Strom : Bundestag hebt Verbot für Nachtspeicherheizungen auf

Mit den Stimmen von Union und FDP hat das Parlament ein Verbot aus Zeiten der großen Koalition gekippt. Umweltschützer sprechen von "unverhohlener Klientelpolitik".

Die rund 1,5 Millionen Nachtspeicherheizungen in Deutschland können über das Jahr 2019 hinaus betrieben werden. Der Bundestag kippte mit den Stimmen von Union und FDP ein Verbot aus den Zeiten der großen Koalition.

Die einst massenhaft installierten Nachtspeicheröfen waren lange als teure Stromfresser verpönt. Nun werden die Geräte wegen der je nach Wetter schwankenden Wind- und Solarstromproduktion als flexible Speicher entdeckt, die überschüssigen Strom aufnehmen.

Nachtspeicherheizungen könnten ein wichtiger Baustein bei der Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien sein, begründeten die CDU-Abgeordneten Joachim Pfeiffer und Thomas Bareiß die Aufhebung des Verbots. Die bisherigen Speicherkapazitäten für Strom reichten bislang nicht aus.

Deutschland steuert auf einen Rekordüberschuss an Strom in diesem Jahr zu – auch weil Braun- und Steinkohlekraftwerke nicht flexibel genug auf das schwankende Ökostromangebot reagieren können. Umweltschützer sprechen daher von einem Lobbygeschenk, da die Aufhebung des Verbots das Energiesparen behindere, anstatt es zu fördern. Unter anderem der Energiekonzern RWE, der viel Kohlestrom produziert, hat sich für eine Umrüstung der Nachtspeicheröfen zu Speichern stark gemacht. 

Der derzeitige Bestand an Nachtspeicherheizungen in Deutschland sei verantwortlich "für eine gewaltige Stromverschwendung von 10 bis 15 Terawattstunden (TWh), das entspricht rund zwei bis drei Prozent des nationalen Strombedarfs", schreibt die Deutsche Umwelthilfe. Die Nachtspeicherheizungen bräuchten vor allem im Winter Strom, wenn oft kaum Wind wehe und die Sonne nicht scheine. Der nur scheinbar saubere Strom aus der Steckdose kommt zumeist aus klimabelastenden Kohlekraftwerken und gefährlichen Atomkraftwerken, kritisierte der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

"Zeichen unverhohlener Klientelpolitik"

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace bemängelte, die Aufhebung des Verbots unterminiere die Klimaziele der Bundesregierung und sei zugleich "ein Zeichen unverhohlener Klientelpolitik" für den Energieversorger RWE. Dieser hatte in den vergangenen Monaten angekündigt, die Nachtspeicherheizung im Zuge der Energiewende wieder populär zu machen. Dafür müsse jedoch das zum 31. Dezember 2019 geplante Verbot für Nachtspeicherheizungen fallen. Greenpeace warf RWE vor, mit den Speicheröfen "die Auslastung seiner Grundlast-Kohlekraftwerke" sichern zu wollen.

Das Argument, Nachtspeicherheizungen seien eine notwendige Speichertechnologie für die Energiewende, sei eine Farce, erklärte Greenpeace. Nachtspeicher stießen dreimal mehr Klimagase aus als Gas-Brennwertkessel und zehnmal mehr als Holzpelletheizungen.

Grundeigentümer loben Union und FDP

Der Wohnungs- und Grundeigentümer-Verband Haus und Grund begrüßte die Entscheidung des Bundestages. Es müsse jede Möglichkeit genutzt werden, um das zeitweise Überangebot etwa von Wind- und Solarstrom zu speichern, erklärte der Verband. So würden aus Öfen, die früher mit Nachtstrom aus Atom- und Kohlekraftwerken betrieben wurden, Ökostromspeicheröfen.

Für Nachtspeicherheizungen war bislang nach dem 31. Dezember 2019 ein grundsätzliches Betriebsverbot vorgesehen. Die Anlagen können Strom in Heizenergie umwandeln und diese langsam abgeben. Aufgeladen werden die Geräte zu Tageszeiten, während derer die Energie günstiger ist. Üblicherweise bieten Stromversorger hierfür Tag- und Nachttarife an.

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36 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Asbestgefahr bei Altgeräten

Nachtspeicherheizungen haben zu Recht einen schlechten Ruf, auch deshalb, weil sie früher mit krebserregendem Asbest ausgerüstet wurden. Neuere NSHs sind zwar asbestfrei, aber noch immer weit davon entfernt, umweltverträglich zu sein. Wer unbedingt mit Strom heizen will (was ökologisch grundsätzlich unsinnig ist), sollte wenigstens eine elektrische Wärmepumpe benutzen!