Billig-Ketten bieten Haarschnitte schon ab zehn Euro an. © Christopher Furlong/Getty Images

740 Euro netto hat Jana Rasche (Name geändert) im ersten Gesellenjahr als Friseurin verdient – bei einer 40-Stunden-Woche. "Leben kann man davon nicht", sagt sie. Erst recht nicht in einer Großstadt wie Hamburg, wo die Mieten hoch sind und das Leben teuer. Mittlerweile schneidet, färbt und föhnt sie seit mehr als zehn Jahren in einem Salon, der sie besser bezahlt. Viel Geld bleibt am Ende des Monats nicht übrig. "Ich arbeite sehr viel schwarz, auch im Urlaub" sagt Rasche. "Die meisten meiner Kollegen machen es genauso."

Dumpingpreise und schlechte Löhne – in kaum einer Branche wurden die Arbeitsbedingungen in den vergangenen Jahren so sehr heruntergehandelt wie bei den Friseuren. Nun soll damit Schluss sein. Die Gewerkschaft ver.di und die Tarifgemeinschaft der Landesinnungsverbände haben sich auf einen Mindestlohn geeinigt. Ab August 2015 sollen Friseure nicht weniger als 8,50 Euro pro Stunde verdienen. Wer in Deutschland Haare schneidet, soll in Zukunft davon leben können. Aber ist es so einfach?  Hilft der Mindestlohn wirklich gegen die Missstände in der Branche?

Etwa 80.000 Friseurbetriebe gibt es heute in Deutschland. Noch vor zehn Jahren waren es 65.000. Es gibt also mehr Salons, ohne dass die Zahl der Kunden gestiegen wäre. Viele der neuen Firmen am Markt sind Billigketten wie XL Cut, HairExpress oder M-Hairfactory, die in manchen Filialen Haarschnitte für zehn Euro anbieten. Eine der neuen Friseurketten ist die C&M Company mit Sitz in Hamburg. In den Filialen des Unternehmens kostet fast alles 13 Euro. Nach Angaben der Gewerkschaft ver.di ist das Unternehmen bekannt für die "Weigerung, sich an die geltenden Tarifverträge zu halten".

Seit Langem hat ein Preiskampf die Branche erfasst, oft ausgetragen über billige Löhne. Die Billigketten hätten faire Angebote vom Markt verdrängt, klagt der Zentralverband des Friseurhandwerks. Der Umsatz der Billigsalons sei weit schneller gewachsen als der Rest der Branche. Durch den Mindestlohn würde der "Zehn-Euro-Friseur unter Druck geraten", sagt der Chef des Verbandes, Rainer Röhr. Wenn die Firmen ihre Angestellten besser bezahlen müssten, sei ihr Geschäftsmodell nicht mehr haltbar. Auch der Arbeitsmarktökonom Claus Schnabel von der Universität Erlangen-Nürnberg sagt: "Der Mindestlohn könnte eine ruinöse Abwärtsspirale in der Branche aufhalten." Zwar glaubt er, dass Kunden abwandern werden und Friseure in die Schwarzarbeit flüchten. Das werde Jobs kosten. Am Ende aber werde es dazu führen, "dass mehr Friseure von ihrem Gehalt leben können".   

Ein Preiskampf mit billigen Löhnen

Die Hoffnung, dass der Mindestlohn dem Preiskampf ein Ende setzt, haben nicht nur die teuren Friseure in der Branche. Selbst große Ketten wie Essanelle und Klier unterstützen offiziell die Pläne. Zu Essanelle gehören rund 700 Filialen, darunter auch billigere Anbieter wie Super Cut oder HairExpress. Bei Essanelle heißt es dennoch, der Mindestlohn sei wichtig, "um in der gesamten Branche höhere Löhne und Preise durchzusetzen". Die Branche müsse weg von ihrem schlechten Image.