Passanten vor geschlossenen Läden in der Altstadt von Nikosia © Patrick Baz/AFP/Getty Images

Es ist ein einziges, riesiges Durcheinander in der Markthalle in der Innenstadt von Nikosia: Wacklige Türme aus kleinen und großen Kisten, "Pasta" hat einer ungelenk mit Filzstift darauf geschrieben. Daneben Tüten voller Dosensuppen, Saftpackungen, Reis. Auf einem wackeligen Tapeziertisch drängen sich Putzmittel und Shampoo-Flaschen. Zwischen all dem springt Panayiotis Larkou herum, klebt Kisten zu, trägt sie hin und her. Ständig klingelt sein Handy, keine Sekunde steht Larkou still. "Das ist alles so überwältigend!", sagt er aufgedreht, er ruft es fast. Aus einer kleinen, spontanen Idee, die der junge Regisseur und vier andere zyprische Künstler vor gerade einmal elf Tagen hatten, ist eine der größten Veranstaltungen geworden, die es jemals auf Zypern gab – und ein beeindruckendes Zeichen dafür, wie die Zyprer im Angesicht der Krise zusammenrücken.

Larkou, modisch getrimmter Bart, große schwarze Brille, Ohrringe, Latz-Arbeitshose, ist einer der Organisatoren von Cyprus Aid, eines Benefizkonzerts, das am Montagabend in Nikosia stattfand. Als Eintrittspreis erbaten sie Lebensmittelspenden für die Armen, für diejenigen, die die Krise am härtesten trifft. 50 Künstler aus Zypern und Griechenland haben sie zusammengetrommelt, keinen einzigen Euro haben sie bezahlt, nicht für die Gagen, nicht für die riesige Bühne und die Technik, und schon gar nicht für die am Ende fast 600 freiwilligen Helfer. Am Ende wurde ein achtstündiges Konzert am Rande der Altstadt daraus.

"Wir hatten mit vielleicht 3.500 Besuchern gerechnet", erzählt Larkou. Gekommen sind dann über 20.000 Menschen. Jetzt gehen die Organisatoren unter in den Spenden, sechs Lagerhäuser in der ganzen Stadt sind voll damit. Noch immer ist nicht alles sortiert und schon gar nichts verteilt an die Bedürftigen. "Wir können noch nicht mal sagen, wie viel es überhaupt ist", sagt Larkou.

In der Krise beginnen die Zyprer, einander verstärkt zu helfen. Für viele beginnt die Not erst jetzt, nach der Einigung über die Hilfe aus Brüssel. Und die Zyprer wissen, was auf sie zukommt. Um 20 bis 25 Prozent werde die Wirtschaft in den kommenden sechs Monaten einbrechen, schätzt der zyprische Unternehmerverband. Das bedeutet: Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne, steigende Armut. 

Die Kirche versorgt 2.000 Familien

Die schlechten Prognosen haben auch die orthodoxe Kirche wachgerüttelt, die vielleicht mächtigste Institution auf der Insel. 200 Meter entfernt von der Lagerhalle, in der Larkou und seine Mitstreiter Spenden sortieren, hat der Erzbischof seinen Sitz. Hier kümmert sich Panayiotis Panayotou seit vergangenem Juni darum, dass arme zyprische Familien nicht hungern müssen. In zwei Räumen lagert er Lebensmittel, gerade kommt eine neue Ladung H-Milch an. Anfangs hat die Kirche 600 Familien einmal im Monat mit dem Nötigsten versorgt, mittlerweile sind es 2.000. "Und sehr bald könnten es doppelt so viele sein", sagt Panayiotou. 

Über 50.000 Euro gibt die Kirche dafür jeden Monat aus. Peanuts einerseits für das reiche Erzbistum, dem ein Viertel der bisher drittgrößten zyprischen Bank gehört und das auch an der großen Bank of Cyprus Anteile hält. Andererseits: Viel sind die Anteile seit der Bankenkrise nicht mehr wert. Zur Not will die Kirche jetzt ihre Immobilen beleihen, um der wachsenden Zahl der Bedürftigen weiter helfen zu können, berichtet die Zeitung Cyprus Mail.

Keine Hilfe erfahren werden aber wohl die vielen Migranten auf der Insel. Dabei ist ihre Lage jetzt schon dramatisch, und die Krise dürfte sie verschlimmern.