Rogoff-Reinhart-Studie : Bundesbankpräsident weist Zweifel an Schulden-Studie zurück

Die Kritik an der Rogoff-Reinhart-Studie zur Staatsverschuldung hält Jens Weidmann für übertrieben. Die Untersuchung gilt als Grundlage der europäischen Sparpolitik.

Bundesbankpräsident Jens Weidmann will Zweifel an der wissenschaftlichen Basis der Sparpolitik nicht gelten lassen. Er bezieht sich dabei auf die Kritik an einer einflussreichen Studie der Ökonomen Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart.

Diese waren der Frage nachgegangen, ob es zwischen der Schuldenquote eines Landes und dem Wachstum seiner Wirtschaft einen Zusammenhang gibt. Beim Abgleich von Daten aus 44 Ländern aus den vergangenen 200 Jahren kamen sie zu dem Ergebnis: Ab einer Schuldenquote von 90 Prozent drohen einem Land erhebliche Einbußen seiner Wirtschaftsleistung. Diese Quote spielt bei jedem Rettungspaket für einen überschuldeten Euro-Staat eine wichtige Rolle.

An der Aussagekraft der Rogoff-Reinhart-Studie gab es jedoch erhebliche Kritik. Weidmann sagte aber, das sei kein Grund, generell an der Problematik von Staatsschulden zu zweifeln. "Manchmal hat man ja den 
Eindruck, als ob, nur weil in der Studie zwei,
 drei Datenpunkte fehlen, die Ergebnisse jetzt 
auf den Kopf gestellt würden und
 Staatsverschuldung das Wachstum fördere", sagte Weidmann laut Frankfurter Allgemeinen Zeitung während der Frühjahrstagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. "Das wäre etwas fehlgefolgert und sicherlich nicht richtig."

Zugleich bestreitet der Bundesbankpräsident, dass die Ergebnisse von Rogoff und Reinhart zentral für die europäische Sparpolitik seien. Grundlage der ja richtigen Konsolidierungsbemühungen sei keine Studie, sondern ein breites empirisches Bild sowie ökonomische Zusammenhänge, sagte Weidmann laut FAZ. Auch in den Beratungen der G-20-Finanzminister und Notenbankgouverneure habe die Diskussion um die Reinhart-Rogoff-Studie keine Rolle gespielt.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Geld, Kredit?

Koennte es moeglch sein, dass Sie keine Ahnung von VWL haben? Ihr Einwand geht doch voellig an dem Artikel vorbei und selbstverstaendlich ist jedes volkswirtschaftliche Modell in sich geschlossen. Im uebrigen tritt neben den Akteuren die sie genannt haben und was sie vielleicht in der Schule gelernt haben ein vierter hinzu, das nebuloese Ausland. Nur weil ein paar Amateure seit kurzem wissen, dass Banken Geld schoepfen (nicht schaffen) koennen und das augenscheinlich fuer eine echte Innovation halten, ist dies jedem VWL Studentem spaetestens im zweiten Semester bekannt. Und zum Schluss der Staat schuldet Ihnen was, wenn Sie einen Bundesschatzbrief Ihr eigen nennen.

... bis die EZB endlich Geld druckt

Was hat Herr Weidmann eigentlich getan? Er verfolgt das Ziel der Preisstabilität, wie es seine gesetzliche Aufgabe ist.

Wenn es irgendeinen Sinn machen sollte, die Sparpolitik aufzugeben, müsste man mit Wirtschaftswachstum mehr Einnahmen erzielen, als die Kosten für die Verschuldung ausmachen. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, wenn man bedenkt, dass bereits heute Investoren Zweifel an der Rückzahlungsfähigkeit vieler europäischer Staaten haben und Italien und Spanien bereits jetzt hohe Zinsen zahlen müssen. Länder wie Portugal und Griechenland erhalten überhaupt keine Kredite mehr auf dem Markt und müssten auf weitere Hilfen der europäischen Steuerzahler zurückgreifen.

Wenn es nicht klappt, kann die EZB natürlich immer noch unbegrenzt Geld drucken und alle wären ihre Schulden los, während die Rentner und Arbeitnehmer dafür zahlen müssten, denn Preisstabilität gäbe es dann natürlich nicht mehr.

Es drängt sich der Eindruck auf, dass das das eigentliche Ziel ist, dass die EZB für eine billige Geldschwemme sorgt.