Von einem solchen Kunden träumen andere Branchen: Um Jahre verspätete Lieferungen nimmt er ungerührt hin. Ebenso drastisch steigende Preise und Produkte, die weniger können als eigentlich vereinbart. Trotz aller Ungemach, dieser Kunde bleibt sklavisch treu. Er heißt Bundesverteidigungsministerium und seine Lieferanten kommen aus der deutschen Rüstungsindustrie.

Doch jetzt wirft die misslungene Einführung des Euro Hawk, einer unbemannten Drohne, die in Deutschland keine Zulassung erhält und jetzt gestoppt wurde, ein Schlaglicht auf die Beschaffungspolitik des Ministeriums. Der 680 Millionen teure Skandal um den Euro-Hawk zeigt die strukturellen Probleme der Beschaffungspolitik im Verteidigungsministerium. Diese Pleiten haben in Deutschland eine lange Tradition. Und der nächste Ärger kündigt sich bereits an. Denn mit dem Aus für den Euro-Hawk sind die Drohnenprobleme für Verteidigungsminister Thomas de Maizière nicht vorbei.

Deutschland beteiligt sich ebenfalls am Nato-Projekt Air Ground Surveillance (AGS). Bis 2017 will die Nato mit fünf Global-Hawk-Drohnen ein Überwachungssystem aufbauen. Ob die Drohnen dann allerdings eine Genehmigung für den europäischen Luftraum bekommen, ist wegen technischer Gründe äußerst fraglich. 480 Millionen Euro deutsches Steuergeld sollen bereits für AGS geflossen sein.

"Wir ziehen die Reißleine, wenn die Kosten aus dem Ruder laufen", hatte Minister Thomas de Maizière gesagt und das Projekt Euro-Hawk gestoppt. Doch Kritikern geht das nicht weit genug. "Aus dem Drohnen-Desaster müssen personelle und strukturelle Konsequenzen gezogen werden", fordert Reiner Holznagel, Präsident des Bundes der Steuerzahler. "Da reicht es nicht, einfach nur Besserung zu geloben." Der Verband verlangt, die offensichtlichen Defizite zu beheben: Es gebe kein durchgehendes und wirksames Risikomanagement bei der milliardenschweren Rüstungsbeschaffung.

Die Einkaufspolitik der Bundeswehr ist eine Geschichte der Verschwendung. Einer der jüngsten Fälle ist der Kauf eines dritten Versorgerschiffes für die Marine. Ausgeschrieben wurde das Schiff lediglich in Deutschland. Doch die vier Werften, die für den Bau infrage kamen, konkurrierten nicht untereinander. Sie taten sich lieber zu einem Konsortium zusammen und legten gemeinsam ein Angebot vor. Das Verteidigungsministerium schloss trotz fehlendem Wettbewerb einen Vertrag ab. Das Schiff wurde vergangenes Jahr getauft. 

"Der dritte Einsatzgruppenversorger war doppelt so teuer wie der erste und zweite", kritisiert Omid Nouripour, Obmann der Grünen-Bundestagsfraktion im Verteidigungsausschuss. Immerhin sei das Schiff aber pünktlich geliefert worden. Was eigentliche eine Selbstverständlichkeit sein sollte, gilt im Fall der Rüstungspolitik schon als Highlight.

Nouripor kritisiert, dass die politische Kontrolle über Beschaffungsvorhaben nicht funktioniere. "Es gibt eine viel zu große Nähe zwischen Ministerium und Rüstungsindustrie", sagt er. Es werde nicht gefragt: Was braucht die Truppe im Einsatz, sondern: Was hat die deutsche Industrie im Angebot. "So eine Beschaffungsphilosophie kommt aus dem Kalten Krieg, seitdem hat sich wenig geändert."

Viele Rüstungsgüter werden mit Jahren, manchmal auch mit Jahrzehnten Verspätung eingeführt. So wurden die Entwicklungsverträge für den Kampfjet Eurofighter zum Ende der 1980er Jahre unterzeichnet. Er sollte sowjetische MiG-Kampfflugzeuge abwehren. Erst im Jahr 2004, lange nach Ende des Kalten Krieges, trafen die ersten Maschinen ein. Es dauerte weitere vier Jahre, bis sie einen Teil der Luftraumüberwachung in Deutschland übernehmen konnte.