Menschen mit ausländischen Wurzeln sind in Deutschland häufiger arbeitslos als die Gesamtbevölkerung. Ihr Anteil an den Arbeitslosen beträgt 35 Prozent, wie aus einer Befragung der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Unter den Hartz-IV-Empfängern sind es sogar etwa 40 Prozent.

Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt laut Statistischem Bundesamt nur bei etwa 20 Prozent.  

Diese etwa 16 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund umfassen seit 1950 nach Deutschland Eingewanderte und deren Nachkommen. Diese Gruppe ist nicht deckungsgleich mit den in Deutschland lebenden Ausländern. Mehr als die Hälfte (8,8 Millionen) der Migranten hatte 2011 einen deutschen Pass. 

Grund für die Arbeitslosigkeit von Migranten ist nach Vermutung von Bundesagentur-Fachleuten häufig eine unzureichende Schul- und Berufsausbildung. Die Behörde verwies auf den bekannten Zusammenhang von Bildung und den Chancen auf dem Arbeitsmarkt: Arbeitslose mit Migrationshintergrund haben häufiger keine abgeschlossene betriebliche oder schulische Ausbildung. Ihr Anteil an dieser Gruppe von Arbeitslosen beträgt 52 Prozent – im Vergleich zu 48 Prozent der Arbeitslosen ohne Migrationshintergrund.

Eine abgeschlossene Ausbildung haben der Umfrage zufolge lediglich 18 Prozent der Arbeitslosen mit Migrationshintergrund, 82 Prozent der Arbeitslosen ohne ausländische Wurzeln haben einen. Den Unterschied führt die Bundesagentur auch darauf zurück, dass in einigen europäischen Ländern formale Berufsausbildungen keine so große Rolle spielten wie in Deutschland.

Geistige Offenheit

Die Studie der Bundesagentur für Arbeit kam zeitgleich zum sechsten Integrationsgipfel, bei dem sich im Kanzleramt Einwanderer und ihre Nachfahren mit Vertretern von Bund und Ländern trafen.  Kernthema war dabei die Eingliederung von Zuwanderern in den Arbeitsmarkt.

Merkel fordert in ihrer Eröffnungsrede des Treffens eine Abkehr von alten Vorurteilen gegenüber Zuwanderern. "Das muss raus aus den Köpfen", sagte sie. Die Gesellschaft müsse eine "bestimmte geistige Offenheit" entwickeln. "Wir wollen ein Integrationsland sein."

Die Türkische Gemeinde in Deutschland hatte zuvor verlangt, dass der Staat Barrieren bei der Eingliederung von Migranten abbaut. Die Organisation legte einen Gesetzentwurf vor, der eine bessere Förderung von Menschen mit Migrationshintergrund im Bildungsbereich und auf dem Arbeitsmarkt vorsieht.

Auch im öffentlichen Dienst sollen Migranten demnach künftig stärker vertreten sein. Dazu sollten die Einrichtungen des Bundes unter anderem entsprechende Förderpläne aufstellen.