"Nur das Geld liegt dann eben woanders"
Adami wehrt sich dagegen, mit Finanzdienstleistern in einen Topf geworfen zu werden, die mit Scheinfirmen und Über-Nacht-Transaktionen dafür sorgen, dass Zypern als Geldwäscher gilt. "Da habe ich kein Problem mit, wenn das verschwindet", sagt er. Für den Reeder gibt es zwei Arten von internationalen Geschäften in Limassol: die klassischen Handelsgeschäfte und der windige Rest.
Wer diesen windigen Rest verstehen will, muss mit Leuten wie Panos Alexandrou sprechen. Sein Büro liegt in der zweiten Schicht von Limassol, unterhalb der Villen, dort wo die Firmen und Kanzleien sind. Alexandrou ist Gründer und Chef eines Unternehmens namens Alexandrou Group. Er betreibt zahllose Firmen für seine Kunden. Firmen, die in Zypern ihren Sitz haben, um von den niedrigen Unternehmenssteuern im Land zu profitieren. Firmen, die ihre Geschäfte eigentlich im Ausland machen, in Russland oder auch anderswo. Es gibt Leute, die bei ihm eine Firma nur für ein paar Tage gründen, um sich ein Haus in London zu kaufen. Manchmal gründen sie für jeden Deal ein neues Unternehmen. Das klingt verrückt, aber so ist es manchmal.
Auf seine Website hat Alexandrou eine Preisliste gestellt: 1.500 Euro für eine Firmengründung, 950 Euro im Jahr für ein virtuelles Büro, 250 Euro pro Stunde für "Steuerstrukturierung und Beratung". "Völlig legal" sei das, sagt Alexandrou – womit er Recht hat. Es sind Firmen wie diese, die Zypern zuletzt nominell zum größten Investor in Russland gemacht haben. Auch in anderen Ländern tauchen immer öfter zyprische Firmen in der Statistik auf, dabei wird das Geld nur über die kostengünstige Zwischenstation auf der Insel überall in der Welt verteilt.
- Zypern-Chronik
Zwei Dinge wurden Zypern zum Verhängnis: sein Geschäftsmodell und die Nähe zu Griechenland. Wie andere europäische Kleinstaaten – etwa Malta, Luxemburg oder Liechtenstein – förderte das Land den Finanzsektor. Die Regulierer in Brüssel störte das vor der Krise nicht. Steuererleichterungen und hohe Zinsen lockten ausländische Anleger an, vor allem aus Russland. So viel Geld kam ins Land, dass die Bilanzsumme der Banken heute um ein Vielfaches höher ist als die jährliche Wirtschaftsleistung Zyperns. Das System geriet durch den griechischen Schuldenschnitt ins Rutschen. Die zyprischen Banken, die Griechenland viel Geld geliehen hatten, verloren dadurch hohe Summen.
- Bankenkrise
Zypern brauchte dringend Geld. Das Problem dabei: Der Staat war hoch verschuldet. Seine Schuldenlast wäre vermutlich untragbar geworden, wenn Europa und der IWF die komplette Finanzlücke einfach durch einen Hilfskredit geschlossen hätten. Zudem zögerten die Geberländer die Rettung hinaus. Nach mehreren Rettungsaktionen innerhalb der Eurozone wuchs in den Geberländern der innenpolitische Widerstand gegen weitere Hilfe – zumal das kleine Zypern für den Rest Europas ökonomisch viel weniger wichtig schien als beispielsweise Spanien oder Italien. Als man sich schließlich auf Rettung einigte, war klar: Zypern sollte zehn Milliarden Euro erhalten, aber weitere 5,8 Milliarden selbst aufbringen.
- Wer zahlt?
Die Frage war, woher die 5,8 Milliarden kommen sollten. Es schien naheliegend, die Eigentümer oder Gläubiger der Geldinstitute an deren Rettung zu beteiligen. Doch Zyperns Banken finanzieren sich kaum durch die Ausgabe von Aktien oder Anleihen. Die Banken zu beteiligen heißt in Zypern: Die Anleger müssen zahlen. Dass ursprünglich auch Kleinanleger eine Zwangsabgabe entrichten sollten, war offenbar die Idee des zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiades. Dabei sind Guthaben bis 100.000 Euro in der Eurozone eigentlich geschützt. Doch Anastasiades fürchtete, die Großanleger aus Zypern zu vertreiben. Um sie nicht die ganze Last tragen zu lassen, wollte er auch die kleinen Sparer beteiligen. Anastasiades setzte sich durch – vorerst.
- Kompromiss
Die Zyprer gingen gegen den Beschluss auf die Straße – und gaben den Deutschen die Schuld für ihre Einbußen. Das zyprische Parlament lehnte den Vorschlag aus Brüssel ebenfalls ab. Doch die anderen europäischen Länder bestanden auf dem Eigenanteil. Eine Woche lang war unklar, wie Zypern diesen finanzieren wollte. Ein sogenannter Plan B wurde verworfen. Währenddessen wuchs die Unsicherheit im Land. Die Banken blieben geschlossen, Kapitalverkehrskontrollen sollten verhindern, dass reiche Anleger ihr Geld außer Landes schafften. In anderen Euro-Ländern blieben die Anleger allerdings ruhig. Eine Woche nach dem ersten Beschluss in Brüssel gab es einen neuen Kompromiss. Jetzt werden Kleinanleger doch verschont, die Großen zahlen dafür mehr. Anastasiades hat verloren. Das Geschäftsmodell Zyperns aber ist zerstört.
Und jetzt? Alexandrou erzählt von einem russischen Kunden, der für 40 Millionen Euro ein Schiff kaufen wollte. Den Geldtransfer wollte er über eine zyprische Briefkastenfirma und die Bank of Cyprus abwickeln. Jetzt aber kam er tagelang nicht an sein Geld und wird wohl mindestens 40 Prozent der 40 Millionen verlieren. Genauso wie alle Kunden mit mehr als 100.000 Euro auf einem Konto der Bank.
"Ein Desaster" sei das, sagt Alexandrou. "Viele überlegen jetzt, wie sie ihr Geld so schnell wie möglich aus Zypern raus bekommen." Vor allem die Banken seien damit am Ende, sagt Alexandrou. Aber er und die anderen zyprischen Finanzdienstleister würden ihre Kunden halten können, da ist er sich sicher. "Wir sind einfach sehr gut in dem, was wir machen", sagt er. "Nur das Geld selbst liegt dann eben woanders."
Das ist es, was auch Adami meint. Viele Zyprer und Ausländer verlieren gerade Geld in den beiden Pleitebanken der Insel, stimmt. Das Geschäftsmodell Limassols aber könnte diesen Schock am Ende unbeschadet überstehen: Die Unternehmenssteuern bleiben niedrig und die Regierung tut alles, um die internationalen Unternehmen zu halten. Als die Banken für die normalen Kunden geschlossen hatten, konnten Adami und die anderen Reeder dank einer Ausnahmegenehmigung der Regierung weiter an ihre Konten. Es sieht so aus, als wäre Limassolograd noch lange nicht am Ende.







Super Sache. Der gemeine Zypriot auf der Straße, der deutsche Steuerzahler, der russische Normalbürger - quasi alle Europäer - haben eines gemeinsam: Sie dienen den als Elite getarnten Polit-, Wirtschafts- und Finanzkriminellen als geduldige Geldgeber, die als Gegenleistung nichts weiter als das Märchen erzählt zu bekommen, dass es eine Krise gäbe. So eine Situation gab es in der Geschichte schon oft, wenn auch nicht in so großem Stil. Für die Machthabenden endete der Spaß meistens recht unvorteilhaft.
De facto kein Inhalt, aber trotzdem das Bild "böses Russland", "betrügerische Zyprioten" vermittelt. Also das typische Muster, wonach man einen Sündenbock sucht, Erzeugung von Emotionen und Ableitung von Aggression nach außen, aber keine tiefergehende Analysen...und warum wohl?
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
Entfernt, da unsachlich. Die Redaktion/ls
...momentan der "Lieblingsfeind" in unseren "Qualitätsmedien".
...momentan der "Lieblingsfeind" in unseren "Qualitätsmedien".
... der Rest ist blöd dran. Politik und Großunternehmen haben ihe Schäfchen im Trockenen; Kleinbetriebe, Private und nicht zuletzt die EWS-Partner zahlen die Zeche. So geht geballte Macht.
Die Russen bekommen es hier ja immer ab, nur wird aus dem Artikel nicht klar, wie diese Geschäfte Zypern so ruiniert haben sollen. Klar mag die Insel eine Steuerfluchtburg sein.
Aber welchen Schaden auf der Insel richten Russen an, die Schiffskäufe über Zypern erledigen? Klar, woanders zahlen sie keine oder kaum Steuern - aber Zypern profitiert davon.
Kann ich nicht verstehen - das müsste man genauer erläutern.
Ich verstehe den Artikel so, dass die genannten Geschäfte der Grund sind, warum das zyprische Bankensystem so groß ist im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes.
Deshalb konnte die Regierung die Banken (in einer Krise, die an sich mit dem Geschäftsmodell wenig zu tun hat) nicht so einfach mit Haushaltsmitteln retten.
Ich verstehe den Artikel so, dass die genannten Geschäfte der Grund sind, warum das zyprische Bankensystem so groß ist im Vergleich zur Wirtschaftsleistung des Landes.
Deshalb konnte die Regierung die Banken (in einer Krise, die an sich mit dem Geschäftsmodell wenig zu tun hat) nicht so einfach mit Haushaltsmitteln retten.
Wie kann eine gemeinsame Währung in diesem Europa der Steuerpadiese funktionieren, wenn die braven Steuerzahler die im Hochsteuerland Deutschland verblieben sind, dann mit ihren Steuergeldern Steurparadiese retten müssen. Toll, dass sich der steuerflüchtige deutsche Reeder darüber freute, dass er sogar an sein Geld kam, als die Banken geschlossen war.
Bravo Europa!
Die Russen können uns egal sein, nicht aber die deutschen oder anderen europäischen Steuerhinterzieher. Die Zeche zahlt dann der kleine Mann.
Eine gemeinsame Währung ohne einheitliche Steuern und soziale Mindesstandarts mit Steuerparadiesen für die Reichen ist eine Katastrophe .
...momentan der "Lieblingsfeind" in unseren "Qualitätsmedien".
zumindest diejenigen, die sich keine Sorgen machen müssen, also die, die einen Informationsvorsprung aufgrund ihres Geldes und Einflußes haben und so Hab und Gut in Sicherheit bringen können. Das wiederum sind solche, die....[bitte bleiben Sie sachlich]
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