Wenn die Amerikaner jetzt wieder mehr neue Autos kaufen, dann freut das vor allem die Hersteller aus Deutschland. Fahrzeuge deutscher Machart gelten in den USA als besonders hochwertig. Wer sich die Premiummarken leisten kann, dem geht es am Ende einer Wirtschaftsflaute meistens zuerst wieder besser. So profitieren die deutschen Hersteller – die teilweise in den USA produzieren – wie keine anderen vom aktuellen Konjunkturaufschwung in der weltgrößten Volkswirtschaft: Gerade erst legten BMW und die Volkswagen-Tochter Audi Rekordabsatzzahlen für den März vor. 

Auch das vergangene Jahr lief besonders gut. Es war das bisher erfolgreichste Jahr der deutschen Hersteller im US-Geschäft. Sie verkauften 20 Prozent mehr Neuwagen als im Vorjahr. Zählt man die Absatzzahlen aller Automarken zusammen, so nahmen die Verkäufe im Jahr 2012 um 13 Prozent zu. Es sind erstaunliche Wachstumsraten – zumal die Fließbänder gerade erst warmgelaufen sind. Experten und Branchenvertreter sagen für die kommenden Jahre eine anhaltend starke Nachfrage voraus, weil die Amerikaner, die sich im Nachklang der Krise mit Autokäufen zurückhielten, nun dringend ihre alten Schleudern mit neuen Modellen ersetzen wollen.

Für die Autowerke in den USA heißt das, dass sie in der nahen Zukunft gut ausgelastet sein dürften. Aber sie sind nur ein Teil der plötzlich wieder florierenden amerikanischen Industrie. Die Zeit der milliardenschweren Staatshilfen ist vorbei, das produzierende Gewerbe seit dem Ende der Rezession um durchschnittlich fünf Prozent jährlich gewachsen. Das ist mehr als doppelt so schnell wie die Wirtschaft insgesamt. 

Plötzlich sind die USA wieder stark

Die USA sind im globalen Wettbewerb so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr: Produktionskosten, etwa für Energie und Arbeitskräfte, sind im weltweiten Vergleich überzeugend niedrig. Die Stimmung unter den Konsumenten ist gut, die Inlandsnachfrage zieht an.

"Wir sind heute wohl so konkurrenzfähig wie die vergangenen 30 Jahre nicht", erklärte General-Electric-Chef Jeffrey Immelt vor Kurzem. Sein Konzern ist das größte Industrieunternehmen des Landes. General Electric hat damit angefangen, Arbeitsplätze zurück in die Heimat zu holen, und ist damit nicht allein: Auch Boeing und Caterpillar eröffnen neue Werke in den Staaten. Sogar Apple hat letztens angekündigt, einen Teil seiner Mac-Computer bald wieder in den USA produzieren zu wollen. 

Das ist eine Trendwende. "Es gibt eine Rückwanderung der Industrie in die USA", erklärt George Hoffer von der University of Richmond im US-Bundesstaat Virginia.  "Die Autoindustrie ist das beste Beispiel dafür." In seinen mehr als 40 Jahren Lehrjahren hat sich Hoffer auf die Transportwirtschaft spezialisiert, insbesondere auf die Fahrzeugbranche. "Der Markt pulsiert", sagt der Wissenschaftler. "Und er wächst, angetrieben von der Nachfrage." Das macht die USA auch für die Zukunft attraktiv und zieht ausländische Investoren an.

Damit die kleine industrielle Revolution der USA möglich wird, müssen aber viele Aspekte zusammenkommen. Nicht nur die wieder erstarkende Kauffreude, sondern vor allem auch die niedrigen Produktionskosten locken globale Konzerne ins Land. In den USA sind die Löhne relativ beständig niedrig. Im aufstrebenden China aber gehen sie gerade "durch die Decke", wie Hoffer es ausdrückt.