die Konstruktion von Offshore-Gesellschaften spezialisiert sind. Die Dokumente enthalten dem ICIJ zufolge Daten von 130.000 Personen aus mehr als 170 Ländern, darunter Politiker, Unternehmer, Oligarchen, Waffenhändler und Spekulanten. Ein Insider spricht nach Angaben der Süddeutschen Zeitung von dem "bislang größten Schlag gegen das große schwarze Loch der Weltwirtschaft".

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Enthüllt wurden durch die Recherchen unter anderem die Praktiken von griechischen Steuerflüchtlingen, die etwa 107 Offshore-Firmen auf den britischen Jungferninseln betreiben sollen, von denen aber nur vier gemeldet seien. Die griechischen Behörden reagierten umgehend auf die Berichte und kündigten Ermittlungen an. Der Generalsekretär für öffentliche Einnahmen im Finanzministerium sagte der Zeitung Ta Nea, die Informationen würden nun ausgewertet und auf mögliche illegale Aktivitäten oder Gesetzesverstöße überprüft.

Ein anderes Beispiel ist dem NDR zufolge die Portcullis TrustNet Group, die als Dienstleister auf Offshore-Firmen spezialisiert sei und zu deren Kunden Simbabwes Diktator Robert Mugabe und die Familie des verstorbenen indonesischen Diktators Haji Mohamed Suharto gehörten.

Hollandes Wahlkampfmanager

Nach Informationen der SZ besitzt der Wahlkampfmanager von Frankreichs Präsident François Hollande ebenfalls zwei Briefkastenfirmen – auf den Cayman Islands. Jean-Jacques Augier bestritt gegenüber dem Blatt allerdings, damit illegale Geschäfte zu betreiben.

Weitere Fälle finden sich dem ICIJ zufolge in Russland: Neben Oligarchen soll dort die Frau des Vizeregierungschefs Igor Schuwalov sowie Topmanager von Gazprom Geld in Steueroasen versteckt haben. Die SZ berichtet zudem über dubiose Geschäfte der Töchter des aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev oder den Trust des bekannten kanadischen Anwalts Tony Merchant auf den Cook-Inseln. Auch die Tochter des früheren philippinischen Diktators Ferdinand Marcos, Imee Marcos, soll dem Bericht zufolge einen Trust auf den Jungferninseln unterhalten. Dort könnten Teile des Milliardenvermögens von Marcos sein, das er in den achtziger Jahren aus dem Land geschafft habe.

In Deutschland wurden unter anderem die Geschäfte des 2011 verstorbenen Millionenerben und früheren Playboys Gunter Sachs enttarnt. Der Industriellenerbe legte den Recherchen der SZ, des NDR und der Schweizer Sonntagszeitung zufolge vor seinem Tod sein Vermögen in Steueroasen an und gab es bei den Finanzämtern nicht vollständig an. Seine Nachlassverwalter wiesen dies gegenüber der SZ zurück. Die betroffenen Firmen seien den Steuerbehörden "schon zu Lebzeiten von Herrn Sachs" offengelegt worden.

 
Leser-Kommentare
  1. Weshalb setzen Sie die Steuervermeider in Gänsefüßchen?

    Antwort auf "Es sollen auch "
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    Weil mir dieser Begriff für ein solches Vehalten zu harmlos erscheint. ;-)

    Weil mir dieser Begriff für ein solches Vehalten zu harmlos erscheint. ;-)

  2. Hätte sich Schröder/Fischer mal lieber um diese Steuerbetrüger gekümmert und das Geld ins Land geholt, hätten sie nicht Millionen Menschen verarmen und auch noch diffamieren müssen.
    Da kann Steinbrück mal erzählen, was er gegen diese betrüger konkret unternemen will, falls er an die Macht käme. Mutti wird auf keinen Fall was tun, so viel ist sicher und unser Schäuble wird mit Sicherheit diese Art von Journalismus geißeln und sich schützend vor diese kriminelle, reiche Misspoke stellen.

    5 Leser-Empfehlungen
    • LudBri
    • 04.04.2013 um 10:01 Uhr

    Hier geht es doch, außer Gunter Sachs, doch garnicht um Deutsche und dennoch wird sofort erklärt, dass das hinterzogene Geld für die Gewährung von "Teilhabe" in Deutschland fehle. Lesekurs absolvieren oder vorlesen lassen?

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    "Hier geht es doch, außer Gunter Sachs, doch garnicht um Deutsche ..."

    Woher wissen Sie das?

    Zeit-Online auf den Leim gegangen, die mich schon verwundert hatte, denn der DLF sprach davon, dass auch Hunderte Deutsche darunter seien. Spiegel online schreibt dies ebenso und nennt als Teil des Netzwerkes auch die Deutsche Bank.

    Warum Zeit-Online diesen Passus verkürzt hat, könnte man nur mutmaßen ...

    • y5rx
    • 04.04.2013 um 10:26 Uhr

    Nur halt nicht hier in diesem Artikeln. Oder glauben Sie unter den 130000 wäre nur ein Deutscher.
    Es gibt hier ja merkwürdigerweise ein paar Schreiber, die von illegalem Vorgehen und ähnlichem schwafeln. Das ist schon ein sehr seltsames Rechtsverständnis. Und Typen, die jetzt schon wieder meinen das wäre Teil des Deutschen-Bashing haben auch nicht mehr Verstand. So langsam sollte auch dem Letzten klar werden, daß die Fronten nicht zwischen den Ländern verlaufen, sondern genau wie schon immer zwischen arm und reich! Früher haben die Adligen ihre Untertanen in sinnlose Kriege gehetzt, heute tun das die Profiteure des miltärisch-industriellen Komplexes, oder wie immer man das nennen will, und ihre Helfer in der Politik und der Presse. Und dumme Schafe lassen sich durch diese Propaganda einwickeln.
    Nur solche Enthüllungen können den Menschen die Augen öffnen, damit sie erkennen wer all diese Bankenrettungen organisiert und wer daraus wirklich Nutzen zieht. Ich hoffe, daß es nicht nur zu Rücktritten kommt, sondern zu Verhaftungen und Prozessen!

    "Hier geht es doch, außer Gunter Sachs, doch garnicht um Deutsche ..."

    Woher wissen Sie das?

    Zeit-Online auf den Leim gegangen, die mich schon verwundert hatte, denn der DLF sprach davon, dass auch Hunderte Deutsche darunter seien. Spiegel online schreibt dies ebenso und nennt als Teil des Netzwerkes auch die Deutsche Bank.

    Warum Zeit-Online diesen Passus verkürzt hat, könnte man nur mutmaßen ...

    • y5rx
    • 04.04.2013 um 10:26 Uhr

    Nur halt nicht hier in diesem Artikeln. Oder glauben Sie unter den 130000 wäre nur ein Deutscher.
    Es gibt hier ja merkwürdigerweise ein paar Schreiber, die von illegalem Vorgehen und ähnlichem schwafeln. Das ist schon ein sehr seltsames Rechtsverständnis. Und Typen, die jetzt schon wieder meinen das wäre Teil des Deutschen-Bashing haben auch nicht mehr Verstand. So langsam sollte auch dem Letzten klar werden, daß die Fronten nicht zwischen den Ländern verlaufen, sondern genau wie schon immer zwischen arm und reich! Früher haben die Adligen ihre Untertanen in sinnlose Kriege gehetzt, heute tun das die Profiteure des miltärisch-industriellen Komplexes, oder wie immer man das nennen will, und ihre Helfer in der Politik und der Presse. Und dumme Schafe lassen sich durch diese Propaganda einwickeln.
    Nur solche Enthüllungen können den Menschen die Augen öffnen, damit sie erkennen wer all diese Bankenrettungen organisiert und wer daraus wirklich Nutzen zieht. Ich hoffe, daß es nicht nur zu Rücktritten kommt, sondern zu Verhaftungen und Prozessen!

  3. "Und statt endlich die Steuern einzutreiben, die beschlossen sind, will RotGrün die ehrlichen Steuerzahler mit noch höheren Steuern abkassieren. Die Folge - es wird noch attraktiver, Steuern zu vermeiden!"

    Sind es nicht die CDU-Länder die gegen Steuer CDs waren? Waren es nicht SPD geführte Länder die trotzdem die CDs kauften um Steuerflüchtliche zu schnappen? In welche Welt leben sie eigentlich?

    5 Leser-Empfehlungen
    • persef
    • 04.04.2013 um 10:06 Uhr

    Vor kurzem gabs eine kleine Meldung, wonach der Fiskus gegen eine "unbekannte aber wahrscheinlich hohe Persönlichkeit im dt. Fussball" ermittelt, die in der Schweiz heimlich 500 Mio geparkt hat.

    Das war bislang ergebnislos, weil Geld plötzlich verschwand. Würde mich nicht wundern, wenns jetzt mit einem Namen verknüpft würde. Hier noch meine hochgradig spekulative Vermutung: Der gesuchte hat die Initialien FB, ist Kaiser und hat sich bei der FIFA ein bisschen was dazuverdient.

    Sollte es so kommen wird sich zeigen, in wie weit das Recht über der Person steht und wie weit man jemandem verzeihen kann.

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    wenn sich Ihre Spekulation als richtig erweisen würde.
    Man darf gar nicht daran denken, dass die Person für ein paar Jahre wegen Steuerhinterziehung nach Stadelheim umziehen müßte.
    Mir persönlich hat diese Person wesentlich mehr Freude bereitet und wahrscheinlich hat sie auch mehr Steuern bezahlt, als die ganzen sauertöpfischen Gerechtigkeits- und Moralapostel zusammen.

    Also wenn ich das entscheiden dürfte: ich würde ihn sofort amnestieren und die anderen heimlich verfluchen.

    wenn sich Ihre Spekulation als richtig erweisen würde.
    Man darf gar nicht daran denken, dass die Person für ein paar Jahre wegen Steuerhinterziehung nach Stadelheim umziehen müßte.
    Mir persönlich hat diese Person wesentlich mehr Freude bereitet und wahrscheinlich hat sie auch mehr Steuern bezahlt, als die ganzen sauertöpfischen Gerechtigkeits- und Moralapostel zusammen.

    Also wenn ich das entscheiden dürfte: ich würde ihn sofort amnestieren und die anderen heimlich verfluchen.

    • LudBri
    • 04.04.2013 um 10:08 Uhr
    62. [...]

    Hat hier noch keiner geschnallt, dass es - zumindest bisher - nur um Russen, Griechen und andere Ausländer geht und nicht um deutsche Steuerhinterzieher?

    Gekürzt, bitte bleiben Sie sachlich. Die Redaktion/ls

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    wieso Sie das so steif und fest behaupten.

    Es war die auch Rede von mehreren Hundert Deutschen.

    Darf ich Sie noch einmal sehr höflich bitten, Ihre Quelle(n) offenzulegen? Mein ehrlicher Wille, die Zusammenhänge zu schnallen, ist vollumfänglich vorhanden. Vielen herzlichen Dank!

    wieso Sie das so steif und fest behaupten.

    Es war die auch Rede von mehreren Hundert Deutschen.

    Darf ich Sie noch einmal sehr höflich bitten, Ihre Quelle(n) offenzulegen? Mein ehrlicher Wille, die Zusammenhänge zu schnallen, ist vollumfänglich vorhanden. Vielen herzlichen Dank!

  4. ...bevor Sie sich zu sehr alterieren, lesen Sie doch mal § 4 Außensteuergesetz, und sagen mir dann, ob Herr Gunther Sachs, seit 1975 im Besitz der Schweizer Staatsbürgerschaft, Erbschaftsteuern hinterzogen hat, oder nicht,

    "(1) War bei einem Erblasser oder Schenker zur Zeit der Entstehung der Steuerschuld § 2 Abs. 1 Satz 1 anzuwenden, so tritt bei Erbschaftsteuerpflicht nach § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Erbschaftsteuergesetzes die Steuerpflicht über den dort bezeichneten Umfang hinaus für alle Teile des Erwerbs ein, deren Erträge bei unbeschränkter Einkommensteuerpflicht nicht ausländische Einkünfte im Sinne des § 34c Abs. 1 des Einkommensteuergesetzes wären.
    (2) Absatz 1 findet keine Anwendung, wenn nachgewiesen wird, daß für die Teile des Erwerbs, die nach dieser Vorschrift über § 2 Abs. 1 Nr. 3 des Erbschaftsteuergesetzes hinaus steuerpflichtig wären, im Ausland eine der deutschen Erbschaftsteuer entsprechende Steuer zu entrichten ist, die mindestens 30 Prozent der deutschen Erbschaftsteuer beträgt, die bei Anwendung des Absatzes 1 auf diese Teile des Erwerbs entfallen würde."

    Nun ? Vielleicht weis des die Redaktion :-)?

  5. Auszug ICIJ:
    A cache of 2.5 million files has cracked open the secrets of more than 120,000 offshore companies and trusts, exposing hidden dealings of politicians, con men and the mega-rich the world over.

    Werte Redaktion, sie schreiben hier von 130.000 Personen, während im Originaltext von 120.000 Unternehmen geschrieben wird.

    Darf man dann nicht annehmen, das es sich um einen wesentlich größeren Personenkreis handelt, da ich davon ausgehe, das die Geschäftsleitungen der Unternehmen nicht nur aus einer Person bestehen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, tis
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  • Schlagworte Steueroasen | Steuer | Datenjournalismus
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