Liberty ReserveUSA stoppen Digital-Währung wegen Geldwäsche

Schwerer Rückschlag für digitale Währungen: Über Liberty Reserve sollen Milliarden Dollar illegal in den Wirtschaftskreislauf gelangt sein. Der Dienst wurde abgeschaltet.

Die US-Justiz geht wegen des Verdachts auf Geldwäsche gegen die Digitalwährung Liberty Reserve vor. Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem in Costa Rica ansässigen Unternehmen vor, über sein Online-Bezahlsystem sechs Milliarden Dollar (4,6 Milliarden Euro) illegal in den Wirtschaftskreislauf eingeschleust zu haben. Den Angaben zufolge handelt es sich um die umfangreichsten Geldwäsche-Ermittlungen aller Zeiten.

"Die einzige Freiheit, die Liberty Reserve seinen Nutzern gab, war die Freiheit, Verbrechen zu begehen", sagte der US-Staatsanwalt Preet Bharara in Anspielung auf den Namen der digitalen Währung. Die Internetseite von Liberty Reserve wurde geschlossen. Die Firma sei eigens dazu eingerichtet worden, um Geldwäsche im Internet zu erleichtern.

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Internetnutzer konnten auf der Plattform von Liberty Reserve Euro oder Dollar in digitale Währungseinheiten eintauschen und dann ihre Finanzgeschäfte jenseits staatlicher Regulierung abwickeln. Der Staatsanwaltschaft zufolge soll das Unternehmen mindestens 55 Millionen illegale Transaktionen für mehr als eine Million Nutzer vorgenommen haben. Damit habe Liberty Reserve weltweit kriminelle Machenschaften erleichtert.

Beobachter in den USA gehen davon aus, dass die Aktion nur ein Teil von weit angelegten Ermittlungen gegen digitale Währungen und Bezahlsysteme ist. Dies wollte das US-Finanzministerium aber nicht bestätigen. "Ich möchte klarstellen, dass wir mit dieser Aktion nicht versuchen, virtuelle Währungen und ihre Anbieter zu vernichten", sagte der US-Finanzermittler David S. Cohen.

17 Länder an Ermittlungen beteiligt

An den Ermittlungen sind den Angaben zufolge die Justizbehörden von 17 Ländern beteiligt. Firmengründer Arthur B. wurde demnach bereits am vergangenen Freitag in Spanien festgenommen. Insgesamt seien fünf Mitarbeiter von Liberty Reserve in Spanien, Costa Rica und in den USA verhaftet worden.

Nutzer mussten bei der Einrichtung eines Kontos sehr wenige Informationen angeben, die Liberty Reserve in der Regel nicht überprüfte. Die Geschäfte konnten weitgehend anonym abgewickelt werden. Einmal registriert konnten Nutzer für Bargeld die Währung "LR" kaufen und sie untereinander hin und her tauschen, sowie über Dritte wieder in Bargeld wechseln. Diese Firmen ermöglichten wiederum den Zugang zu eher herkömmlichen Bezahlsystemen.

Liberty Reserve unterhielt Beziehungen zu 35 Drittparteien. Einige von ihnen überwiesen Geld beispielsweise über den Ebay-Bezahldienst PayPal oder Kreditkartenfirmen wie Visa, Mastercard und American Express. Die Liberty-Reserve-Kontonummern mussten dabei nicht offengelegt werden.

Liberty Reserve hat der Anklage zufolge jedoch keine Bank- oder Transaktionsdaten über die Drittparteien gesammelt. Über die im Jahr 2006 gegründete Liberty Reserve wurden jährlich etwa zwölf Millionen Transaktionen abgewickelt.

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Leserkommentare
  1. pro User ca. 1000 Euro gewaschen.

    Da wird ein Faß aufgemacht um etwas unliebsames von der Welt zu bekommen.

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    wären das wohl eher 6000 Dollar je User und 916 Dollar pro Transaktion.

    Das mag zwar nicht viel erscheinen, aber illegal bleibt trotzdem illegal. Sie lassen ja auch keinen Dieb laufen, nur weil er weniger als 1000 Euro klaut.

    Zitat: "pro User ca. 1000 Euro gewaschen. Da wird ein Faß aufgemacht um etwas unliebsames von der Welt zu bekommen."

    Ich bin kein Experte in Geldwäsche. Aber könnte es nicht sein, dass hinter den ca. eine Million "Usern" wesentlich weniger reale Personen stehen, die auf diese Weise ihr schwarzes Geld rein waschen wollen?

    Das sind schon sehr große Summen, da wir hier von einem Durchschnittswert ausgehen können.
    Da es in einigen Ländern als Paypal Ersatz genutzt wurde (wo es Paypal nicht gibt), können wir davon ausgehen dass viele kleinere Dinge auch damit bezahlt wurden, vielleicht der Bereich 10-50$. Wenn ich kein Paypal hätte, und gleich viel einkaufen würde aktuell (über Paypal), dann hab ich im letzten Monat 5 Transaktionen von insgesamt 30 € gehabt.
    Wenn ich jetzt nicht absolut merkwürdige Zahlen habe, ist der Durchschnittswert hier ziemlich untauglich. Viele Nutzer die wenig machen, und es nur für legale Transaktionen hin und wieder verwenden, verdecken hier auch größere Beträge.

    • Lefty
    • 28. Mai 2013 20:45 Uhr

    Liberty Reserve steht bei zahlreichen Strafermittlungsbehörden weltweit unter Verdacht, für Geldwäsche benutzt zu werden, darüber hinaus ebenfalls im Verdacht, für illegale Aktivitäten und deren Bezahlung wie Drogen und Arzneimittelhandel. Bei einer internationalen Aktion am 24. Mai 2013 gegen Geldwäsche wurde Arthur Budovsky, einer der Betreiber von Liberty Reserve in Spanien verhaftet, ihm droht ein Verfahren in den USA. Gleichzeitig durchsuchten Polizisten sein Anwesen und seine Büroräume in zwei Städten in Costa Rica. Bereits zuvor war der Betreiber in den USA im Visier der Strafermittlung, so zog er 2006 aus den USA nach Costa Rica, weil ihm in den USA wegen des Betriebs eines illegalen Finanzdienstleisters (Gold Age) eine fünfjährige Bewährungsstrafe drohte. Gleichzeitig ging das System sowie die Internetpräsenz von Liberty Reserve offline.

    Geschätzt liegen derzeit Millionen von Dollar auf Liberty Reserve Konten, die derzeit nicht von deren Betreibern abgehoben werden können, eine eventuell ausstehende Beschlagnahmung durch die Behörden ist nicht ausgeschlossen. Betroffen hiervon sind jedoch auch legale Transaktionen, insbesondere in Ländern, in denen Liberty Reserve bisher als Paypal-Ersatz diente, da es in den entsprechenden Ländern kein Paypal gibt[

    Aus wikipedia

    2 Leserempfehlungen
  2. Geldwäsche ist hier nur ein Vorwand. Ich sag nur HSBC... und viele andere. Zuvor wurde Dwolla und Bitcoin-24 platt gemacht. Und jetzt Liberty Reserve.
    Man hat wohl große Angst vor Alternativen und davor das Geldschöpfungsmonopol zu verlieren.
    Als nächstes wird dann Gold und Silber verboten oder was ?

    15 Leserempfehlungen
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    Da wird quer durch die ganze Online-Welt gejubelt, dass mit Bitcoin & Co. endlich quasi anonyme Zahlungen möglich sind, aber gleichzeitig will keiner wahrhaben, dass genau das der Traum eines jeden Kriminellen ist.

    Glauben Sie ernsthaft, dass Leute, die bislang während ihres Skiurlaubs "aus Versehen" ein paar Koffer voller Geld in die Schweiz mitgenommen haben oder die ein paar Millionen auf zyprischen Konten geparkt haben, weil da die Kontrollen quasi nicht existent waren, aus moralischen Gründen auf die Nutzung anonymer Online-Zahlungsmittel für ihre kriminellen Machenschaften verzichten?

    Tja wer sein Geld wäscht, ohne seinen Tribut zu leisten an Wallstreet und City of London, wird zerschlagen. Das Monopol auf dreckiges Geld muss aufrecht erhalten werden!

    Man denke an das Goldverbot der USA 1933 - 1974 unter Androhung USD 10'000 Busse und oder 10 Jahre Haft. Freibetrag USD 100.

    Bitcoin wurde keinesfalls dichtgemacht, benutze es selber (im Sinne von testen, mining etc.) - ich bin fasziniert von diesen Möglichkeiten.

  3. Da wird quer durch die ganze Online-Welt gejubelt, dass mit Bitcoin & Co. endlich quasi anonyme Zahlungen möglich sind, aber gleichzeitig will keiner wahrhaben, dass genau das der Traum eines jeden Kriminellen ist.

    Glauben Sie ernsthaft, dass Leute, die bislang während ihres Skiurlaubs "aus Versehen" ein paar Koffer voller Geld in die Schweiz mitgenommen haben oder die ein paar Millionen auf zyprischen Konten geparkt haben, weil da die Kontrollen quasi nicht existent waren, aus moralischen Gründen auf die Nutzung anonymer Online-Zahlungsmittel für ihre kriminellen Machenschaften verzichten?

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    Antwort auf "Scheinheiligkeit"
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    Das ist der Kernvorwurf der ich der älteren Generation nahezu pauschal an den Kopf werfen kann. Man hat sich bequem eingerichtet in einer Welt in der die USA WEltpolizist spiele, nach zweifelhaften moralischen Maßstäben. Nach und nach wird dann bestätigt, was zuvor noch als "Verschwörungstheorie" galt:

    Angefangen bei Geldwäscheskandalen der etablierten Banken (u.a. Mehrstellige Milliardenbeträge aus der Drogenwirtschaft in US Banken, Libor Skandal, Geheimgefängnisse, Entführungen von EU Bürgern durch die CIA, Target Killing ohne Rechtsgrundlage, Finanzierung von "Widerstandskämpfern", welche Menschen das Herz herausschneiden und aufessen....) Wie wird denn zur Zeit das kriminelle Geld wieder in den Kreislauf zurückgepumpt?

    Was meinen Sie? Etwa durch das etablierte Banksystem? Genau, sollen wir deswegen einmal alle Banken, bis auf vielleicht die Genossenschaftsbanken, einmal komplett schließen und überprüfen? Ich bin dabei. Schauen wir einmal nach, wie es in der "Realen Wirtschaft" um Geldwäsche bestellt ist, bisher können wir ja nur Vermutungen anstellen.

    Wieso gibt es überhaupt 500 € Scheine, wenn Bargeldtransaktionen über einem gewissen Geldbeträge nahezu ausschließlich dubiosen Geschäften dienen?

    Öffnen Sie ihre Augen, natürlich wurde über Liberty Reserve schindluder betrieben , was zu verurteilen ist, aber genauso wird über Pay Pal und das herkömmliche Bankensystem betrogen was das Zeug hält - aber das schreitet niemand ein.

    Ein Schelm der böses denkt.

  4. wären das wohl eher 6000 Dollar je User und 916 Dollar pro Transaktion.

    Das mag zwar nicht viel erscheinen, aber illegal bleibt trotzdem illegal. Sie lassen ja auch keinen Dieb laufen, nur weil er weniger als 1000 Euro klaut.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Im Schnitt wurden also"
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    werden die Bitcoins über Banken eingezahlt und über Banken ausgezahlt.
    Eine Kontrolle ist also durchaus möglich.

    Lediglich wohin sie wandern dürfte den Behörden unbekannt sein.
    Geldwäsche könnte also, wenn ich das System richtig verstehe, durchaus ohne solche Aktionen unterbunden werden.

    Es dürfte deshalb weniger um Geldwäsche gehen, als dass es den Staaten stinkt, nicht genau zu wissen was der Einzelne mit dem Geld macht.

    Es gibt da ein Schatten-Handelssystem und da werden wahrscheinlich auch Steuern unterschlagen. Aber Geldwäsche ???

    Da das System in vielen Länder statt paypal verwendet wurde, sind es vermutlich viele Nutzer mit weniger Euros und sehr wenige Nutzer mit sehr sehr vielen Illegalen Euros.

  5. werden die Bitcoins über Banken eingezahlt und über Banken ausgezahlt.
    Eine Kontrolle ist also durchaus möglich.

    Lediglich wohin sie wandern dürfte den Behörden unbekannt sein.
    Geldwäsche könnte also, wenn ich das System richtig verstehe, durchaus ohne solche Aktionen unterbunden werden.

    Es dürfte deshalb weniger um Geldwäsche gehen, als dass es den Staaten stinkt, nicht genau zu wissen was der Einzelne mit dem Geld macht.

    Es gibt da ein Schatten-Handelssystem und da werden wahrscheinlich auch Steuern unterschlagen. Aber Geldwäsche ???

    3 Leserempfehlungen
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    aber bei uns sind Transaktionen über 20.000 Euro ohne Herkunftsnachweis Geldwäsche.

    Aber der Artikel ist sowieso etwas verwirrend geschrieben. Eine illegale Transaktion muss ja nicht gleichbedeutend mit dem Einschleusen von Geld in den Wirtschaftskreislauf sein.

    Deshalb könnte es sich um noch viel mehr Geld handeln, aber "nur" bei 4,6 Milliarden Euro hat man versucht dieses Geld in legales zu verwandeln. (Umwandeln von Liberty Reserve in Dollar, Euro oder sonstige Währung)

  6. .
    ... any other currencies before me!"

    Kriminelle Vereinigung:

    http://www.zeit.de/wirtschaft/2012-07/hsbc-geldwaesche-drogen-mexiko

    Da gäbs also durchaus andere, die man gut und schnell mal für ein paar Jährchen wegen erwiesener, notorischer, vorsätzlicher und fortgesetzter international organisierter Wirtschaftskriminalität einsperren und deren Bankengeld zur Gänze beschlagnahmen und einziehen könnte, vom sofortigen Lizenzentzug ganz zu schweigen ....

    4 Leserempfehlungen
  7. aber bei uns sind Transaktionen über 20.000 Euro ohne Herkunftsnachweis Geldwäsche.

    Aber der Artikel ist sowieso etwas verwirrend geschrieben. Eine illegale Transaktion muss ja nicht gleichbedeutend mit dem Einschleusen von Geld in den Wirtschaftskreislauf sein.

    Deshalb könnte es sich um noch viel mehr Geld handeln, aber "nur" bei 4,6 Milliarden Euro hat man versucht dieses Geld in legales zu verwandeln. (Umwandeln von Liberty Reserve in Dollar, Euro oder sonstige Währung)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters, mpi, zz
  • Schlagworte USA | Geldwäsche | American Express | Dollar | Ermittlung | Mastercard
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