Wirtschaftsaufschwung : Amerikas neue industrielle Revolution

Plötzlich boomt die Industrie der USA wieder. Große Konzerne holen Jobs zurück ins Land – weil die Produktion billiger ist anderswo.
Unmittelbar nach seiner Rede zur Lage der Nation, in der er auch über Wachstumspolitik sprach, besuchte US-Präsident Barack Obama (rechts) im vergangenen Februar eine Fabrik in North Carolina. © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Wenn die Amerikaner jetzt wieder mehr neue Autos kaufen, dann freut das vor allem die Hersteller aus Deutschland. Fahrzeuge deutscher Machart gelten in den USA als besonders hochwertig. Wer sich die Premiummarken leisten kann, dem geht es am Ende einer Wirtschaftsflaute meistens zuerst wieder besser. So profitieren die deutschen Hersteller – die teilweise in den USA produzieren – wie keine anderen vom aktuellen Konjunkturaufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft: Gerade erst legten BMW und die Volkswagen-Tochter Audi Rekordabsatzzahlen für den März vor. 

Auch das vergangene Jahr lief besonders gut. Es war das bisher erfolgreichste Jahr der deutschen Hersteller im US-Geschäft. Sie verkauften 20 Prozent mehr Neuwagen als im Vorjahr. Zählt man die Absatzzahlen aller Automarken zusammen, so nahmen die Verkäufe im Jahr 2012 um 13 Prozent zu. Es sind erstaunliche Wachstumsraten – zumal die Fließbänder gerade erst warmgelaufen sind. Experten und Branchenvertreter sagen für die kommenden Jahre eine anhaltend starke Nachfrage voraus, weil die Amerikaner, die sich im Nachklang der Krise mit Autokäufen zurückhielten, nun dringend ihre alten Schleudern mit neuen Modellen ersetzen wollen.

Für die Autowerke in den USA heißt das, dass sie in der nahen Zukunft gut ausgelastet sein dürften. Aber sie sind nur ein Teil der plötzlich wieder florierenden amerikanischen Industrie. Die Zeit der milliardenschweren Staatshilfen ist vorbei, das produzierende Gewerbe seit dem Ende der Rezession um durchschnittlich fünf Prozent jährlich gewachsen. Das ist mehr als doppelt so schnell wie die Wirtschaft insgesamt. 

Plötzlich sind die USA wieder stark

Die USA sind im globalen Wettbewerb so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Produktionskosten, etwa für Energie und Arbeitskräfte, sind im weltweiten Vergleich überzeugend niedrig. Die Stimmung unter den Konsumenten ist gut, die Inlandsnachfrage zieht an.

"Wir sind heute wohl so konkurrenzfähig wie die vergangenen 30 Jahre nicht", erklärte General-Electric-Chef Jeffrey Immelt vor Kurzem. Sein Konzern ist das größte Industrieunternehmen des Landes. General Electric hat damit angefangen, Arbeitsplätze zurück in die Heimat zu holen, und ist damit nicht allein: Auch Boeing und Caterpillar eröffnen neue Werke in den Staaten. Sogar Apple hat letztens angekündigt, einen Teil seiner Mac-Computer bald wieder in den USA produzieren zu wollen. 

Das ist eine Trendwende. "Es gibt eine Rückwanderung der Industrie in die USA", erklärt George Hoffer von der University of Richmond im US-Bundesstaat Virginia.  "Die Autoindustrie ist das beste Beispiel dafür." In seinen mehr als 40 Jahren Lehrjahren hat sich Hoffer auf die Transportwirtschaft spezialisiert, insbesondere auf die Fahrzeugbranche. "Der Markt pulsiert", sagt der Wissenschaftler. "Und er wächst, angetrieben von der Nachfrage." Das macht die USA auch für die Zukunft attraktiv und zieht ausländische Investoren an.

Damit die kleine industrielle Revolution der USA möglich wird, müssen aber viele Aspekte zusammenkommen. Nicht nur die wieder erstarkende Kauffreude, sondern vor allem auch die niedrigen Produktionskosten locken globale Konzerne ins Land. In den USA sind die Löhne relativ beständig niedrig. Im aufstrebenden China aber gehen sie gerade "durch die Decke", wie Hoffer es ausdrückt.

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Kommentare

79 Kommentare Seite 1 von 10 Kommentieren

Ja, das erste Mal, als ich Porsche Panera

"live" sah, war in Beverly Hills, sogar zwei an einem Tag, und beide waren vorne voellig zerdeppert, Totalschaden. Einige Teenager versuchten sich grade im Strassenverkehr mit Mercedes Sportwagen, und am naechsten Tag fuhr Lohan mit ihrem geliehenen Porsche auf ein Muell-Auto auf.

Aber von Los Angeles kann man nicht auf die gesamten US schliessen. Sportliche Yuppies fahren Subaru, und nicht alle, die Geld haben, wollen deutsche Fahrzeuge - auch wegen schlechter Erfahrungen mit manchen von diesen Modellen.

"Sportliche Yuppies fahren Subaru"

Da Sie Amerika-Kenner sind, und sich für die Vorlieben amerikanischer Autokäufer interessieren, empfehle ich Ihnen noch den Neil Young-Song "Motor City" aus dem 81er Album "Re-ac-tor".
Es gab halt schon immer solche und solche Amerikaner. Gut für Mercedes, BMW und Subaru.

NEIL YOUNG
Motor City

My old car keeps breaking down
My new car ain't from Japan
There's already too many Datsuns
In this town.

Another thing that's bugging me
Is this commercial on TV
Says that Detroit
can't make good cars any more.
Motor City.

Who's driving my car?
Who's driving my car now?
Who?

My army jeep is still alive
Got locking hubs and four wheel drive
Ain't got no radio,
ain't got no mag wheels
Ain't got no digital clock
Ain't got no clock.

The paint job is lookin' blue
The white walls are missing too
But I guess until I get my car back
This will do.

Who's driving my car now?
Who's driving my car now?
Who?

Who's driving my car now?

Krokodilstränen

"Aber mal Spass beiseite- mich stört, dass sich VW wie auch andere deutsche Autofabrikanten vom deutschen Steuerzahler auf Händen durch die Krise tragen lassen (Abwrackprämie, Aussetzen der Zahlung der Gewerbesteuern, z.B. bei Mercedes, VW und Opel) und dann noch nicht mal den Anstand besitzen, dem eigenen Land durch mehr Investitionen zu helfen.
Da hält sich meine Produkt-Solidarität und Patriotismus arg in Grenzen."

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Tja, als es um die Lohnsteigerungen und den höheren Kündigungsschutz ging sagte man: Das treibt die Autobauer ins Ausland. Damals interessierte das niemanden "sollen sie doch" und "machen die sowieso nicht" hieß es.
Jetzt plötzlich Krokodilstränen weil ein Unternehmen den für sich besten Arbeitsmarkt aussucht?