BangladeschDer Druck auf Modemarken steigt

Nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch mit fast 1.000 Toten fordern Gewerkschaften und NGOs Konsequenzen. Die Modefirmen sollen ein Brandschutzabkommen unterzeichnen. von 

Sicherheitskräfte bergen eine Leiche aus den Trümmern der eingestürzten Fabrik in Dhaka, Bangladesch.

Sicherheitskräfte bergen eine Leiche aus den Trümmern der eingestürzten Fabrik in Dhaka, Bangladesch.  |  © AFP/Getty Images

Nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch steigt der Druck auf internationale Modeunternehmen, für mehr Sicherheit in den Produktionsstätten zu sorgen. Mehr als eine Million Menschen weltweit hätten Petitionen dazu unterstützt, teilte die Nichtregierungsorganisation (NGO) Kampagne für Saubere Kleidung mit. Konkret geht es um die sofortige Unterzeichnung eines Abkommens zum Gebäude- und Brandschutz in Bangladeschs Textilfabriken.

Bei dem Einsturz eines achtstöckigen Geschäfts- und Fabrikgebäudes in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka waren am 24. April über 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Rund 2.500 Menschen wurden verletzt. In dem Gebäude produzierten Textilunternehmen für Mode- und Bekleidungsmarken aus Europa und den USA. Erhebliche Sicherheitsmängel haben wiederholt zu Unfällen mit Toten und Verletzten in bangladeschischen Fabriken geführt.     

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Die Petitionsunterzeichner sendeten ein klares Signal an internationale Markenfirmen, die in Bangladesch produzieren ließen, eine weitere Tragödie durch nachhaltige Sicherheitsmaßnahmen zu verhindern, sagte Tessel Pauli von der Kampagne für Saubere Kleidung. Unter anderen nannte sie die Unternehmen H&M, Mango, GAP, C&A, Kik und Benetton. Laut der NGO starben seit 2005 mehr als 1.700 Fabrikarbeiter in Bangladesch infolge unsicherer Gebäude.

Für die Unterzeichnung des Brandschutz- und Gebäudesicherheitsabkommens machen sich neben der Kampagne für Saubere Kleidung insgesamt 17 internationale Gewerkschaftsverbände und andere Nichtregierungsorganisationen stark, in Deutschland beispielsweise die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Das Abkommen wurde nach Kampagnenangaben von bangladeschischen und internationalen Gewerkschaften sowie Arbeitsrechtsorganisationen erarbeitet. Es umfasst unter anderem Gebäudeinspektionen, Schulungen von Arbeitern und die regelmäßige Überprüfung der Sicherheitsstandards in Fabriken.

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Leserkommentare
  1. Was wir brauchen ist ein Menschenrechtsabkommen. Die die nicht durch schlechte Sicherheit umkommen, verelenden langsam vor sich hin.
    Keine Geschäfte mit Menschenschindern! Das ist die einzige Lösung. Alles andere ist heuchlerische Kosmetik.

    7 Leserempfehlungen
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    nicht den Beitrag Nr.2.

    @Beitrag Nr. 2,

    Wir diskutieren hier nicht über Modemarken versus Billigmarken, sondern über die Arbeits- und Existenzbedingungen der Menschen, die für beide Marktsegmente sich zu Tode schuften, bzw. durch die Arbeitsbedingungen direkt getötet werden.

  2. hat dies wenig zu tun... schlechtes Material... Billigheimer eben

  3. Brandschutzmaßnahmen und Erneuerung der verrotteten elektrischen Anlagen können nur ein Aspekt der Reduzierung der menschenunwürdigen elenden Situation der TextilarbeiterInnen sein, die mit ihren Familien teilweise in 10qm großen Zimmern leben.

    Eindeutiges Verbot der Kinderarbeit !

    Arbeitsschutz und Arbeitszeitregelungen, insbesondere für Jugendliche !

    Verdoppelung (mindestens) der Löhne !
    Wenn die Löhne von 24 auf 50 Euro erhöht würden, dann würde ein T-shirt statt 1.99 vielleicht 2.09 Euro kosten.

    Und wo wir beim Thema sind. Wenn jemand demnächst seine Garageneinfahrt pflastern möchte, dann sollte er auch daran denken, wie diese Steine über Zwischenhändler und dubiose Vertriebswege und ebenso dubiose Zertifikate aus den Steinbrüchen Indiens in unsere Baumärkte gelangen.

    Dort arbeiten ganze Familien beim Steinespalten, auch 5jährige Kinder, die meist das Jugendalter nicht erreichen, weil sie an einer Staublunge sterben.

    Und dann sind da auch noch die geklauten Kinder in den Kakaoplantagen von Elfenbeinküste, die für Nestlé und andere Schokofirmen auch schon mal mit der Machete sich selbst amputieren.

    Die Frage ist, wie das kontrolliert werden soll. Eine "Selbstverpflichtung" der Unternehmen ist eine lächerliche Farce.

    5 Leserempfehlungen
  4. nicht den Beitrag Nr.2.

    @Beitrag Nr. 2,

    Wir diskutieren hier nicht über Modemarken versus Billigmarken, sondern über die Arbeits- und Existenzbedingungen der Menschen, die für beide Marktsegmente sich zu Tode schuften, bzw. durch die Arbeitsbedingungen direkt getötet werden.

    Eine Leserempfehlung
  5. Nun, alle Modemarken können ganz einfach hier in Deutschland produzieren. Da sind automatisch auch alle Forderungen erfüllt. Sogar übererfüllt um es noch genauer einzugrenzen.

    Keines der im Artikel geforderten Kontrollsysteme kann in Bangladesh oder sonstwo in Asien auch nur annähernd vergleichbares beibringen, ist zum Scheitern verurteilt.

    Waren aus anderen Ländern unterliegen grundsätzlich dortigen Standards, so ist das nunmal. Wem selbst die Standards in Deutschland noch zu gering erscheinen muss eben " Made in Swizzerland " kaufen.

    Nur so am Rande, nebenbei

    4 Leserempfehlungen
  6. NGOs und Gewekschaften sollten sich bezüglich Gebäudesicherheiten und Brandschutz und ähnlichen Dingen an die Regierung in Bangladesch wenden.

    Dort sitzen die zuständigen Politiker und Verwaltungsbeamte, die Auflagen zu bestimmen haben und die Einhaltung kontrollieren müssen.

    Es ist absurd, die Betreiber oder Nutzer von Gebäuden bzw. Betriebseinrichtungen dies selbst durchzuführen, Objektivität kann nur durch unabhängige Dritte gewährleistet werden - falls die überhaupt dies wollen oder dazu fähig sind, andernfalls ist das Ganze schon von vornherein zum Scheitern verurteilt.

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    Leider ist es haeufig so, dass selbst in solchen Staaten wie Bangladesh Vorschriften existieren, nur die werden eben nicht durchgesetzt. Die Kontrolleure lassen sich kaufen und dann wird eben alles als gut und in Ordnung bestaetigt. Das Problem fast aller Staaten ist Korruption und es ist alles andere als einfach dem Herr zu werden.

  7. ... könnte problemlos sicherstellen, dass in Deutschland ausschließlich in Deutschland produzierte Textilware zu festgelegten Preisen verteilt werden.

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    wie soll das funktionieren? und wie so einen wechsel vollziehen ohne dass alle diese h&m mädels kopfstehn und ihre demokratischen rechte einfordern?
    also, ich meine, ernsthaft, es klingt gut und wäre ja wunderbar. aber wie ist das durchführbar?

  8. Leider ist es haeufig so, dass selbst in solchen Staaten wie Bangladesh Vorschriften existieren, nur die werden eben nicht durchgesetzt. Die Kontrolleure lassen sich kaufen und dann wird eben alles als gut und in Ordnung bestaetigt. Das Problem fast aller Staaten ist Korruption und es ist alles andere als einfach dem Herr zu werden.

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    Antwort auf "Falscher Adressat"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, mpi, dpa
  • Schlagworte Bangladesch | Benetton | Brandschutz | Ver.di | Fabrik | Gewerkschaft
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