BundeswehrDas Drohnen-Desaster

Für Hunderte Millionen Euro kaufte die Bundeswehr eine Aufklärungsdrohne aus den USA, die hier nicht fliegen darf. Jetzt wird das Projekt gestoppt. von 

Sie sieht ein wenig aus wie ein fliegender Wal. Die Drohne Euro Hawk sollte der Bundeswehr neue Fähigkeiten bringen, Aufklärungsflüge von Deutschland aus zu Zielen in der ganzen Welt ermöglichen. "Fast 15 Meter Länge, 40 Meter Spannweite, 14,5 Tonnen maximales Abfluggewicht, fast 23.000 Kilometer Reichweite und eine maximale Flugdauer von knapp 30 Stunden – in der Luft übertrumpft der Euro Hawk derzeit alle anderen UAS", schwärmte das Bundeswehrmagazin Y noch vor Kurzem.

Doch mit der Begeisterung für das Millionenprojekt ist es bei der Luftwaffe schlagartig vorbei. Abheben wird Euro Hawk wohl nur noch wenige Male zu Testzwecken. Das Verteidigungsministerium will das teure Drohnenprojekt beenden – per Notausstieg ohne Schleudersitz.

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Seit Monaten bekommt das unbemannte Flugzeug keine Genehmigung für den deutschen Luftraum. Unter anderem befürchteten die zuständigen Behörden, dass Euro Hawk in der Luft zivile Flugzeuge behindern oder gar rammen könnte. Die Drohne soll nicht mit der nötigen Technik ausgerüstet sein, die Zusammenstöße verhindern könnte. Die Zulassung scheint vor allem an fehlenden Dokumenten gescheitert zu sein, die der US-Hersteller nicht geliefert hat. Für in dieser Woche anstehende Testflüge der Euro Hawk in Bayern muss der gesamte Luftraum in der Region gesperrt werden. Für einen regulären Einsatz der Drohnen ist das keine Option.

Bereits beim Überführungsflug 2011 aus den Vereinigten Staaten nach Deutschland sollen schwere technische Probleme mit der Steuerung aufgetreten sein. Euro Hawk musste zudem wegen gesperrter Lufträume große Umwege fliegen. Erst da soll dem Verteidigungsministerium aufgefallen sein, dass es Probleme mit der Zulassung geben könnte, berichten Insider. Die amerikanischen Partner hätten zwar den Flieger geliefert, aber nur wenige technische Unterlagen. Von einer "Black Box" sprechen Rüstungsexperten, wenn der Kunde nicht alle technischen Details erhält. Amerikanische Rüstungsunternehmen weigern sich häufig, alle ihre Geheimnisse mit den Kunden zu teilen.

Ein Hangar für 2,5 Millionen Euro

Nun fehlen den deutschen Streitkräften wichtige Aufklärungsfähigkeiten – von Piloten gesteuerte Flugzeuge mit ähnlichen Aufträgen wurden vor zwei Jahren bereits außer Dienst gestellt. Die Drohne sollte ihre Aufgaben übernehmen.

Vom Bundeswehrstützpunkt in Jagel sollte Euro Hawk für Langstreckenflüge aufbrechen. Dort baute die Luftwaffe einen Hangar für 2,5 Millionen Euro. Auch Drohnenpiloten wurden bereits ausgebildet. Weder das Gebäude noch der Stützpunkt werden künftig den Euro Hawk beherbergen – die Kosten für den Hangar sind noch das kleinste Problem von Verteidigungsminister Thomas de Maizière in einem der schlimmsten Beschaffungsdesaster der vergangenen Jahre.

Um doch noch eine Zulassung für den deutschen Luftraum für Euro Hawk zu bekommen, müsste man neue Technik einbauen. Das würde nach Schätzungen von Experten Hunderte Millionen Euro kosten. Weiteres Geld will das Verteidigungsministerium für den unbemannten Aufklärer aber nicht ausgeben. Deshalb werde "eine Reißleine gezogen", man wolle "lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende", so war aus dem Ministerium zu hören.

Leserkommentare
  1. Warum baut man keine eigene Drohne? Die kann man so gestalten, wie man sie braucht.

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    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen Kommentarstil. Die Redaktion/mak

    Deutschland hat so ziemlich jeden High-End Trend der letzten 20 Jahre verschlafen. Wir haben weder Firmen, noch Universitäten, noch Fachkräfte die das Know-How haben auch nur ansatzweise so etwas zu bauen

  2. Und da beschweren die sich, dass man hier keine Steuern mehr bezahlen will. Von dem Geld hätte man Deutschland mit Kindergärten und Schulen zubomben können.

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  3. Wie kann man denn bitte so immens hohe Geldbeträge für etwas ausgeben BEVOR alle nötigen Details dafür geklärt wurden!? Hat man da gehofft, dass sich das alles schon irgendwie von allein klären würde?

    Das Verteidigungsministerium konnte es wohl einfach nicht abwarten beim aktuell schlechten Standing der Bundeswehr und dem Mangel an neuen Rekruten für diese 'moderne' Berufsarmee mit einer (!) neuen Drohne das eigene Image etwas zu aufzubessern.

    Mich würde sehr stark interessieren, wieviel Millionen durch Fehlplanungen und dergleichen allein in dieser Legislaturperiode verschwendet wurden.

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    man wird das ding ja nun nicht gleich wegschmeißen. auch solche sachen kann man weiterverkaufen.

  4. brauchen wir für Murks wie diesen scheinbar jetzt auch eine Politikerhaftung. Wahlniederlagen haben offenbar kein ausreichendes Drohpotential.

    Man kann sich nur an den Kopf fassen (bei Annahme des Durchschnittsjahreseinkommens von 28.950 € enstpricht dies beispielsweise dem Lohnsteueraufkommen von mehr als 1.6 Millionen Arbeitsstunden).

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    nicht Stunden.

    Sie müssen das anders sehen:
    Das Eurohawk-Projekt hat 34.000 Menschen mit dem Durchschnittseinkommen ein Jahr lang beschäftigt.
    Das ist kein Missmanagment, das ist ein Konjunkturprogramm, das Arbeitsplätze schafft!
    So leistet auch die Bundeswehr einen aktiven Beitrag zum Wachstum und hilft so mit, die Zukunft des Kapitalismus zu sichern.

    • shtok
    • 15. Mai 2013 19:58 Uhr

    wohl wenig mit zu tun, dafür sind die Beamten im Verteidigungsministerium, die Luftwaffe und deren Consultants verantwortlich. Nur gibt es für die in D nun gar keine Haftung, da diese alles auf ihren Dienstherrn der Stunde schieben können und weiter in ihren Positionen bleiben, auch wenn der Dienstherr wechselt. Die ganze Sache dürfte noch eine Nachwehe des Sunny-Boys zu Guttenberg sein.

    @Thema
    Warum taucht der Name EADS eigentlich nicht auf die ja anscheinend primär für das Innenleben der Drohne verantwortlich zeichnen.
    http://en.wikipedia.org/wiki/RQ-4_Global_Hawk#Luftwaffe

  5. nicht Stunden.

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  6. sagt Danke an den deutschen Steuerzahler.

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    • hairy
    • 15. Mai 2013 21:59 Uhr

    bzw. gewisse Entscheidungsträger einer gewissen Regierungspartei beweisen so mal wieder ihre Kompetenz im Wirtschaften.

  7. Die Euro Hawk verfügt über keinerlei Bewaffnung, sie ist zur Aufklärung gedacht.

    Eventuell besteht die Möglichkeit die Drohne an ein anderes Europäisches Nato-Land oder die NATO zu verkaufen? Neben Deutschland, will/wollte ja auch die Nato 5 Drohnen beschaffen, allerdings in einer anderen Version.
    Spanien prüft ebenfalls die Anschaffung.

    Natürlich ist auch die Frage interessant wie es mit Fluggenehmigungen in den anderen europäischen Ländern aussieht.

    Deutschland ist derzeit nicht in der Lage etwas vergleichbares herzustellen, zu den ambitioniertesten Drohnenprojekten in Deutschland zählt die Barracuda.

    Eine Leserempfehlung
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    Nagut, dann ist es eben kein Bomber, sondern eine fliegende Kamera. Aber die soll ja auch nur ausspähen wo man Bomben abwerfen kann. Eine Bomberdrohne kommt dann halt als nächstes.

  8. und da sehe ich bei unseren Beschützern so einige zu beleuchtende Knotenpunkte: Nationale Souveränität an den Amerikaner "anvertraut", US-Besatzungstruppen im eigenen Land, Chaos-Krieg gegen die Barfuß-Taliban, Unterstützung von Al-Kaida und Al-Nusra im In- und Ausland, verschenken von Aombomben-Ubooten an Religionsgemeinschaften, die noch 6 Millionen Rechnungen mit uns offen haben, Verkauf von schwerem kriegsgerät an die Superdiktaturen in Bahrain, Katar, Saudi, Arabien, Schulterschluss mit dem notorischen Salafisten Erdogan, Kolonialisierung von Afrika, ein Lügenbaron, dann einen Hugenotten als Verteidigungsminister den Minderheitenverfolgung mehr interessiert als die Sicherheit der Mehrheit.

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    • Pangea
    • 15. Mai 2013 19:31 Uhr

    auch mir dieser Drohnendeal stinkt - Sie sollten ein wenig auf Ihren Ton achten. Ein Wunder, dass die Redaktion hier noch nicht eingegriffen hat.

    landen wir an einer Stelle, die wir Alle nicht wollen. Ich erkenne keine falsche Aussage im Text von fieberglas. Der Erdogan, naja, er ist einfach ein moralfreier Machtmensch. Das ist ja heutzutage gesellschaftsfähig.
    Zum Thema Drohnen: wir forschen doch schon seit Jahren an sowas und basteln das auch. Viele Unis besorgen sich so "Drittmittel" - notgedrungen. Ist ja auch ein interessantes Feld, aber eben so unangenehm tödlich. Ich könnte noch hinten umfallen vor Lachen, wenn ich solche Einwürfe höre: ...ist doch unbewaffnet. Klar doch. Das wird auch so bleiben - gewiss. Das geht so schleichend. Schritt für Schritt. Deshalb raffen das so viele Leute nicht. Und wenn dann Einer mal die Rechnung aufmacht (wie hier fieberglas) ist das so übel, daß man sich übergeben möchte. Und dann kommt wirklich Einer, der lieber den Boten hinrichten will (fieberglas), anstatt die Täter in den Führungspositionen. Dazu fällt mir keine Formulierung mehr ein, die man mich hier schreiben lassen würde.

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