Zypern: Limassolograd bleibt ganz entspannt
Reiche Russen und internationale Firmen: In Limassol kommt zusammen, was Zypern in Verruf gebracht hat. Doch die Stadt könnte die Krise gut überstehen.
© Patrick Baz/AFP/Getty Images

In Limassol wirbt ein Schild mit russischem Text in kyrillischen Buchstaben für den Kauf von Immobilien (Archivbild).
Limassol, die Stadt der Russen und des unsichtbaren Geldes, erstreckt sich in drei Schichten an Zyperns Mittelmeerküste. Vorne, am Wasser, reihen sich Cafés, Hotels, Boutiquen, dahinter die Wohnhäuser, Kanzleien und Finanzdienstleister, das ist die zweite Schicht. Ganz oben dann, auf den Hügeln, liegen die Häuser der Reichen: breite Einfahrten, hohe Hecken, Hauspersonal.
Ganz oben auf einem dieser Hügel steht die Villa von Eugen Adami, 52 Jahre alt, Schnauzbart, strenger Scheitel, norddeutscher Akzent, eingewandert im Jahr 1989. Adami verdient sein Geld als Reeder, er ist Vorsitzender der zyprischen Schifffahrtskammer. Wenn man ihn auf die Zäsur in Zypern anspricht, auf die Sparmaßnahmen, die Verluste auf Konten und wie all das seine Stadt verändern wird, gibt er eine überraschende Antwort: "Eigentlich wird sich dadurch in der Stadt nichts ändern".
Nichts wird sich ändern? Die Vermögensabgabe für Konten mit über 100.000 Euro zielt doch genau auf die vermögenden Russen, die hier in Limassol leben. Zehntausende sind es, dazu kommt jedes Jahr eine halbe Million Touristen aus Russland. Limassolograd nennen sie ihre Lieblingsstadt im Mittelmeer. Russische Schriftzüge auf den Schildern, russische Supermärkte, ein russischer Buchladen. Sogar russisches Eis an den Kiosken am Strand. Limassolograd, das ist eine Stadt unter Schock. Kaum ein Russe will reden über das Geschäft und die Krise. "Das Land, das wir kennen, ist über Nacht verschwunden", sagt einer. Das klingt eigentlich nach Wut und Abschied.
- Zyperns Geschäftsmodell: Steuern
Nach dem Beitritt zur Europäischen Union 2004 wollte Zyperns Regierung ausländisches Kapital anziehen. Die Körperschaftssteuer wurde auf zehn Prozent gesenkt. Auf Kapitalerträge müssen überhaupt keine Steuern gezahlt werden. Zwar wurden Gesetze gegen Korruption und Geldwäsche verabschiedet. Kritiker sagen aber, die Kontrolle sei schlecht und es habe sich wenig geändert im Vergleich zu vorher.
- Banken
Der zyprische Bankensektor ist stark aufgebläht und viel zu groß für das kleine Land: Die Bilanzsumme ist rund sieben Mal so groß wie die Wirtschaftsleistung des Landes. Die Geldgeschäfte sind dabei konzentriert auf drei Banken, die erst seit der Euro-Einführung im Auslandsgeschäft aktiv geworden sind. Die Banken refinanzieren sich in erster Linie über Einlagen – im Gegensatz zum restlichen Europa. Sie kauften überwiegend griechische Staatsanleihen. Dadurch verloren zyprische Banken beim Schuldenschnitt in Griechenland 2012 rund vier Milliarden Euro.
- Russland
Zyperns Banken lockten mit hohen Zinsen vor allem Privatanleger auf die Insel. Viele russische Investoren entdeckten das Anlageparadies für sich. Sie profitieren von den Steuererleichterungen und konnten ihr Geld gut verzinst im bislang als sicher geltenden Euroraum anlegen. Milliardensummen wurden nach Zypern transferiert. Schätzungen zufolge beträgt das russische Vermögen bei zyprischen Banken rund 26 Milliarden Euro. Finanzexperten vermuten, dass auch große Summen an Schwarzgeld via zyprische Geldhäuser reingewaschen wird.
Adami hingegen ist optimistisch, er denkt in längeren Zeiträumen. "Wissen Sie", sagt er, "in Zypern werden schon seit Tausenden Jahren internationale Geschäfte gemacht." Im Altertum exportierte die Insel Erz, das ihr auch ihren Namen gab. Im Mittelalter kamen die Kreuzzügler, Richard Löwenherz heiratete hier. In den späten 1970er Jahren kamen die Reeder, vor allem aus Deutschland, angezogen von den niedrigen Steuern. "Es war alles unheimlich gut", sagt der Unternehmer. Gut ausgebildete Leute, transparente Gesetze, fünf Prozent Körperschaftssteuer, heute sind es zehn, bald 12,5 Prozent. Kein Vergleich zu Deutschland. Später kamen die Russen, aber "eigentlich waren es die Deutschen, die Limassol zu einem Geschäftsstandort gemacht haben", sagt Adami.
Tatsächlich lebt die Stadt noch immer im großen Maße von der Schifffahrt, nicht von den Banken. Acht Prozent trägt die Branche zur Wirtschaftsleistung des ganzen Landes bei. Ein Viertel des europäischen Seetransports wird von den Reedern hier abgewickelt. Nicht nur sie profitieren von den niedrigen Unternehmenssteuern, auch andere Firmen lenken ihre internationalen Geschäfte von hier aus. "Die EU wollte Zypern dabei haben, weil von hier der Handel in den Nahen und Mittleren Osten und nach Nordafrika läuft", sagt Adami. Auch deshalb habe man damals in Brüssel nichts gegen die niedrigen Steuersätze gehabt. Die Kritik aus Europa an Zyperns Geschäftsmodell findet der Reeder deswegen "verdreht".




...wo ich vor 12 Jahren auf Zypern war, da war alles in der Hand von englischem Militäradel, und keiner hat sich aufgeregt...
Mehr fällt mir zu den heutigen ZON Artikeln leider nicht mehr ein. Das Niveau scheint in den Letzten Wochen "dahin zu schmelzen", wie leckeres russ. (welches auch in D. erhältlich und sehr zu empfehlen ist) Eis. Ach ja... Wieviele Millionen hatten z.B. griechische Bürger in dt. Luxuswohnungen investiert, um Unannehmlichkeiten zu "umschiffen" ?
und die Armen veranstalten Solidaritätskonzerte, um sich angesichts des Kommenden Mut zu machen, während die Reichen und die Geschäftemacher ihre Schäfchen schon wieder ins Trockene gebracht haben.
Was soll einem dazu noch einfallen außer der Frage, wieso die Menschen dies anscheinend unendlich mitmachen?
Was will mir Lenz Jacobsen eigentlich sagen? In aller Ausführlichkeit beschreibt er, worum es bei solchen Steuer-"Oasen" tatsächlich geht, nämlich um Steuerhinterziehung. Der einzige Grund, sein Geld nach Zypern zu bringen ist genau dieser! Selbst wenn es dort legal ist, sehe ich dieses als kriminellen Akt und dieser wird mit labsamen Worten vernebelt. Von Oasen und Geschäftsmodellen ist dann die Rede. Es gehört auch mit dem Waschen von Schwarzgeld in einen Topf geworfen. Ganze Agenturen verdienen legal ihr Geld damit, dass sie ihrer Klientel helfen, ihr erworbenes oder ergaunertes Vermögen im Ausland anlegen können, dabei noch Renditen erwirtschaften und Steuern sparen - also hinterziehen.
Ich habe nicht den geringsten Zweifel daran, dass die Zyprioten gelassen sind. Die Manager eines solchen Geschäftsmodells hätten nie zugelassen, dass die Klienten Geld und Vertrauen verlieren. Das war rechtzeitig in Sicherheit. Der Rest ist enweder gar nicht betroffen oder wird aufgefangen.
Es ist auch richtig, dass Zypern insofern eine Ausnahme ist. Genauso wie Luxemburg, Lichtenstein, Malta oder die Schweiz. Warum man Zypern deswegen retten muss, will mir allerdings nicht einleuchten. Besser wäre es doch, diesem "Geschäftsmodell" jegliche Grundlage zu entziehen und nur noch denjenigen zu helfen, die auf dieser Insel versuchen, ehrlich ihr Geld zu verdienen. Aber das ist sicher zu naiv gedacht. Genauso naiv wie der Glaube, es handele sich bei Zypern um eine Oase.
Russen sind gut wenn sie deutsche Luxus-Autos kaufen.
Aber wenn sie ein Haus auf Zypern kaufen, verwandeln sie sich in korrupte Oligarchen.
Ezz mal ehrlich. Lasst doch endlich die scheiss Zypernartikel bleiben. Interessiert doch keine alte Sau was da unten passiert auf der kleinen Insel.
Wenn ein Photonenstrom eine auffallend hohe Flußdichte hat, läßt sich fast stets berechtigt vermuten, daß sich relativ zur Strahlungsquelle hinter einem diesen Strom interzipierenden Körper der relative Photonenmangel in subjektiv mindestens ebenso auffallender Weise bemerkbar macht.
(Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten.)
...ist mal intelligent ! (Der Beste in einem heutigem dt. Blatt !)
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