Menschen stehen in Zypern vor einer Bank in Nikosia an. © Patrick Baz/AFP/Getty Images

Der Finanzbedarf Zyperns ist deutlich höher als bisher gedacht. Der Fehlstand bürdet dem Land zusätzliche Belastungen von rund sechs Milliarden Euro auf. Statt insgesamt 17,5 Milliarden Euro seien nun 23 Milliarden Euro nötig, um das Land vor der Pleite zu bewahren, teilte die zyprische Regierung mit.

Der zusätzliche Bedarf ergibt sich aus Restrukturierungen und Rekapitalisierungen im Bankensektor. Hinzu kommen Verpflichtungen aus mittel- und langfristigen Krediten des Landes sowie ein weiterer Mittelbedarf zur Staatsfinanzierung.

Regierungssprecher Christos Stylianides sagte, es stimme zwar, dass Zypern im November den Finanzbedarf mit ungefähr 17,5 Milliarden Euro beziffert habe. Aber: "Die Zahl liegt fortan bei 23 Milliarden Euro." Er machte die Vorgängerregierung für diese Entwicklung verantwortlich.

Die internationalen Geldgeber wollen weiterhin rund zehn Milliarden Euro übernehmen. Davon entfallen neun Milliarden Euro auf den europäischen Rettungsschirm ESM und eine Milliarde Euro auf den Internationalen Währungsfonds (IWF). Die Euro-Finanzminister wollen sich bei einem Treffen in Dublin bis Samstag grundsätzlich über das Hilfspaket verständigen. Mitte der kommenden Woche soll der Deutsche Bundestag seine Zustimmung geben. Das erste Geld könnte im Mai fließen.

Bankenreform, Goldreserven, höhere Steuern

Zypern selbst muss nach den neuen Zahlen 13 Milliarden Euro aufbringen. Bisher war beschlossen worden, Bankguthaben von mehr als 100.000 Euro zu besteuern. Zudem soll der Bankensektor reformiert und die zweitgrößte Bank Laiki Bank abgewickelt werden. Allein von dieser Restrukturierung erhofft sich die zyprische Regierung Einnahmen von 10,6 Milliarden Euro. Als weiteren Beitrag will die Notenbank die Goldreserven des Landes anzapfen, was etwa 400 Millionen Euro bringen könnte. Durch höhere Unternehmenssteuern und eine Abgabe auf Kapitalgewinne sollen weitere 600 Millionen Euro zusammenkommen. Unterstellt werden ferner Privatisierungserlöse über mehrere Jahre von 1,4 Milliarden Euro.

Die zyprische Wirtschaft wird nach Schätzungen, die Basis für das Hilfsprogramm sind, 2013 um 8,7 Prozent und 2014 um 3,9 Prozent schrumpfen. 2015 ist dann wieder von einer Rückkehr zum Wachstum mit einem Plus von 1,1 Prozent die Rede und für 2016 von einem Zuwachs von 1,9 Prozent.

Zypern strebt für 2017 einen Primärüberschuss – das ist der Saldo des Staatshaushalts vor dem Schuldendienst – von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung an und ab 2018 von 4 Prozent. Dieses Plus gilt als erforderlich, um die Schulden abzubauen. Zur Einnahmenstärkung sollen der Unternehmenssteuersatz auf 12,5 und der Steuersatz auf Zinseinkommen auf 30 Prozent steigen. Bei den Ausgaben sollen etwa eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter für Staatsdiener sowie Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem für Entlastung sorgen.