EU-Schuldenkrise : Italiens Finanzminister will nicht sparen

Der Widerstand gegen Deutschlands Kurs in der Schuldenkrise wächst. Italiens Finanz- und Wirtschaftsminister Saccomanni lehnt weitere Einsparungen ab.
Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Fabrizio Saccomanni © Andreas Solaro/AFP/Getty Images

Italiens neuer Wirtschafts- und Finanzminister Fabrizio Saccomanni lehnt weitere Einsparungen und Steuererhöhungen für sein Land ab. "Italien möchte Europa zu einer Strategie bewegen, die sich mehr auf das Wachstum konzentriert", sagte Saccomanni dem Fernsehsender La7 vor dem Finanzministertreffen der sieben führenden westlichen Industrienationen (G7).

Deutschland steht seit Wochen in der Kritik anderer EU-Mitgliedsstaaten, weil die Bundesregierung auf einen harten Sparkurs dringt. Der Streit über die richtige Strategie gegen die Krise wird auch die G7-Finanzminister beschäftigen, die sich an diesem Freitag in der englischen Grafschaft Buckinghamshire erstmals seit drei Jahren wieder in diesem Kreis treffen.

Saccomanni deutete an, dass seine Regierung möglicherweise die Defizitziele für das kommende Jahr überarbeiten wird. "Die Regierung hat ihren gesamten Bewegungsspielraum beim Defizit 2013 genutzt und wird dies auch 2014 tun", sagte der ehemalige Notenbanker. In diesem Jahr strebt die Regierung eine Neuverschuldung von 2,9 Prozent der Wirtschaftsleistung an und 2014 bislang 1,8 Prozent. Beim für Montag geplanten Treffen der Finanzminister der Euro-Gruppe in Brüssel werde er aber versprechen, dass Italien zu seinen Budgetzielen steht.

Frankreichs Finanzminister Pierre Moscovici wies derweil Vorwürfe zurück, seine Regierung spare nicht genug. Moscovici sagte im Deutschlandfunk, die französische Haushaltspolitik sei "ernsthaft" und ziele "darauf ab, Defizite zu verringern". Jedoch dürfe nicht zu viel gespart werden: Seine Regierung weise "einen Austeritätskurs zurück, dieses Dogma, welches das Wachstum bremst". Zuvor hatte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann die Regierung in Paris zu mehr Haushaltsdisziplin ermahnt.       

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Kommentare

81 Kommentare Seite 1 von 8 Kommentieren

@58 wie käme nach ihrer vorstellung geld im idealfall in umlauf?

Ganz einfach, langfristig betrachtend sind entweder die realen Soll und Haben Seite ausgeglichen, oder man unterlegt der Versuchung eine oder andere Seite der goldenen Wage dauerhaft zu manipulieren.

Wenn die Bemessungsinstrumenten der einzelnen oder gesamten Salden so bestimmt sind dass langfristig ein Gleichgewicht vorhanden ist, dann sind die Interventionen wie seit Jahren z.B. mit der Hilfe QE 1.2.3... oder Ankauf der Anleihen durch Zentralbanken überflüssig. Die Interventionen in einer begrenzten Zeit dienen ausschließlich den Geldumlauf zu sichern, um das vorher beschriebene goldene Regeln zu erhalten und nicht um sie zwingend so gar fahrlässig zu ändern.

Und man sollte sich keine großen Gedanken um den Geldumlauf machen. Es wird sich immer so oder so drehen solange es Menschen gibt. Der langfristig betrachtend optimale Geldumlauf wird erst durch eine wirtschaftlich ökonomisch verantwortliche Eigeneinstellung geschafft. Und es heißt, ich zahle meine Schulden, ich investiere weil meine Darlehen werden bedient.

Zwischen wahren Geldgeber die den tatsächlichen Mehrwert schaffen und Geldnehmer die diesen Mehrwert ehrlich zurückzahlen wollen und können hat sich mittlerweile ein gigantisches System eingenistet und er gehört zur objektiven Analyse, einfach darum weil die goldene wage zwischen Leistungen - Soll-Haben Seiten gestört wird.

Man kann zwar tricksen so lange man es will oder kann, aber ein Null-Bilanz garantiert langfristig den optimalen Geldumlauf.

Die Aufösung des heutigen EU-Gebildes kommt ganz sicher

>>> Langfristig, kommt kein Weg der Wirtschaftsdoktrin an die absolute Experten - die "schwäbische Hausfrau" vorbei.

Nur wenn Sie den Bankrott nicht als Teil des üblichen Kreislaufes verstehen. Bisher hat noch jedes staatliche Gebilde sein Ende gefunden, entweder im Staatsbankrott oder in einem als allerletztes Mittel verursachten Krieg oder durch zuvorkommende Annektion. Es gab noch nie ein 1000jähriges Reich und keinen 1000jährigen Staatshaushalt.
Der Staatsbankrott Italiens und anderer ist daher nur noch eine Frage der Zeit.
Am schönsten wäre die Auflösung Italiens und Deutschlands etc. in einem Vereinigten Staaten von Europa. Dann hätten meine Kinder wenigstens noch ein kleines Etwas von meinen Steuerzahlungen.