Zypern : Im Fitnessraum der Pleitebanker

Die Laiki Bank auf Zypern ist pleite, doch ihren Sportclub gibt es noch. Die Banker hadern dort mit ihrem Schicksal – und mit Angela Merkel.
Die Zentrale der Laiki Bank in Nikosia © Yiannis Kourtoglou/Getty Images

Der Mann von der Pleitebank ist angsteinflößend. Ein muskelbepackter Zwei-Meter-Hüne, kahl rasierter Schädel, Muskelshirt und Shorts, Schweißtropfen auf den Oberarmen und der Stirn. "Bist Du von der Troika?", fährt er den Besucher an. "Wenn ja, dann würde ich dich zusammenschlagen, glaub mir!" Man glaubt es ihm sofort, wie er da steht im Kraftraum des Sport- und Wellness-Club seines Arbeitgebers, der Laiki Bank. Jener zyprischen Bank also, die das Land herabgerissen hat und nun so spektakulär ins Jenseits geschickt wurde.

Tatsächlich: Die Laiki Bank betreibt einen exklusiven "Sporting Club" am Stadtrand von Nikosia. Mit einem in der Frühlingssonne glitzernden Pool, einer Sauna, Solarium, Dampfbad, Tennisplätzen und einem Fitnessstudio. 26 Mitarbeiter der Bank kümmern sich um die Anlage, für Mitarbeiter ist er kostenlos. Und in diesen Tagen, in denen die Bank selbst stirbt, ist der Club wohl der einzige Teil des Unternehmens, in dem alles so weiterläuft wie bisher. Wo der Muskelprotz, der sonst in der Zentrale der Bank arbeitet, noch immer drei mal die Woche Gewichte stemmt, selbst wenn er nicht mehr weiß, wie lange er überhaupt noch Arbeit hat. Und wo man beobachten kann, welches Selbstverständnis diese Bank all die Jahre gepflegt hat.

Weil man ja nicht von der Troika ist, wird man dankenswerterweise doch nicht zusammengeschlagen. Aber man bekommt einiges zu hören als Deutscher. Der Gewichte hebende Banker, der in dieser Geschichte Alexis heißt, weil er seinen richtigen Namen nicht nennen will ("weil ich sonst sofort rausfliege"), sagt dann beispielsweise: "Schämt Euch, für das, was Ihr uns antut." Als stünde Angela Merkel persönlich vor ihm und kein Reporter. "Damals nach dem Krieg konntet ihr doch auch nur so erfolgreich sein, weil andere euch mit dem Marshallplan geholfen haben. Und jetzt lasst ihr uns kaputtgehen." Er findet es unsolidarisch, dass zuerst er, seine Kollegen und am Ende all seine Landsleute für die Krise bezahlen sollen.

Eine Stimmung wie bei einer Beerdigung

Im Rest von Zypern wächst hingegen die Wut auf die Banker. Die zyprischen Zeitungen bemühen sich um eine Rekonstruktion der Pleite, aber je mehr Details ans Licht kommen, desto mehr Fragen stellen sich: Haben dubiose und riskante Kreditgeschäfte der griechischen Laiki-Tochter die Bank am Ende in die Pleite gestürzt, wie einige sagen? Oder hat das Krisenmanagement der zyprischen Zentralbank versagt, wie viele Banker behaupten?

Alexis sagt: "Ich bin nicht schuld daran. Die Top-Manager bei uns haben vielleicht ein paar Fehler gemacht, aber zerstört hat uns jetzt die Eurogruppe." Er will weg aus Zypern, "so schnell wie möglich". In ganz Europa werde er sich bewerben, vielleicht auch in Australien. "Ich habe schließlich eine Familie zu ernähren", sagt er.

Sein bisheriger Arbeitsort verwaist derweil langsam. Die Zentrale der Laiki Bank, ein Hochhaus mit Glasfassade, das von merkwürdigen Rohren und Verstrebungen geschmückt wird. Wer das Gebäude jetzt an einem normalen Arbeitstag aufsucht, sieht kaum noch Mitarbeiter. Nur wenige Schreibtische im Erdgeschoss sind besetzt. In die obersten Stockwerke kommt man nicht, eine nervöse Mitarbeiterin wimmelt ab: Man habe weiterhin geöffnet, ja, das schon. Dann lächelt sie gezwungen, verschwindet hinter einer Tür und man steht wieder allein im leeren Foyer. Oben im sechsten Stock wurde die Bank vor rund zwei Wochen abgewickelt, so hat es die Nachrichtenagentur Reuters geschrieben. "Es war wie eine Beerdigung", soll einer der Vorstände über das Ende der zweitgrößten Bank des Landes gesagt haben.

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Kommentare

14 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Alexis hat recht

"...Die zypriotische Zentralbank ist Mitglied des Eurozentralbankensystems. Als intern die Schräglage Zyperns längst klar war und dies bei Bekanntwerden über das Target-2-Systems zu unkontrollierbaren, wasserfallartigen Geldabflüssen geführt hätte, erklärte die zypriotische Zentralbank am 11.02.2013 (handelnd als Vertreterin des Eurosystems) gegenüber der Geschäftsleitung der zypriotischen Laiki-Bank schriftlich: „Alle Befürchtungen, die Einlagen von Bankkunden würden blockiert, beschränkt oder gar reduziert, sind unhaltbar und gesetzwidrig.“

Das war indes ein weiteres dreistes Täuschungsmanöver bzw. eine glatte Lüge, denn inzwischen wurde im März 2013 zu Lasten der völlig unschuldigen Einleger genau das Bestrittene verfügt und die Laiki-Bank zerschlagen. Fehler um Fehler also der um Merkel und Schäuble gruppierten Eurokraten, denn speziell in finanziellen Dingen untergraben Lügen grundsätzlich jegliches Vertrauen..."
Quelle: Taxpayers Association Europe
Zypern-Rettung
6 Kardinalfehler der Eurokraten
(07.04.2013)

Der Artikel malt hier recht klar das hässliche Bild...

...der uneinsichtigen Bankers"

Das ist die überdeutliche Absicht des Artikels - und Sie fallen voll darauf rein.

"Wenn man dieser Tage die Verlautbarungen der Politiker und die Kommentare in den Medien verfolgt, dann kann einem nur noch Angst und Bange werden. Es herrscht eine Stimmung, wie man sie in der Literatur oder in der kritischen Geschichtsschreibung vor exakt einhundert Jahren, nämlich vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges beschrieben findet.

Wir Deutschen sind die Erfolgreichsten, wir sind diejenigen die wirtschaftlich am besten dastehen, wir haben die richtigen wirtschaftspolitischen Konzepte, wir bürgen und zahlen für die anderen, wir sind die Retter Europas, am deutschen Modell soll Europa genesen. So hört und liest man allenthalben. Dieses Selbstlob, ja diese Selbstüberschätzung trägt Züge von Größenwahn.

Auf der anderen Seite beklagt man die Kritik unserer Nachbarn an der maßgeblich von der deutschen Regierung geprägten Austeritätspolitik mit einer Weinerlichkeit, die man nur noch als Verfolgungswahn bezeichnen kann..."
http://www.nachdenkseiten...

Hat Zeit-Online die Ansichten dieses Bankers frei erfunden?

"Es herrscht eine Stimmung, wie man sie [..] vor exakt einhundert Jahren, [...] beschrieben findet. Wir Deutschen sind die Erfolgreichsten, wir sind diejenigen die wirtschaftlich am besten dastehen, wir haben die richtigen wirtschaftspolitischen Konzepte, [...]"

Bitte beachten Sie dabei aber in Ihrer Ereiferung, dass wir in Deutschland insbesondere auch arm sind, bzw. ärmer als die Geldempfänger, und es daher nicht so recht einsichtig ist, wieso gerade von Deutschland stets Zahlungen erwartet werden:

http://www.zeit.de/2013/1...

Ich habe zudem nicht die geringste Ansicht, mich in irgendeiner Weise über die südlichen oder östlichen EU Länder zu stellen. Wie kommen Sie darauf, diesen Aspekt mit meinem Beitrag im Zusammenhang zu sehen? Ich schrieb eindeutig erkennbar lediglich über den Bänker im Artikel. Und ob das Bild über diesen Bänker zutreffend oder unzutreffend ist, können weder ich noch Sie beurteilen. Wir können aber wohl davon ausgehen, dass Zeit-Online die Ansichten dieses Bankers nicht frei erfunden hat.

Können Sie mir sagen, was die Alternative gewesen wäre??

was hätte man Ihrer Meinung nach im Falle Zypern und der anderen Südländer tun sollen? Weiter so? Wie in USA und GB und Japan die Druckerpresse anwerfen? Bernanke verteildigt die expansive Geldpolitik:

Zitat n-tv:; Zwar sei die Wirtschaft heute deutlich stärker als vor vier Jahren, "allerdings sind die Bedingungen eindeutig noch weit von dem entfernt, was wir gern sehen würden", sagte Bernanke.

Wenn das erst mal die Benmark für die Geldwertstabilität ist, dann gute Nacht. VIelleicht wäre es billiger gewesen, die no-bail-out Klausel bestehen zu lassen und die Südländer alle pleite gehen zu lassen?? Das wäre die einzige Alternative gewesen. Aber ob es den Ländern im Süden dann jetzt wirklich besser ginge?

Ja, kann ich

Vorab:

Man muss sich im klaren sein, dass wir nie irgendwelche Länder gerettet haben.

Es wurden immer nur Banken gerettet. Vorwiegend deutsche und Französische Banken.

Die Alternative ist: Wer Pleite ist, ist pleite. Punkt. Keine fortgesetzte Insolvenzverschleppung, wie sie jetzt praktiziert wird, die nur die Fallhöhe immer weiter erhöht.

Banken müssen ihre Verluste selbst tragen. Die Inhaber / Anteilseigner der haften voll.

Kurz gesagt: Das Modell Island.

Die Vorteile:

1. Es ist kein Fass ohne Boden.
2. Es wird glasklar, welche Bank wo und wie viel verzockt hat.
3. Das Land, das pleite gegangen ist, ist danach soweit entschuldet, dass es wieder eine echte Chance hat.

Das geht nicht geräuschlos und es kostet Geld. Viel Geld.

Nur - je länger diese Insolvenzverschleppung (Neusprech: Bankenrettung) läuft, desto größer wir der Knall. Und der kommt. Sicher.